Handwerkermangel trifft Kommunen

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Handwerkermangel trifft Kommunen

Von Nina Giaramita

Die Städte in NRW haben immer größere Schwierigkeiten, ihre Bauvorhaben umzusetzen. Denn an den Ausschreibungen der Kommunen beteiligen sich kaum noch Unternehmen.

In Ratingen wartet man seit Jahren darauf, dass der heruntergekommene S-Bahnhof Hösel saniert wird. Für diesen Sommer war der Umbau tatsächlich vorgesehen - am Ende sollte der Bahnhof endlich barrierefrei sein. Daraus wird jedoch vorerst nichts.

Die Bahn teilte mit, dass die Modernisierung verschoben werden muss: Keine einzige Baufirma habe sich an dem Ausschreibungsverfahren der Bahn beteiligt. Ähnlich erging es dem Unternehmen bei der geplanten Modernisierung des Hauptbahnhofs in Duisburg. Auch hier reichte kein Bauunternehmer ein geeignetes Angebot ein.

Kritik an "Bürokratismus"

Die Bahn spricht bei den verschobenen Baumaßnahmen von Einzelfällen. "Einen allgemeinen Trend kann ich nicht bestätigen", so der Bahnsprecher. Dass Baumaßnahmen immer öfter liegen bleiben, ist jedoch in den Kommunen längst Realität. Allein in Dortmund mussten in den letzten drei Jahren jährlich etwa 100 Bauvorhaben von der Stadt aufgehoben werden - das vor allem weil sich kein Unternehmen mehr an den Ausschreibungen beteiligt hat.

Die Stadt erklärt dies mit einer "sich verschärfenden Marktlage im Baugewerbe". Das scheint jedoch nur ein Teil der Wahrheit zu sein. Denn der Westdeutsche Handwerkskammertag, der Dachverband der Handwerkskammern in NRW, spricht davon, das der "Bürokratismus" der Kommunen die Handwerksunternehmen davon abhalte, an den Ausschreibungen teilzunehmen.

Stadt Witten: Dachdecker verzweifelt gesucht

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 01.06.2018 | 04:16 Min.

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In Iserlohn sollte ein Maler kürzlich für einen 350-Euro-Auftrag 20 Seiten ausfüllen, erzählt Hauptgeschäftsführer Reiner Nolten. Bei dem derzeitigen Bauboom sei dazu niemand bereit.

"Kleine Bröckchen" für Handwerk vor Ort

Zudem habe der Ruf viele großer Kommunen bei den Unternehmen gelitten. "Die Bauvorhaben werden inzwischen oftmals an Generalunternehmer vergeben", sagt Ortwin Weltrich von der Handwerkskammer Köln. "Für die Unternehmen vor Ort fallen dann nur noch Bröckchen ab."

Tatsächlich hatte die Stadt Köln 2017 beschlossen, 15 neue Schulen mit Hilfe von Generalunternehmern zu bauen - um den Schulbau zu beschleunigen. Das Vorhaben stieß bei den Handwerksunternehmen vor Ort auf massive Kritik.

Ein Teil dieser Baumaßnahmen ist inzwischen von der Bezirksregierung Köln gestoppt worden. Ein bei der Vergabe des Auftrags unterlegener Anbieter hatte Einspruch eingelegt - und Recht bekommen. Nach Angaben des Städte- und Gemeindebunds NRW ist auch das immer öfter Alltag: "Die Zahl der Einsprüche gegen die Vergabeverfahren hat extrem zugenommen", so der Pressesprecher. Die Folge: Auch die Schüler in Köln müssen sich weiterhin in Geduld üben.

Stand: 12.07.2018, 12:00