Alexander von Humboldt - Das Buch der Begegnungen

Alexander von Humboldt - Das Buch der Begegnungen

Alexander von Humboldt - Das Buch der Begegnungen

Von Monika Buschey

Er sah die Welt, wie vor ihm noch keiner: Mit dreißig Jahren reiste Alexander von Humboldt in die amerikanischen Tropen. Von den Erlebnissen unterwegs berichtet „Das Buch der Begegnungen“, lebendig gemacht im Hörbuch von Frank Arnold.

Alexander von Humboldt
Das Buch der Begegnungen

Gelesen von Frank Arnold
Audiobuch
ISBN 978-3-95862-080-3
3 MP3 CDs

Getrieben von Wissensdurst und Abenteuerlust zog es den preußischen Naturforscher Alexander von Humboldt vor 200 Jahren hinaus in die Welt. In seinen amerikanischen Reisetagebüchern berichtet er davon, frei von Vorurteilen und Berührungsängsten. „Das Buch der Begegnungen“ heißt ein Hörbuch, das von Menschen und Kulturen erzählt, wie sie dem Kosmopoliten aus Berlin begegnet sind.

Vorbereitungen für eine weite Reise.

"28., Hotel des Ambassadeur brachten wir den Morgen nicht ohne Unruhe mit Visieren der Pässe zu. ..Wir fuhren nachts um 2 ½ Uhr weg."

Kurz vor seinem 30.Geburtstag erreicht Alexander von Humboldt im Juli 1799 Venezuela, die erste außereuropäische Station seiner Reise. Er ist gut vorbereitet und lässt sich mit preußischer Disziplin auf das Abenteuer ein. Feste Grundsätze geben ihm Halt.

" die meteorologischen Instrumente und Kunstgriffe der analytischen Gas-Chemie unmittelbar lehren, reduziert sich auf folgendes: Es ist sehr wichtig, die Grenzen seines Wissens kennen, um zu zeigen, was zu tun übrig ist.

Freude am Detail und inniges Interesse

Porträt Alexander von Humboldts.

Alexander von Humboldt

Er bereist den ganzen Kontinent, Flussfahrten auf dem Orinoko, Wanderungen in den Anden, Kuba, Mexiko, schließlich die Vereinigten Staaten.

Humboldt hat stets die großen Zusammenhänge im Blick und doch ist das Bemerkenswerte an seinen Berichten die Freude am Detail, sein inniges Interesse für die Menschen, die ihm begegnen und ihre Lebensumstände.

Er weiß zu differenzieren, beobachtet genau und urteilt nicht, was immer er antrifft. Es mag bedeutsam sein oder eher kurios.

"Der Colonel und Teniente der Justizia Major Francisco Ramon Pailles nun sich zum dritten Mal mit einem 14jährigen Mädchen vermählt, er 68 Jahre. Seine vorherige Frau hat ihm einen fürchterlichen Streich gespielt. Nachdem er sein Haus prächtig möbliert, zwei Dispenze vom Papst gelöst, erklärt in der Brautnacht das zur Heirat gezwungene Mädchen, dass sie ihrem Gott ewige Keuschheit gelobt, dass sie ihn pflegen wolle… Sie beichtet in Caracas dem Bischof und ist dort jetzt im Kloster."

Doch bevor sich sein Blick auf andere Welten richtet, stellt sich der preußische Naturforscher mit präzisen Daten dem Publikum vor, als müsste er seine Glaubwürdigkeit Hieb- und Stichfest belegen und genauestens über seine Ausbildung informieren.

"Ich bin geboren zu Berlin, den 14. September 1769. Ich studierte in Frankfurt an der Oder vom 28. September 1787 bis 20. März 1788, blieb in Berlin, um Technologie zu studieren bis Frühjahr 1789. Studierte in Göttingen bis Frühjahr 1790. In Hamburg auf der Handelsakademie bis 1791…. Oberbergmeister der Fränkischen Fürstentümer den 6. September 1792."

Kleine Reisen und der Aufbruch zu ganz neuen Ufern

Zwischendurch kleinere Reisen nach Paris, Prag, Venedig, Marseille. Nie hält es ihn lange an einem Ort. Wie er die Ruhe aufbringt für seine ausführlichen Studien – die er mit Fleiß betreibt – bleibt sein Geheimnis. Ein umtriebiger Geist eben, der unterwegs weniger Ablenkung als Anregung erfährt. 1799 dann der Aufbruch zu ganz neuen Ufern. Von Teneriffa aus segelt das Schiff westwärts, auf den südamerikanischen Kontinent zu.

"Wir sind in großer Gefahr, an der Klippe beim Schloss St Amaro zu scheitern. Meine Stimmung ist ruhig, wie sie sein muss, wenn man großes Werk antritt."

Eine Fülle von Eindrücken: Menschen, Kulturen, Naturphänomene, Geschichten. Das Aufschreiben – zum Teil in Stichworten, zum Teil ausführlich – wird ihm geholfen haben, die Gedanken zu ordnen, die Erinnerungen in eine Reihenfolge zu bringen.

"Keine Küste mehr. Himmelgewölbe auf dem Meer, da man keine Gegenstände am Horizont sieht. Mehr kugelförmig, minder gedrückt. Prächtige Nacht: Mond mit Mars. Meer sprüht Feuer. Stoß, Erschütterung erregt die Phosphoreszenz. Meer ist eine essbare Flüssigkeit voll organischer Teile… Den 8. Juni feindliche Segel. Furcht. Wie Menschen den Menschen fliehen. Selbst in der Einöde."

Die ideale Brücke zum Verständnis

Frank Arnold

Frank Arnold

Frank Arnold liest die skizzenhaften Notizen wie die ausführlichen Schilderungen mit einer Lust am Text, die sich beim Zuhören sofort mitteilt.

Geführt von seiner Stimme gelangt man ohne Anstrengung in ferne Welten und Zeiten. Geläufig, als hätte ein Zeitgenosse ihn geschrieben, präsentiert er den alten Text, klar und souverän.

Er baut so die ideale Brücke zum Verständnis. Und indem man der Blickrichtung Humboldts folgt, sieht man auch die eigene, gegenwärtige Welt mit anderen Augen.

"Nachdem wir innerhalb von 2 1/4 Stunden eine Felsenmauer erklommen hatten, erblickten wir von der Höhe der Anden herab die Südsee. Welch eine Lust! Man glaubt, einen alten Freund zu sehen beim Anblick des Meeres. Das Herz öffnet sich, die Einbildungskraft füllt sich mit tausenderlei Gedanken an Verbindungen, an Möglichkeiten, an Hoffnungen… Glücklich der Mensch, der seine Grenzen erkennt und nicht die Wolken für den Horizont hält, nachdem er sucht. In dieser Kenntnis besteht unsere ganze Philosophie."

Alexander von Humboldt - Das Buch der Begegnungen

WDR 3 Buchrezension | 09.08.2018 | 05:40 Min.

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Stand: 09.08.2018, 06:05