Mehr als 1.200 Opfer nach Erdbeben in Haiti: "Die Lage ist katastrophal"

Stand: 16.08.2021, 13:21 Uhr

Nach dem heftigen Erdbeben am Wochenende ist die Lage in Haiti immer noch chaotisch. Erste Hilfsorganisationen machen sich auf den Weg - doch die Situation ist gefährlich.

In Haiti ist die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben mittlerweile auf 1297 gestiegen - mindestens 5700 sind verletzt. Bei dem Beben am Samstagmorgen wurden Hunderte Gebäude zerstört, darunter Wohnhäuser, Kirchen und Schulen. Viele Hilfsorganisationen sind bereits auf dem Weg nach Haiti, auch Humedica ist mit einem mobilen Einsatzteam unterwegs, erklärt Geschäftsführer Johannes Peter im WDR-Interview.

WDR: Wie ist die Lage im Moment vor Ort?

Johannes Peter

Johannes Peter, Geschäftsführer der Hilfsorganisation Humedica

Johannes Peter: "Die Situation ist chaotisch, es gibt viele Tote, viele werden noch vermisst. Die Menschen suchen ihre Angehörigen. Es gibt einen hohen Bedarf an medizinischen Hilfsgütern, an Verbandszeug, Medikamenten und auch an Medizinern, Krankenschwestern und so weiter. Es werden wohl bis zu 30.000 Zelte gebraucht."

WDR: Wie gehen sie bei der Hilfe vor?

Peter: "Wir sind dabei ein erstes Erkundungsteam loszuschicken mit Spezialisten zur Erstversorgung, die auch Hilfsgüter mitbringen werden. Wir gehen davon aus, dass wir auch noch medizinisches Personal schicken werden. Außerdem mobilisieren wir die Hilfsgüter, die wir vor Ort in Haiti bereits vorgelagert haben."

WDR: Wie muss man sich das vorstellen?

Peter: "Weil in Haiti leider immer wieder Naturkatastrophen vorkommen, haben wir in dezentralen Depots Utensilien wie Zelte, Eimer, Schaufeln oder auch medizinisches Instrument gelagert, auf die wir jetzt zurückgreifen können.
Das kommt uns jetzt extrem entgegen, denn die Lage vor Ort ist wirklich angespannt. Vor ein paar Wochen wurde der Präsident Haitis ja ermordet und Wahlen stehen an, außerdem ist Corona natürlich ein großes Problem vor Ort. Das sind wirklich viele Krisen auf einmal und deshlab braucht dieses Land wirklich Hilfe."

WDR: Wie gehen denn dann die Rettungskräfte vor Ort mit der Situation um?

Peter: "Wir müssen für unsere Kräfte vor Ort natürlich gewährleisten, dass sie sicher ins Land kommen und dort sicher arbeiten können. Die Situation ist nicht vergleichbar mit der von 2010 zum Beispiel, als wir nach dem großen Erdbeben von Port-au-Prince mit vielen Kräften geholfen haben. Es ist viel gefährlicher im Land geworden, es gibt Bandenkriege, Gewalt, Corona - das ist wirklich eine große Herausforderung für uns."