Hennes Bender holt Asterix ins Ruhrgebiet

Asterix, Dingenskirchen

Hennes Bender holt Asterix ins Ruhrgebiet

Mit "Dingenskirchen" hat Hennes Bender den Asterix-Klassiker "Die Trabantenstadt" ins Ruhrdeutsche übersetzt. Warum das Ruhrgebiet ebenso besetzt sei wie das alte Gallien, erzählt der Comedian im Interview.

WDR: Wo sind denn für Sie die Parallelen zwischen Gallien und "dem Revier", dem Ruhrgebiet?

Hennes Bender: Anders als bei der "Tour de Ruhr", die ich vor zwei Jahren übersetzt habe - da ging es darum, dass Asterix und Obelix durch das Ruhrgebiet fahren - geht es jetzt darum, dass die Gallier in ihrem eigenen Dorf bedrängt werden von den Römern. So ähnlich ist es auch im Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet ist ja auch mehr oder minder besetzt: Es ist politisch fremdregiert von Düsseldorf, Münster und Arnsberg aus, das muss man sich klar machen …

WDR: Sind bei Ihnen die Römer die Düsseldorfer?

Hennes Bender: Das sind für mich ein bisschen die Römer. Ich hatte ursprünglich vor, aus Düsseldorf Rom zu machen, also aus Rom Düsseldorf, habe das dann aber gelassen.

Hennes Bender - Porträt

Hennes Bender

Es ist eine Gratwanderung zwischen Realität und historischen und aktuellen Sachen, aber das war Asterix ja auch schon immer. Ich habe nichts anderes gemacht, als das neu auf Ruhrgebietsverhältnisse zu synchronisieren.

WDR: Ich habe Jahre, um nicht zu sagen, Jahrzehnte gebraucht, um zu verstehen, dass Julius Cäsar in den Asterix-Bänden nichts anderes ist als eine Parodie auf den französischen General Charles de Gaulle. Für wen steht denn Cäsar bei Ihnen?

Hennes Bender: Cäsar ist natürlich der Antagonist. Wenn man es sich genau anguckt, ist er ja auch nicht der Bösewicht, er steht ja für was. In meinem Band kommt auch ein Monty-Python-Zitat vor: "Was haben die Römer eigentlich für uns getan?"

Ich habe Cäsar aus aktuellen Gründen einen Trump-Spruch reingedrückt, beziehungsweise natürlich ist Cäsar der Erfinder dieses Spruches. Trump kam ja viel, viel später. Worauf mein Lektor sagte: "Hennes, mach' den nicht voll zum Deppen, das war ein Feldherr und Staatsmann. Das hat Cäsar nicht verdient, dass Du ihn jetzt mit Trump vergleichst."

Asterix, Dingenskirchen

Das habe ich dann eingesehen. Zum Glück habe ich im Verlag auch Leute, die sich sehr gut mit Asterix und der Materie auskennen. Da muss man schon historisch fundiert sein, um das zu bearbeiten.  

WDR: Aus dem römischen Baumeister "Quadratus" wird bei Ihnen "Gentrifikatus". Damit ist die Stoßrichtung schon gut angedeutet ...

Hennes Bender: Man darf keine Angst vor Kalauern haben. Ursprünglich sollte er "Rigipsus" heißen. Aber ich dachte, nein, es geht ja um Gentrifikation in der "Trabantenstadt". Schon damals hatte Goscinny Weitblick bewiesen: Er hatte das natürlich auf französische Verhältnisse gemünzt, was um Paris passiert ist mit den ganzen Neubauten, aber das gibt es bei uns im Ruhrgebiet ja auch. Es wird ja überall gebaut ohne Sinn und Verstand, ohne Herz vor allen Dingen und darum geht es.

Das Gespräch führte Daniel Finkernagel. Hier können Sie es in voller Länge hören:

Voll Panne, die Römers!

WDR 3 Mosaik | 10.04.2018 | 10:30 Min.

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Stand: 10.04.2018, 12:28