"Äquator" von Antonin Varennes

Buchcover "Äquator" von Antonin Varennes

"Äquator" von Antonin Varennes

Von Stefan Keim

Antonin Varennes schickt in seinem neuen Roman "Äquator" einen einsamen Mann durchs mittlere Amerika. Pete Ferguson lebt in einer mehr als harten Welt und sucht nach einem Ort, an dem seine Verbrechen vergessen sind.

Pete redet nicht viel. Nur den wenigsten verrät er überhaupt seinen Namen. Er ist auf der Flucht und schließt sich verschiedenen Leuten an, Bisonjägern, Comancheros, Revolutionären in Guatemala. Die Geschichte spielt in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Das Leben ist knallhart in den Gegenden, die Pete durchstreift. Er stiehlt, betrügt, begeht sogar einen Mord. Aber er verroht nicht ganz, sondern bewahrt in sich eine Hoffnung.

Spannende Suche nach Erlösung

Der Franzose Antonin Varennes schreibt spannende, harte, philosophische Romane. Männliche Romane. Die Beschreibungen sind kurz und präzise. Varennes ist vor allem ein Meister des Dialogs. Man glaubt die Leute beim Lesen sprechen zu hören, in Sätzen, die nicht alles erklären, in denen viel mitschwingt. Sie lassen Luft, damit der Leser mitdenken kann. So taucht man schnell ein in eine Welt des ständigen Überlebenskampfes, in der Gemeinschaften oft nicht von langer Dauer sind.

Ein Bisonjäger erzählt Pete vom Äquator. Das sei ein Ort, an dem alles anders ist. Die Vögel gehen auf dem Boden, die Menschen müssen sich Kieselsteine in die Taschen stecken, um nicht abzuheben. Eine verdrehte Welt. Für Pete ist dieser Äquator die letzte Hoffnung. Hier könnte er sich von seinen Sünden und Verbrechen befreien und vielleicht noch einmal von vorne anfangen. Deshalb reist er von einem Ort zum andern. Auf der Reise begegnet er der Indiofrau Maria, die ihn fasziniert. Doch sie hat nichts anderes im Kopf, als ihr Volk zu retten und die führenden Politiker des Landes zu erschießen. So findet sich Pete mitten in einer Rebellion, die nicht seine ist. Doch ohne es zu wissen, ist das Teil seiner Reise zum Äquator.

Es ist schon überraschend, dass ein Franzose so ein typisch amerikanisches Buch geschrieben hat. Einen Roman über Einsamkeit und Erlösung, rau, derb, aber mit viel Tiefgang.

"Äquator" von Antonin Varennes

WDR 4 Bücher | 08.05.2018 | 02:09 Min.

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Äquator
Antonin Varenne
C. Bertelsmann
432 Seiten
20 Euro

Stand: 08.05.2018, 00:00