Amanda Cross - Die letzte Analyse. Ein Fall für Kate Fansler

Buchcover: Amanda Cross - Die letzte Analyse. Ein Fall für Kate Fansler

Amanda Cross - Die letzte Analyse. Ein Fall für Kate Fansler

Von Andrea Gerk

Screwball Comedy mit literarischem Mehrwert: Amanda Cross‘ erster Fall mit Amateurdetektivin und Literaturwissenschaftlerin Kate Fansler ist eine vergnügliche und tiefgründige Wiederentdeckung.

Amanda Cross: Die letzte Analyse. Ein Fall für Kate Fansler
Aus dem Amerikanischen von Monika Blaich und Klaus Kamberger.
Dörlemann Verlag, Zürich 2021.
336 Seiten, 18 Euro.

Amanda Cross: "Ein Fall für Kate Fansler"

WDR 3 Mosaik 22.02.2021 03:56 Min. Verfügbar bis 22.02.2022 WDR 3 Von Andrea Gerk


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Kate Fansler ist Literaturprofessorin in New York

"April ist der grausamste Monat."

Mit einem Zitat von T.S. Eliot beginnt der erste Fall von Kate Fansler, die genau wie ihre Erfinderin als Literaturprofessorin in New York lehrt und diesen Satz auf den Stufen des Campus entdeckt, wo jemand mit Kreide der gereizten und aufgeheizten Frühlingsstimmung Ausdruck verschafft hat.

"'Vielleicht', dachte Kate, 'ist das so, weil wir älter werden, während die Studenten, wie die Volksmassen Caesars auf der Via Appia, immer gleich alt bleiben.' Sie warf einen Blick auf die Studenten, die auf jedem erreichbaren Rasenstück lagerten oder miteinander schmusten, und sie sehnte sich, wie jedes Mal im Frühling, nach einem würdevolleren, weniger unordentlichen Zeitalter. 'Die Jungen, einer in des anderen Armen,' hatte Yeats geklagt."

Ein Freund von Kate gerät unter Mordverdacht

Gespickt mit literarischen Zitaten und Verweisen ist der erste Fall von Kate Fansler, der im intellektuellen Milieu des New Yorks der 1960er Jahre spielt. Die schöne Studentin Janet Harrison hat ihre Professorin Kate Fansler gebeten, ihr einen guten Psychoanalytiker zu empfehlen und diese schickt sie zu ihrem alten Freund und ehemaligen Liebhaber Dr. Emanuel Bauer.

Sieben Wochen später wird die junge Frau auf dessen Couch ermordet und natürlich gilt zunächst Kates bester Freund als Hauptverdächtiger:

"'Das Ganze ist derart schlau eingefädelt, dass ich der Polizei wirklich keinen Vorwurf machen kann', sagte Emanuel, 'wenn sie mich verdächtigt. Fast verdächtige ich mich selbst. Wenn du zu dem durchaus berechtigten Verdacht der Polizei den geheimnisumwobenen und noch immer, wie ich fürchte, nicht wirklich als amerikanisch akzeptierten Beruf des Psychiaters dazurechnest, ist es kein Wunder, wenn sie annehmen, dass ich durchgedreht sei und das Mädchen auf meiner Couch erdolcht hätte. Ich glaube, sie haben da keinerlei Zweifel.'"

Für ihre Ermittlungen bekommt sie tatkräftige Unterstützung

Dass Emanuel Bauer dennoch nicht festgenommen wird, liegt zunächst nur am Mangel an Beweisen. Da Kate Fansler es für völlig ausgeschlossen hält, dass ihr bester Freund einen Mord begehen könnte, macht sie selbst sich daran, seine Unschuld zu beweisen. Sie engagiert Jerry, den Verlobten ihrer Nichte, als eine Art persönlichen Gehilfen, und kann zudem mit der Unterstützung des stellvertretenden Bezirksstaatsanwalts Reed Amhearst, rechnen, den sie im Laufe der Kate-Fansler-Serie heiraten wird. Diese beiden bilden ein hinreißend überkandideltes Paar, das einander mit einer ordentlichen Portion Ironie und Abstand betrachtet:

"Kate bereitete sich ihr Abendessen und wartete auf Reeds Anruf. Zweifellos würde er betonen, dass Kate als Detektivin eine exzellente Literaturkritikerin war. Wenn Reed auch stets zu höflich gewesen war, so etwas zu sagen, jedenfalls nicht ausführlich, so wusste Kate doch, dass er Literaturkritiker für Menschen hielt, die in ziemlich dünner Luft einherschwebten, weit über den irdischen Dingen. Intellektuelle eben, würde er wahrscheinlich sagen..."

Eine grandiose Wiederentdeckung une echtes Vergnügen

Im Stil einer Screwball-Comedy fächert Amanda Cross alias Carolyn Heilburn ironisch und pointiert die Analyse des Falls auf. Schnelle Dialoge und raffinierte Schlussfolgerungen führen schließlich zu einer überraschenden Auflösung. Weder die Umgebung – das quirlige New York der 60er Jahre - spielt dabei eine bedeutende Rolle, noch irgendwelche spannungstreibenden Action-Einlagen. Vielmehr ist "Die letzte Analyse" ein amüsantes Gedankenspiel, bei dem die Beweisführung mehr wie eine literaturwissenschaftliche Analyse verläuft.

Worum es eigentlich geht, erklärt Kate Fansler mit einem Gedicht von Wallace Stevens, in dem der Dichter den Unterschied "zwischen der Realität und den Dingen‚ wie sie sind" behandelt - also Sein oder Schein. Genau das macht "Die letzte Analyse" zu einer wunderbaren Wiederentdeckung und einem herrlichen Lesevergnügen.

Stand: 22.02.2021, 12:40