Ausstellung "100 Jahre Ruhrgebiet" in Essen

Zeche Zollverein mit dem Foerdergeruest Schacht XII, Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Ruhrgebiet, Essen

Ausstellung "100 Jahre Ruhrgebiet" in Essen

Von Stefan Keim

Schimanskis Jacke und ein Kostüm aus dem "Starlight Express" sind zwei von vielen Höhepunkten der Schau im Ruhrmuseum. Über 1.000 Bilder, Fotos und Gegenstände erzählen die Geschichte der Region.

Ausstellung "100 Jahre Ruhrgebiet" in Essen

WDR 4 Gut zu wissen 15.10.2020 02:16 Min. Verfügbar bis 15.10.2021 WDR 4 Von Stefan Keim


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Ein Baby schläft im Luftstrom eines Haartrockners. Die Zeichnung stammt aus dem Jahr 1928 und war eine Werbung für Elektrizität. Denn damals hatten längst nicht alle Haushalte Strom. Über solche Bilder schmunzelt man erst. Und wenn man über sie nachdenkt, erzählen sie einem viel, über die Zeit, in der sie entstanden sind. In diesem Fall über die Geschichte des Ruhrgebiets.

"100 Jahre Ruhrgebiet" heißt die neue Sonderschau im Ruhrmuseum Essen auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Natürlich ist das Ruhrgebiet schon viel älter, aber 1920 wurde eine Verwaltungseinheit geschaffen, der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk. Daraus wurde später der Regionalverband Ruhr. In sieben Kapitel hat Ruhrmuseumsdirektor Heinrich Theodor Grütter die Ausstellung aufgeteilt. In der Mitte steht die Verwaltung, dargestellt durch eine Wand mit Porträts von Verwaltungsdirektoren in Öl. Die Eitelkeit der alten Herren wirkt heute etwas absurd.

Im Bereich Kultur erinnert die Ausstellung vor allem an das Bochumer Schauspielhaus. Aber auch das Plakat zu Adolf Winkelmanns Ruhrgebietsfilm "Jede Menge Kohle" weckt Erinnerungen. Die Jacke des legendären Schmuddelkommissars Horst Schimanski aus dem Duisburg-Tatort hängt gegenüber von einem Kostüm aus dem Musical "Starlight Express".

Das Ruhrmuseum ist besonders stolz, dass es aus Luxemburg die Gründungsurkunde der Montanunion ausleihen konnte. Es ging um den zollfreien Zugang zu Kohle und Stahl und war die Grundlage für das Wiedererstarken des Ruhrgebietes. Außerdem sehen Historiker hier die Grundlage der Europäischen Union.

Aber auch der Alltag spielt eine große Rolle. Vor 100 Jahren gab es schon Aldi-Märkte, aber mit deutlich weniger Parkplätzen. Und der Schuhhändler Heinrich Deichmann aus Essen fuhr in einem Kleinbus seine Schuhe durch die Straßen – als Werbekampagne. Mit über 1.000 Ausstellungsstücken wirkt die Ausstellung etwas vollgepackt. Aber es gibt eine Menge zu entdecken – und der hervorragende Katalog bietet die Möglichkeit, zu Hause viel nachzulesen.

Termine:

Bis 9. Mai 2021, täglich 10 – 18 Uhr geöffnet.

Adresse:

Ruhr Museum
in der Kohlenwäsche
UNESCO-Welterbe Zollverein, Essen

Stand: 13.10.2020, 11:00