Freude schöner Götterfunken: Beethoven zurück in Bonn

Freude schöner Götterfunken: Beethoven zurück in Bonn

Ludwig von Beethoven ist so etwas wie der Popstar der Klassik. Und er ist ein Bonner Kind. Zum 250. Geburtstag hat die Bundeskunsthalle dem freiheitsliebenden Kompositions-Genie eine große Schau geschenkt. Mit viel Papier, aber auch mit vielen Bildern. Und natürlich mit Musik.

Beehoven.Welt.Bürger.Musik, Bundeskunsthalle, Bonn 2019 (Ausstellungsansicht)

Wild und gefährlich, griesgrämig und mit modischem Halstuch: So kennen wir Beethoven. Denn so malte Joseph Karl Stieler um 1820 die Musik-Ikone. Normalerweise hängt das Gemälde im Bonner Beethoven-Haus, das sich zum 250. Geburtstag des Komponisten ebenfalls herausgeputzt hat. Für die Jubiläumsausstellung ist es aber in die rund vier Kilometer entfernte Bundeskunsthalle gewandert. Und da geht’s unter anderem um die Frage, ob Beethoven wirklich so wild, gefährlich, griesgrämig und modisch war, wie Stieler ihn gemalt hat. 

Wild und gefährlich, griesgrämig und mit modischem Halstuch: So kennen wir Beethoven. Denn so malte Joseph Karl Stieler um 1820 die Musik-Ikone. Normalerweise hängt das Gemälde im Bonner Beethoven-Haus, das sich zum 250. Geburtstag des Komponisten ebenfalls herausgeputzt hat. Für die Jubiläumsausstellung ist es aber in die rund vier Kilometer entfernte Bundeskunsthalle gewandert. Und da geht’s unter anderem um die Frage, ob Beethoven wirklich so wild, gefährlich, griesgrämig und modisch war, wie Stieler ihn gemalt hat. 

Rund 250 Exponate sind in der Bonner Jubiläumsschau versammelt, die Leben und Werk thematisch aufbereiten. Dazu gehört natürlich auch Beethovens Auseinandersetzung mit den größten Größen seiner Zeit: Goethe, Schiller und Napoleon. Und Mozart. Immerhin galt Beethoven aufgrund seines Talents schon in seiner Kindheit als "zweiter Mozart". 1786 reiste er sogar extra nach Wien, um bei Mozart Unterricht nehmen. Dummerweise war Mozart zu der Zeit wohl in Prag. (Im Bild: Mozart-Porträt von Ladislav Czerny nach einem Porträt von Joseph Lange, 2011.)

Beethoven konnte nicht nur Sinfonie. Er konnte auch Oper! Allerdings konnte er das nur ein einziges Mal, und zwar mit dem 1805 unter dem Titel "Leonore" uraufgeführten und später überarbeiteten Musiktheater "Fidelio" – im Stil einer "Rettungs- und Befreiungsoper", wie sie damals gerade in Frankreich Mode war. Hier eine Papiertheater-Variante.

Auch diese "Lebendmaske" Beethovens ist Teil der Bonner Ausstellung. Sie wurde 1812 vom Bildhauer Franz Klein am noch sehr lebendigen Komponisten abgenommen, um danach eine Büste herzustellen. Der erste Versuch soll missglückt sein, da Beethoven Panik bekam, zu ersticken.

Beethoven war aber nicht nur Komponist. Er war vor allem auch Patient! Das macht Jubiläumsschau überdeutlich mit einer bemerkenswerten Info-Tafel, die alle Krankheiten Beethovens auflistet. Oder mit dem "Heiligenstädter Testament" von 1802, in dem Beethoven seine Brüder über seine Krankheiten aufklärt und seinen Nachlass regelt. Hier wird das Dokument gerade in seinen Sockel eingepasst, was nicht ganz unproblematisch ist. Inzwischen steht es natürlich in der Vitrine.

Ausgestellt sind zudem eine zeitgenössische Haus- oder Reiseapotheke …

 ... und das "Große Hörrohr" des Meisters. Gleich daneben wartet ein kleineres Exemplar, an dem man selbst ausprobieren kann, wie sich die Welt durchs Hörrohr anhört. Zudem gibt es einen Stuhl, der es ermöglicht, durch Vibration Musik buchstäblich zu fühlen.

In der Bonner Beethoven-Ausstellung ist natürlich viel Papier zu sehen. So etwa ein Brief, der belegt, dass Beethoven mit 17 Jahren noch keine Großbuchstaben konnte. Oder diese Eintragung im Taufregister der Kirche St. Remigius zu Bonn vom 17. Dezember 1770: Sonst wüssten wir gar nicht, was wir 2020 zu feiern hätten. Der Vorname der Mutter - Helena statt Magdalena - ist übrigens falsch. Hoffentlich stimmt dann auch wirklich das Taufdatum!

Dabei sind die wahren Höhepunkte besonders klein. Und wohl für die meisten Besucher auch unleserlich. Wie dieser Brief zum Beispiel, den der 25-jährige Komponist 1795 an den befreundeten Diplomaten Heinrich von Struve im fernen Russland schrieb. Er ist nur wenige Zentimeter groß und wurde erst vor Kurzem wiederentdeckt: eine echte Sensation. Im Brief wünscht sich Beethoven eine Zeit herbei, in dem es "nur Menschen geben wird", ohne Standesgrenzen und Unterdrückung. Hier spannt sich der Bogen zur 1824 uraufgeführten 9. Sinfonie. "Alle Menschen werden Brüder."

Unser persönliches Highlight in der Bonner Beethoven-Ausstellung: Das berühmte Beethovenfries von Gustav Klimt aus dem Wiener Secessionsgebäude von 1901! Na ja, nicht das Original natürlich. Aber eine perfekte 1:1-Reproduktion. 34 mal 2 Meter lang. Mit goldigen Damen und garstigen Affen. Da kommt schon beim Betrachten Freude schöner Götterfunken auf!

Und auch das kleine Kabinett mit den Grafiken aus der Reihe "Desastres de la Guerra", die Beethoven in die Schar pazifistischer Künstler seiner Zeit einreihen, ist eine echte Schau.

Die Ausstellung "Beethoven. Welt.Bürger.Musik" ist noch bis zum 26. April 2020 in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen. Zur Ausstellung ist ein üppiger Katalog erschienen, der Leben und Werk chronologisch aufbereitet.

Während der Ausstellung setzen sich übrigens immer einmal wieder mitten in den Museumsräumen Pianisten an die Flügel. Hier ist allerdings noch der Hammerklavierstimmer am Werk. Inzwischen herrscht aber – auch bei den zahlreichen, in verschiedenen Räumen zu hörenden Aufnahmen vom Band oder auf Video – Harmonie.​

Stand: 12.12.2019, 12:10 Uhr