"Der Buchhändler aus Kabul" von Asne Seierstad

"Der Buchhändler aus Kabul" von Asne Seierstad, Buchcover

"Der Buchhändler aus Kabul" von Asne Seierstad

Von Stefan Keim

Asne Seierstad ist Reporterin. Sie begleitete Soldaten beim Kampf gegen die Taliban in Afghanistan. In Kabul entdeckte sie einen Buchladen, liebevoll eingerichtet, mit einem großen Angebot. Sie ging mehrmals dorthin, kam mit dem Buchhändler ins Gespräch, wurde zu einem Essen mit der Familie eingeladen. So entstand die Idee, mit diesen Leuten einige Zeit zu leben und ihre Geschichte aufzuschreiben. Als sie den Buchhändler fragte, ob er sie aufnehmen würde, sagte er nur "Willkommen".

"Der Buchhändler aus Kabul" von Asne Seierstad

WDR 4 Bücher 12.01.2021 02:27 Min. Verfügbar bis 12.01.2022 WDR 4


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So entstand das Buch "Der Buchhändler aus Kabul", eine Mischung aus realem Erfahrungsbericht und Roman. Viel hat Asne Seierstad erlebt, anderes wurde ihr erzählt. Sie hat immer versucht, nah an der Wirklichkeit zu bleiben, aber natürlich musste sie den Berichten glauben. Deshalb hat sie dem Buchhändler, seinen zwei Frauen und fünf Kindern andere Namen gegeben.

Sultan Khan liebt die Bücher. Schon als Jugendlicher zweigt er von seinem kargen Verdienst – natürlich muss er neben der Schule arbeiten – Geld für Bücher ab. Langsam baut er seinen Laden auf. Sultans Grundidee ist die Toleranz. Er verkauft Schriften von radikalen Islamisten und Kommunisten, aber auch persische Literatur und viele andere Gedichte und Romane. Mehrmals werden seine Bücher verbrannt, er kommt sogar ins Gefängnis. Aber er gibt nie auf.

Das ist die eine Seite von Sultan Khan. Als Buchhändler ist er ein aufgeklärter Intellektueller. Aber in seiner Familie gelten die alten Regeln. Als seine erste Frau älter wird, nimmt er sich eine neue, eine jüngere, die er umgarnt und eindeutig vorzieht. Dass er die Frau, die ihn seit vielen Jahren begleitet, zutiefst verletzt, ist ihm egal. Und sie wagt es nicht einmal, sich zu beschweren.

Asne Seierstad beschreibt Glück, Kampf und Verzweiflung mit genauem Blick und in einer packenden, direkten Sprache. Der echte Buchhändler fand sich übrigens nicht richtig dargestellt. Es gab sogar einen Prozess, den die Autorin gewann. Solche Proteste sind der Preis, den Journalisten manchmal zahlen müssen, wenn sie das schreiben, was sie für die Wahrheit halten. Und dieses Buch wirkt durch und durch wahrhaftig,

Der Buchhändler aus Kabul
Autorin: Asne Seierstad
übersetzt von Holger Wolandt
Verlag: Kein und Aber
352 Seiten
13 €

Stand: 12.01.2021, 00:00