Alina Bronsky - Der Zopf meiner Großmutter

Collage: Alina Bronsky, Der Zopf meiner Großmutter

WDR 2 Buchtipp

Alina Bronsky - Der Zopf meiner Großmutter

Von Christine Westermann

Alina Bronskys erster Roman "Scherbenpark" war ein Bestseller, wurde verfilmt und ist inzwischen Lektüre im Deutschunterricht. Auch ihr neuer Roman zieht seine Leser mit stiller Komik und trockenem Witz in den Bann.

Alina Bronsky - Der Zopf meiner Großmutter

WDR 2 Lesen 30.06.2019 04:44 Min. Verfügbar bis 29.06.2020 WDR 2

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Das Buch

"Ich war fast sechs Jahre alt und kannte mich mit der Liebe aus." Dieser Satz steht ganz vorn, auf der ersten Seite von Alina Bronskys neuem Buch.

Liebesversteher ist der kleine Maxim, zu Beginn des Buches gerade mal sechs Jahre alt. Mit seinen Großeltern kommt er in den 90er Jahren als Flüchtlingskind aus der Sowjetunion in die deutsche Provinz, wächst in einem Flüchtlingsheim auf. Weil der kleine Maxim was von Liebe versteht, kann er seine Großmutter so nehmen, wie sie ist. Rabiat, grob, immer einen Fluch auf den Lippen, schier unerträglich derb, peinlich. 

Die Oma glaubt, Max sei ein Schwachkopf und obendrein körperlicher Krüppel. Behandelt ihn entsprechend. Nichts davon stimmt, Max ist ein Kind mit einer erstaunlichen Beobachtungsgabe. Er versteht vieles, auch den Großvater, der sich in eine andere Frau verliebt und damit das ohnehin leicht chaotische Zusammenleben von Enkel und Großeltern sprengt.

Die Bewertung

'Der Zopf meiner Großmutter' ist genau die Art von Literatur, die von Menschen sehr geschätzt wird, die zum Vergnügen lesen. Zum einen ist die Geschichte rau, mit stiller Komik, trockenem Witz, hat was von Woody Allen. Wenn Maxim gefragt wird, warum er sich eigentlich nie gegen seine Großmutter wehrt, die ihn rumkommandiert, wie ein rohes Ei behandelt, sagt er sehr lapidar: Ich käme dann zu nichts anderem mehr. 

Und gleichzeitig ist es eine Geschichte voll feiner Ironie, voller Feingefühl und Tiefgang. Wenn der kleine Maxim zum Beispiel der Großmutter ihre Grobheit, ihre unerträglichen Macken, ihre Gemeinheiten ganz leicht verzeihen kann. Er weiß um ihre stille Angst, ihre Einsamkeit, ihr Fremdsein und ihre Verzweiflung darüber, dass ihr Leben so ganz anders hätte sein sollen.  

Christine Westermann vor einem Bücherregal

WDR 2 Literaturkritikerin Christine Westermann

Es passt oft, dass mich Menschen auf der Straße, im Urlaub ansprechen und nach einem Buchtipp fragen. Ganz selten dagegen passiert es, dass mich jemand anspricht und sagt, das müssen sie lesen. Beim Zopf der Großmutter war das so. Ein Buch, das ich zweimal gelesen habe. Beide Male mit großer Begeisterung und stillem Vergnügen.

Die Autorin

Alina Bronsky kam in den 90er Jahren aus Weißrussland nach Deutschland. Ihr erster Roman "Scherbenpark" war gleich ein Bestseller, wurde verfilmt und ist inzwischen Lektüre im Deutschunterricht.

Ich glaube, ich habe alle Alina Bronsky-Bücher hier bei Frau TV empfohlen, erinnere mich zum Beispiel gern an "Baba Dunjas letzte Liebe", ein Roman , bei dem auch eine Großmutter im Mittelpunkt steht.  

Alina Bronsky
Der Zopf meiner Großmutter
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 3462051458
Preis: 20 Euro

Stand: 30.06.2019, 11:03