Insektenatlas mit dramatischen Zahlen

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Insektenatlas mit dramatischen Zahlen

Von Nina Giaramita

  • "Insektenatlas" vom BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung vorgestellt
  • Das Insektensterben schreitet weiter voran
  • Flächenverbrauch und Landwirtschaft in NRW größtes Problem

Spätestens seit Bekanntwerden der Krefelder Studie im Jahr 2017 ist der massive Insektenschwund in der Öffentlichkeit im Gespräch. Der jetzt erschienene "Insektenatlas" fasst die aktuelle Daten- und Faktenlage noch einmal zusammen. Die Daten wurden vom Bund für Umwelt und Naturschutz, der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique zusammengetragen.

Wie problematisch ist die Lage für Insekten?

Das Insektensterben betrifft das gesamte Bundesgebiet. Besonders schlimm ist es auf Ackerfluren und Wiesen. Auf diesen Flächen hat sich die Insektenbiomasse um zwei Drittel verringert.

Dabei sieht es besonders schlecht für Ameisen aus. Mehr als 90 Prozent der insgesamt 107 Arten hierzulande sind rückläufig. Auch viele Käfer sind inzwischen bedroht. Das Fehlen von Dungkäfern ist beispielsweise am Zustand von Kuhfladen abzulesen. Oft zersetzen sich die sogenannten "Betonfladen" nicht mehr.

Dramatisch sind auch die Zahlen bei den Schwebfliegen, die als wichtige Bestäuber gelten. Ihre Zahl sank in einem Schutzgebiet in NRW zwischen 1989 und 2014 von knapp 17.300 auf 2.700 - ein Rückgang um 84 Prozent.

Wo liegen die Ursachen für das große Insektensterben?

Die Autoren führen Pestizide als Hauptursache an. So schaden die weltweit am häufigsten eingesetzten Neonicotinoide vielen Arten. Auch die globale Ewärmung stellt inzwischen eine große Gefahr für die Insekten dar - ein Großteil der Arten kann mit der Geschwindigkeit der Erwärmung nicht mithalten.

Das große Problem in NRW: Jeden Tag werden zehn Hektar Landschaft bebaut. Diese Freiflächen gehen den Insekten verloren. Darüber hinaus ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren negativen Folgen - wie beispielsweise Überdüngung - hierzulande besonders ausgeprägt. Das geht ebenfalls auf Kosten der Insekten.

Was kann man gegen das Insektensterben tun?

Umweltinitiativen und Fachleute verlangen, dass auf mindestens zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Blühstreifen und Hecken angelegt werden - um mehr Lebensräume für Insekten zu schaffen. Außerdem müsste der ökologische Landbau mehr gefördert werden, so die Autoren des "Insektenatlas".

Tatsächlich belegen Studien, dass auf ökologisch bewirtschafteten Flächen rund 20 Prozent mehr Insektenarten vorkommen. Die positive Bilanz bezieht sich nicht nur auf die Vielfalt, sondern auch auf die Anzahl der Tiere. Beispielsweise gibt es fast 60 Prozent mehr Tagfalter auf Bioflächen. Auch Feldvögel, die sich von Insekten ernähren, sind dort häufiger zu finden.

Das große Insektensterben – Was können wir tun? Planet Wissen 17.04.2020 59:06 Min. Verfügbar bis 13.05.2024 SWR

Stand: 08.01.2020, 12:25

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