Aktion "Fenster auf" in Bochum

Mambo Kurt bei "Fenster auf"

Aktion "Fenster auf" in Bochum

Von Stefan Keim

Eine spontane Veranstaltungsreihe bringt Musik, Theater, Tanz und Poesie vor die Wohnhäuser der Stadt. Die Performances finden draußen statt, das Publikum schaut aus den Fenstern und von den Balkonen.

Mambo Kurt bei "Fenster auf"

Alleinunterhalter Mambo Kurt bei "Fenster auf".

Die Biermannstraße in Bochum-Wiemelhausen. Es ist 17.30 Uhr, still und dunkel. Drei Hochhäuser in einem Wendehammer, kaum jemand ist draußen. Zwei Männer schleppen eine Heimorgel heran und stellen sie auf eine Rasenfläche. Einer davon ist der Alleinunterhalter Mambo Kurt. Sein Konzert wurde nirgendwo angekündigt. Die Moderatorin und Veranstaltungsorganisatorin Katja Leistenschneider hat das Projekt "Fenster auf!" erst vor einer Woche aus dem Boden gestampft.

"Man darf sich zu zweit irgendwo hinstellen und Musik machen", sagt Katja Leistenschneider. "Eine Viertelstunde lang. Bevor die Leute merken, dass was passiert ist, sind wir schon wieder weg und ein paar Häuser weiter." Das Publikum muss wirklich in den Wohnungen bleiben, sonst würde das Ordnungsamt einschreiten. Eine Anschubfinanzierung von 10.000 Euro bekam Katja Leistenschneider von der GLS Bank aus Bochum.

Janni und Benni Weichsel  bei "Fenster auf"

Janni und Benni Weichsel mit Violine und Saxophone.

Als Mambo Kurt loslegt, gehen die Lichter in den Fenstern an. Viele treten raus auf ihre Balkone, hinter einem dunklen Fenster sieht man tanzende Lichtröhren. Sofort entsteht Stimmung, die Leute machen mit. Es gibt sogar Minipolonaisen zu zweit auf wenigen Metern Balkon. An diesem Abend sind mehrere Künstler in verschiedenen Bochumer Stadtteilen unterwegs. Fünf Kilometer entfernt legen gerade die Brüder Janni und Benni Weichsel mit Violine und Saxophon los. Ihr Programm bewegt sich zwischen Jazz, Kammermusik und Ethnopop.

Auch bei diesen anspruchsvolleren Klängen sind die Reaktionen überwältigend. Familien erscheinen in den Fenstern und Balkonen, manche tragen kleine Kinder auf dem Arm. Eine junge Frau klettert in die Öffnung ihres Fensters und verfolgt das Konzert in der Hocke, um möglichst nahe dran zu sein. Ein Bochumer Projekt, das gute Laune vermittelt und Künstlern hilft. Denn alle kriegen eine Gage, auch die Assistenten, die zum großen Teil Studierende sind und gerade keine Jobs haben. Spenden und Nachmachen erwünscht!

Stand: 06.11.2020, 10:38