"Düsternbrook" von Axel Milberg

"Düsternbrook" von Axel Milberg, Buchcover: Ein kleiner Junge in Schwarzweiß mit rotem Luftballon vor einer Backsteinwand

"Düsternbrook" von Axel Milberg

Von Stefan Keim

"Düsternbrook" – klingt nach einem Gruselroman. So heißt aber der Kieler Stadtteil, in dem Axel Milberg aufgewachsen ist. Seine Kindheit und Jugend hat er nun in einem Buch beschrieben.

WDR 4 Buchtipp: "Düsternbrook" von Axel Milberg

WDR 4 Bücher 16.07.2019 01:05 Min. Verfügbar bis 15.07.2020 WDR 4

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"Schweinebaumeln" - so nannten es die Kieler Kinder, wenn sie mit dem Kopf nach unten über einer Teppichstange hingen. Axel Milberg war einer von ihnen. Der 62-jährige Schauspieler – bekannt als Tatort-Kommissar Borowski – erzählt in seinem Buch "Düsternbrook" aus seiner Kindheit und Jugend.

Es ist ein Roman, keine Autobiographie. Denn es geht weniger um Fakten, sondern um Fantasien und Spinnereien. Milberg blickt in seinen eigenen Kopf als junger Mensch, ganz direkt, ohne aus der Sicht des Älteren klüger sein zu wollen. Das macht sein Buch so faszinierend.

Düsternbrook heißt ein gutbürgerlicher Stadtteil von Kiel. Hier wächst Axel Milberg mit seinen beiden Geschwistern auf. Eine scheinbar behütete Kindheit. Dennoch hatten die drei nicht immer genug zu essen und luden sich selbst bei Bekannten ein, um mal richtig satt zu werden. In 50 knappen Kapiteln erzählt Milberg sprunghaft Geschichten, die zunächst wenig miteinander zu tun haben. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch schnell verknüpfen sich die Ereignisse. Es entsteht ein farbenreiches Bild einer Jugend.

Der Einkaufsbummel mit der Mutter wird zu einer Reise durch eine seltsam fremde Welt. Bei Karstadt gibt es noch einen Fahrstuhlführer, der fragt, wohin seine Gäste wollen. Milberg beschreibt solche Szenen fast märchenhaft. Als er dem Schriftsteller Erich von Däniken und seinen Theorien lauscht, dass Außerirdische oft die Erde besucht haben, sucht er Aliens in Kiel. Die Faszination für die Schauspielerei ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Erst über das Schultheater, dann durch eine Begegnung mit dem großen Mimen Gert Fröbe. Das letzte Kapitel beschreibt Milbergs Vorsprechen an der Schauspielschule.

Axel Milberg erzählt poetisch und klar, ohne sich in zu vielen Einzelheiten zu verlieren. Dadurch werden seine eigentlich sehr persönlichen Geschichten offen für die Fantasien der Leser. Sie regen an, über die eigene Jugend nachzudenken.

Düsternbrook
Autor: Axel Milberg
Verlag: Piper
288 Seiten
22 Euro

Stand: 15.07.2019, 09:23