"Jubiläumsmorde – Mord am Hellweg X", H. P. Karr, Herbert Knorr und Sigrun Krauß (Hg.)

Buchcover: "Jubiläumsmorde – Mord am Hellweg X", H. P.  Karr, Herbert Knorr und Sigrun Krauß (Hg.)

"Jubiläumsmorde – Mord am Hellweg X", H. P. Karr, Herbert Knorr und Sigrun Krauß (Hg.)

Von Stefan Keim

Mord vor Ort – das Konzept ist seit Jahrzehnten beliebt. Krimifans mögen es, wenn direkt vor ihrer Haustür gemeuchelt wird, zumindest in Romanen. Wenn sie die Orte kennen, an denen ermittelt wird. Das alle zwei Jahre stattfindende Krimifestival "Mord am Hellweg" bringt immer auch ein Buch mit Kurzgeschichten heraus. Prominente, aber auch weniger bekannte Autorinnen und Autoren reisen in die Hellwegregion zwischen Gelsenkirchen und Bad Sassendorf und schreiben Krimis. Es gibt nur zwei Vorgaben: Der Ort muss im Titel erwähnt werden, und es muss einen Mord geben.

"Jubiläumsmorde" heißt die aktuelle Ausgabe, denn "Mord am Hellweg" hätte es in diesem Jahr zum zehnten Mal geben sollen. Das Festival ist wegen der Pandemie auf das nächste Jahr verschoben worden, es gibt nur eine kleinere Ausgabe, Zwischenmorde quasi. Aber das Buch ist fertig. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Jürgen Kehrer schickt seinen Ermittler Wilsberg nach Bergkamen ("Bergkamen darf nicht sterben"), Elisabeth Herrmann schreibt über den "Lünen-Code" und die junge Thriller-Autorin Melanie Raabe landet in der "Endstation Witten".

Manche Geschichten sind witzig, andere haben eine härtere Gangart. Regionalkrimis müssen nicht immer kuschelig sein. Besonders interessant ist der Beitrag von Volker Kutscher, der durch die Buchreihe "Babylon Berlin" bekannt geworden ist. Er bleibt im historischen Bereich und erzählt eine Fußballgeschichte um den BVB aus dem Jahr 1936. Zwar hat Kutscher die Handlung erfunden, aber die Hauptfiguren gab es wirklich. Heinrich Czerkus war Platzwart und Kommunist, August Lenz der erste Nationalspieler von Borussia Dortmund und strammer Nazi. So bekommt man über die Krimis nicht nur Einblicke in die Gegenwart, sondern auch in die Geschichte.

Jubiläumsmorde – Mord am Hellweg X
Herausgeber: H. P. Karr, Herbert Knorr und Sigrun Krauß
Verlag: Grafit
352 Seiten
13 Euro

Stand: 14.09.2021, 00:00