Bernhard Kegel - Ausgestorben um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren.

Bernhard Kegel - Ausgestorben um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren.

Bernhard Kegel - Ausgestorben um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren.

Von Sven Ahnert

170 Millionen Jahre lebten Dinosaurier auf der Erde. Bernhard Kegel erzählt anschaulich die Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung dieser Erdbewohner.

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Bernhard Kegel
Ausgestorben um zu bleiben. Dinosaurier und ihre Nachfahren.

Dumont Verlag, Köln 2018.
266 Seiten
22 Euro.

Alltagsdinos

Dinosaurier sind in der Alltagskultur allgegenwärtig, auf T-Shirts, als Plastikspielzeug und sogar in Form von Fast Food. Doch, was wissen wir tatsächlich über diese wundersamen Lebewesen?

"Zweifellos wissen wir heute ungleich mehr über die ausgestorbenen Reptilien als die Menschen im 19. Jahrhundert, vermutlich waren aber auch die Wissenschaftler vor 50 oder 100 Jahren überzeugt davon „ihre“ Dinosaurier zu kennen. In jedem Fall täten wir gut daran, gegenüber den computeranimierten Riesenechsen und ihrer scheinbaren Perfektion ein wenig Skepsis zu bewahren."

Die Wissenschafts- und Mediengeschichte der Dinosaurier

Bernhard Kegel wandelt mit uns durch die Wissenschafts- und Mediengeschichte der Dinosaurier und zeigt, dass jede Epoche ihre ganz eigene Vorstellung von der Riesenechse hatte.

Protraitaufnahme von Dr. Bernhard Kegel im Planet Wissen Studio.

Dr. Bernhard Kegel

Aus ersten Knochenfunden wurde imposante Drachenwesen phantasiert, die sich bis heute in unser kollektives Unterbewusstsein eingebrannt haben. Im viktorianischen England begann die eigentliche Geschichte moderner Dinosaurier-Forschung.

"Die Geologie steckte noch in den Kinderschuhen, von einer wissenschaftlichen Paläontologie konnte kaum die Rede sein und Fossiliensucher hatten erste Knochen im Süden Englands gerade erst entdeckt: zwei wasser- und zwei landlebende Riesenechsen, alles in allem eine noch sehr übersichtliche Biodiversität."

Die Saurier-Pionierin von der Jurassic Coast

Mary Anning

Mary Anning

Der wohl wichtigste Fund ihres Lebens, das komplette Skelett eines Fischsauriers, machte die 12-jähige Mary Anning. Das Mädchen aus Südengland hatte einen siebten Sinn für merkwürdige Knochenreste und Fossilien, die sie am Strand auflas. Immer wieder stieß sie auf Saurier-Reste, die alsbald auch die Paläontologie zu interessieren begann.
Als sie 1847 Jahren starb, war sie bereits zum Ehrenmitglied der Geological Society of London und galt als die Saurier-Pionierin von der Jurassic Coast, dem ersten Eldorado für "Dino-Knochen-Sammler". Von Mary Annings Funden führt der Weg in die USA, wo Saurier regelrecht zum Nationalsymbol wurden und Eingang in die Trivial- und Konsumkultur fanden.

"Ausgerechnet eine Mineralölfirma hatte daran großen Anteil. Tausende von Tankstellen dieses Riesenlandes zeigen ihn noch heute: den grünen Brontosaurus, der heute Apatosaurus heißt und aussieht, als sei er einem Disney-Zeichentrickfilm entsprungen, das Logo von Sinclair-Öl, oft noch unterstützt durch eine große Skulptur in der gleichen Farbe."

Biomaschinen der Superlative

Neben kulturgeschichtlichen und Wissenschafts-Kuriosa, etwa der Jagd nach dem größten und mächtigsten Saurier-Skelett, richtet Kegel immer wieder den Blick auf den gewaltigen Organismus der Urzeittiere. Dinosaurier waren Biomaschinen der Superlative: Atemberaubend sind daher die Steckbriefe dieser bis zu 60 Meter langen Tiere, die Staunen machen. Auch die Größe der Ausscheidungen war sensationell und ein Angriff auf jede Nase.

"Rechnet man von den Kotmengen, die ein Elefant produziert, auf einen 80-Tonner hoch, vielleicht einen ausgewachsenen Argentinosaurus, erhält man einen oder mehrere tägliche Haufen, die zusammen 1,5 Tonnen wiegen, das Gewicht eines voll besetzten VW Golfs."

Der Archaeoraptor

Ende des 20. Jahrhunderts richteten sich die Augen nach China. Dort wurde viele Fossilien freigelegt und gaben den Blick frei auf ein modifiziertes Saurier-Bild. Unter all die seriösen Knochen- und Skelettjäger in China, mischten sich immer auch dubiose Fälscher, die reine Fantasiewesen "hervorzauberten": So wurde ein Archaeoraptor konstruiert, halb Dinosaurier, halb Vogel, ein Mischwesen, das unter Evolutionsforschern viel Unruhe verbreitete. Wer ihn schuf und wozu, ist ungeklärt, aber wer immer es war, er stiftete Verwirrung und lieferte Kreationisten einen willkommenen Anlass, einmal mehr die Evolution im Allgemeinen anzuzweifeln und die moderne Wissenschaft als Scharlatanerie hinzustellen.

"Auf einem Markt in Myanmar fand Lida Xing, Paläontologe der Chinese University of Geosciences, kürzlich einen 99 Millionen Jahre alten Bernstein. Das Besondere an diesem aprikosengroßen Stück war der darin enthaltene Einschluss. Aufgrund der Wirbelknochen wurde er als Schwanz eines kleinen Dinosauriers identifiziert."

Dino-Forschung und der Rubrik "Vermischtes"

Heute ist unser Bild von den Dinosauriern immer noch zweigeteilt. So gibt es die verfeinerte Sicht der Paläontologie, die zeigt, dass Raubtier-Dinos ein Spezialfall waren und die Artenvielfalt gigantisch. Das Tableaux reicht mittlerweile vom spatzengroßen Mini-Saurier, über grell gefiederte Hühner-Saurier bis hin zu den langhalsigen Giganten, die das Ausmaß eines Jumbojets einnehmen können. Die andere Seite der Medaille ist das Klischee vom wuchtigen, mal brandgefährlichen, mal einfältig-trägen Ungetüm, das sich bequem vermarkten lässt. Godzilla und Steven Spielbergs Film "Jurassic Park" haben das Saurier-Bild natürlich bis heute geprägt. Den einzig wahren Dino enthüllt auch dieses Buch nicht, aber dafür eine Fülle an nützlichem und lustigem Wissen aus der Schatzkammer der Dino-Forschung und der Rubrik "Vermischtes". Ein Blick in Bernhard Kegels mit leichter Hand geschriebene "Dinosaurologie" hilft, die ewig gleichen Stereotypen zu verabschieden und die Vorfahren unserer gefiederten Freunde mit anderen Augen zu sehen.

Bernhard Kegel: "Ausgestorben um zu bleiben"

WDR 3 Buchrezension | 08.06.2018 | 05:34 Min.

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Stand: 04.06.2018, 20:21