Gartenzeit: Tischbeete für Gemüseanbau auf dem Balkon

Lokalzeit aus Köln vom 21.05.2019

Gartenzeit: Tischbeete für Gemüseanbau auf dem Balkon

Raus auf den Balkon oder die Terrasse und mal eben was fürs Abendessen ernten. Gemüse auf Balkonien selber anbauen? Geht das? Zumindest wollen das heutzutage viele Städter gern. Wie es auch mit begrenztem Platz und ganz ohne Garten tatsächlich geht, zeigt heute unser Lokalzeitgärtner Rüdiger Ramme.

Ein Tischbeet ist die Lösung. Und das lässt sich schon für kleines Geld und mit ein wenig handwerklichem Geschick selbst bauen.

Tischbeet – der kleine Bruder des Hochbeetes

Das Hochbeet erfreut sich unter Hobbygärtnern bekanntlich großer Beliebtheit. Es sieht gut aus und bietet viele Vorteile. Man kann rückenschonend im Stehen arbeiten, weitgehend ohne lästige Schnecken gärtnern und auf kleinem Raum viel anbauen. In aller Regel ist ein Hochbeet aus Holz. Es gibt aber auch Modelle aus Kunststoff oder Stahl/Cortenstahl. Wer keinen Garten hat, dafür aber einen sonnigen, nicht zu kleinen Balkon, kann auch dort die kleine Variante eines Hochbeet aufbauen und zum Gemüsegärtner werden: Mit einem sogenannten Tischbeet; einem erhöhten Pflanzkasten auf vier Beinen.

Die Vorteile:

  • Tischbeete sind vor allem komfortabel im Transport 
  • sie sind viel leichter als klassische Hochbeete. Und damit auch besser für einen Balkon geeignet, weil die Balkonplatte weniger belastet wird.
  • im Winter kann man ein Tischbeet schnell wegräumen; z.B. im Keller überwintern.
  • außerdem benötigen Sie wesentlich weniger Substrat
  • befüllt werden Tischbeete nur mit Blumenerde und nicht mit einer aufwendigen Schichtung von Gartenabfällen, gehäckseltem Schnittgut, Kompost und Gartenerde wie beim normalen Hochbeet.  

Ein Tischbeet kann man aus einem alten Tisch bauen oder einfach ein gebrauchtes Tischgestell umfunktionieren. Es gibt im Handel inzwischen auch komplett fertige Modelle aus Holz oder Kunststoff zu kaufen, die sich mit einer Haube auch als Früh- oder Spätbeet nutzen lassen. Oder man baut einfach selbst. 

Hochbeet selber bauen:

Aus günstigen, ungehandelten Fichte/Tanne-Brettern und Kanthölzern lässt sich bereits ein einfaches Hochbeet für rund 40 Euro bauen. Mit einem ökologischen Lack lässt sich dieses Tischbeet auch robuster gegen Wettereinflüsse machen. Wer hochwertigeres, langlebigeres Holz verwenden möchte, kann Robinie, Douglasie oder Lärche wählen.

  • Die Kanthölzer werden auf eine Höhe von 80 bis 90 cm je nach gewünschter Arbeitshöhe des Tisches zugeschnitten,
  • vier Bretter für die schmalen Seitenteile auf 70 cm Länge zusägen und vier Bretter für die lange Tischseite auf 110-120 cm.
  • Erst werden die Seitenteile und die Tischbeine miteinander verschraubt.
  • Dann folgen die langen Seitenteile und das Tischgerüst steht.
  • Vier Bretter werden am Ende für den Boden benötigt, die von Querleisten gehalten werden.
  • Wichtig: Der Pflanzkasten sollte 30 - 40 cm tief sein, damit ein ausreichender Wurzelraum für die Pflanzen zur Verfügung steht. Sonst muss später zuviel gegossen werden, da das Substrat gerade im Sommer schnell austrocknet.
  • Zum Schutz fürs Holz wird das Pflanzbecken mit einfacher Kunststoff-Folie ausgekleidet, die am oberen Rand festgetackert wird.
  • Damit sich kein Wasser stauen kann, müssen unbedingt ein paar Löcher in Folie und Boden gebohrt werden
  • Dann kann der Kasten mit Blumenerde pflanzfertig aufgefüllt werden (anders als im Hochbeet werden hier keine Gartenabfälle geschichtet!)

Pflanzen für das Tischbeet:

Da Hochbeete, Tischbeete und überhaupt der Gemüse-Anbau auf kleinem Raum schon seit Jahren im Trend liegen, gibt es inzwischen im Handel spezielle, kompakt wachsende Züchtungen mit großem Ertrag nur für den Anbau auf dem Balkon. Viele Gemüsearten wurzeln aber ohnehin nur 30 cm tief.

  • Wählen Sie fürs Tischbeet flach wurzelndes Gemüse wie Salate, Spinat, Ruccola, Erdbeeren, Radieschen, Zwiebeln, Rettich, Sellerie, Kräuter oder Tomaten
  • Auch Pflanzen mit essbaren Blüten – z.B. Kapuzinerkresse – machen sich gut im Tischbeet
  • Gut geeignet sind auch kompakt wachsende Züchtungen (Mini-Gurken, Balkon-Tomaten, Nasch-Paprika) extra für den Balkon-Anbau. („Für Hochbeet und Kübel geeignet“, steht auf den Etiketten)
  • auf Kohl, Möhren, Kürbis, Bohnen und anderes Gemüse, das tiefer als 30 cm wurzelt oder oberirdisch viel Platz benötigt, besser verzichten.
  • Eine Aussaat lohnt sich häufig nicht, da es bis zur Ernte länger dauert. Wer Jungpflanzen setzt, kann nach der ersten Ernte, noch einmal pflanzen und im Herbst erneut ernten.

Pflege:

Ein gesunder und gewachsener Gartenboden versorgt die meisten Pflanzen am besten mit Nährstoffen und hält auch mehr Wasservorräte parat. Da muss der Hobbygärtner beim Tischgarten aufmerksamer sein: Gießen und düngen spielen vor allem im Hochsommer eine wichtige Rolle. Mitunter muss, wenn es trocken und heiß ist, täglich gegossen werden. Außerdem im Sommer etwa zweimal im Monat bedarfsgerecht düngen.

Fazit: Ein sonniges Plätzchen plus Mini-Beet auf vier Beinen reicht völlig, damit auf Tischhöhe etwas heranreift, das später tatsächlich auf den Tisch landet.

 Literaturtipps:

  • Der Selbstversorger-Balkon, Michael Breckwoldt, blv-Verlag
  • Selbstversorgung auf kleinstem Raum, Esther Herr, Gräfe-Verlag

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