"Der Wal und das Ende der Welt" von John Ironmonger

WDR 4 Buchtipp: "Der Wal und das Ende der Welt" von John Ironmonger, Buchcover

"Der Wal und das Ende der Welt" von John Ironmonger

Von Cathrin Brackmann

Es gibt Bücher, die liest man so nebenbei, unterhält sich gut und vergisst sie schnell wieder. Und es gibt Bücher, die werden Sie nie wieder vergessen, weil sie sich unauslöschlich in Ihre Erinnerung einbrennen. So ein Buch ist John Ironmongers Roman "Der Wal und das Ende der Welt".

"Der Wal und das Ende der Welt" von John Ironmonger

WDR 4 Bücher 30.04.2019 02:39 Min. Verfügbar bis 29.04.2020 WDR 4

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St. Piran ist ein kleines Fischerdörfchen an der englischen Küste. Hier kennt jeder jeden und die Uhren scheinen langsamer zu ticken. Das alles ändert sich, als die Bewohner von St. Piran eines Morgens einen nackten jungen Mann aus dem Meer ziehen. Sie alle kümmern sich um den jungen Mann namens Joe Haak und nehmen ihn spontan in ihre kleine Dorfgemeinschaft auf. Was keiner von ihnen ahnt: Joe Haak ist aus dem Bankenviertel, der City of London geflohen, nachdem er den Zusammenbruch der modernen Gesellschaft in Gang gesetzt hat. Als kurz danach auch noch ein Wal an der Küste St. Pirans strandet, müssen die Bewohner und Joe mehr als ein Mal beweisen, was eine echte Gemeinschaft bewirken kann.

Die These, dass die Menschheit nur drei volle Mahlzeiten von der Anarchie entfernt ist, gibt es schon lange. Aber dieser einfache Satz beschreibt die Zerbrechlichkeit unserer heutigen komplexen globalen Welt. Wir sind es gewohnt, im Supermarkt immer volle Regale zu haben, Benzin an der Tankstelle, Wasser aus dem Wasserhahn und Strom aus der Steckdose. Doch wenn nur eine dieser Versorgungsketten zusammenbricht, kann es innerhalb weniger Tage eine Kettenreaktion geben, die das Ende der Welt, wie wir sie kennen, bedeuten würde.

Genau darum geht es in diesem Roman, aber auch um Hoffnung, Zusammenhalt und dass sich Menschlichkeit eben nicht einfach voraussagen lässt. John Ironmonger beschwört so eindrücklich den Untergang unserer "zivilisierten" Welt herauf, dass wir Leser sofort anfangen möchten, Vorräte für Wochen und ein Batterieradio zu horten. Und andererseits gibt er uns den Glauben an die Menschen und an wahre Gemeinschaft und Empathie in der Not zurück. "Der Wal und das Ende der Welt": ein Buch, das man nicht so einfach vergessen wird.

Der Wal und das Ende der Welt
Autor: John Ironmonger
Verlag: S. Fischer
480 Seiten
22 Euro

Stand: 29.04.2019, 13:11