"Der Mann, der Sherlock Holmes tötete" von Graham Moore

WDR 4 Buchtipp: "Der Mann, der Sherlock Holmes tötete" von Graham Moore, Buchcover

"Der Mann, der Sherlock Holmes tötete" von Graham Moore

Von Cathrin Brackmann

Zwei Morde, zwei Amateurdetektive, zwei Welten! So fasst der Klappentext diese gelungene Mischung aus Krimi und historischem Roman zusammen. Und wer schon immer die Geschichten rund um einen der berühmtesten Detektive der Literatur gemocht hat, der wird nicht enttäuscht – auch wenn Sherlock Holmes selbst gar nicht mitspielt.

"Der Mann, der Sherlock Holmes tötete" von Graham Moore

WDR 4 Bücher 14.05.2019 01:59 Min. WDR 4

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Sein Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle tut in diesem Roman im Jahr 1900 das, was Sherlock Holmes berühmt gemacht hat: Er ermittelt. Weil Scotland Yard im Fall von zwei toten Mädchen nicht ermitteln will, nimmt der berühmte Schriftsteller die Ermittlungen auf und macht sich auf die Suche nach einem Serienmörder. Über all das schreibt er, wie immer, akribisch Tagebuch.

Doch nach seinem Tod verschwindet genau dieses eine Tagebuch aus dieser Zeit. Erst über 100 Jahre später taucht es angeblich wieder auf. Der junge Harold, ein glühender Anhänger der Geschichten von Sherlock Holmes, ist gerade bei den Baker Street Irregulars aufgenommen worden, einer illustren Vereinigung, die sich ganz der Erforschung des berühmten Detektivs und seines Schöpfers verschrieben hat. Bei seiner ersten Irregulars-Versammlung behauptet ein Mitglied, das verschwundene Tagebuch gefunden zu haben. Doch ehe er es öffentlich präsentieren kann, wird er tot in seinem Hotelzimmer gefunden, erdrosselt mit seinem eigenen Schnürsenkel. Und das Tagebuch ist verschwunden.

Der Roman wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt, was dem Fluss der Geschichten aber keinen Abbruch tut. Die Geschichten sind nachvollziehbar und lassen sich gut lesen. Aber der eigentliche Clou an diesem Buch ist, dass der Autor Graham Moore ganz viel Wahrheit mit Fiktion vermischt hat. Tatsächlich ist nach dem Tod Sir Arthur Conan Doyles eines seiner Tagebücher verschwunden. Und tatsächlich haben begeisterte „Sherlockianer“ (wie die Forscher wirklich genannt werden) fast 100 Jahre danach gesucht. Und als einer von ihnen behauptete, das Buch gefunden zu haben, wurde er kurz darauf tot aufgefunden, von seinem eigenen Schnürsenkel erdrosselt. Bis heute wird dieser Tod als ungelöst bei der Londoner Polizei geführt.

Diese Kombination aus Wahrheit und Fiktion mach dieses Buch zu einem richtig guten historischen Krimi. Unbedingt lesenswert, nicht nur für Fans von Sherlock Holmes.  

Der Mann, der Sherlock Holmes tötete
Graham Moore
Eichborn Verlag
480 Seiten
22 Euro

Stand: 14.05.2019, 11:15