"Der Fremde aus Paris" von Isabella Hammad

Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad, Buchcover

"Der Fremde aus Paris" von Isabella Hammad

Von Stefan Keim

Midhat fühlt sich unsicher. Sein Vater, ein reicher Textilhändler, hat ihn nach Frankreich geschickt. Er soll dort Medizin studieren. In seiner Gastfamilie lernt er die junge Jeanette kennen. Vorsichtig nähern sich die beiden jungen Leute an.

"Der Fremde aus Paris" von Isabella Hammad

WDR 4 Bücher 27.10.2020 02:25 Min. Verfügbar bis 27.10.2021 WDR 4


Download

Midhat spricht zwar Französisch, aber die Feinheiten und Untertöne der Sprache versteht er nicht ganz. Isabella Hammad beschreibt sehr genau, wie sich Midhat zurechtfindet, Freundschaften schließt, Enttäuschungen erlebt.

Die Präzision der Beobachtungen ist eine große Qualität dieses Romans. Die andere ist sein spannender politischer Hintergrund. Der Erste Weltkrieg hat begonnen und dringt immer mehr in den Alltag ein. Bald sterben Bekannte und Freunde an der Front, die öffentlichen Gebäude werden zu Lazaretten. Midhat lernt arabische Nationalisten kennen, die eine Befreiungsbewegung gründen. Später kehrt er in seine Heimat zurück, nach Nablus, wo er eine arabische Frau heiratet. Doch die Liebe zu Frankreich und Jeanette bleibt stark in ihm.

Der Roman bietet viel Stoff und man muss ihn aufmerksam lesen. Obwohl Isabella Hammad einen ruhigen Erzählton hat, passiert eine Menge. Zwischen den Kapiteln vergeht einige Zeit, der Roman umspannt die Jahre von 1914 bis 1936. In 16 Ländern erscheint das Buch, die 28-jährige Autorin hat die reale Geschichte ihres Urgroßvaters als Vorlage genommen. Sie entwirft ein faszinierendes Bild einer Umbruchszeit. In Midhats Geschichte spiegelt sich die Entwicklung des Nahen Ostens, wie wir ihn heute kennen.

Der Fremde aus Paris
Autorin: Isabella Hammad
Übersetzer: Henning Ahrens
Verlag: Luchterhand
736 Seiten
24 Euro

Stand: 27.10.2020, 00:00