Bärbel Michels und die Weihnachtstraditionen im Sauerland

Bärbel Michels und die Weihnachtstraditionen im Sauerland

In Rehsiepen bei Schmallenberg, dem höchstgelegenen Dorf des Sorpetals, trifft Tamina Kallert auf ihrer Weihnachtsreise durch das Sauerland Bärbel Michels. Sie ist eine regionale Berühmtheit, die sich nicht nur für das Westfälische Wintersport Museum in Winterberg engagiert, sondern auch mehrere Bücher über das Sauerland und seine Bräuche geschrieben hat.

Tamina Kallert und Bärbel Michels (l) halten Plätzchen in den Händen

Tamina Kallert besucht Bärbel Michels (l), Weihnachtsexpertin für das Sauerland, in ihrem Zuhause.

Bärbel Michels lebt seit gut 40 Jahren im „Alten Forsthaus Rehsiepen“, das 1885 erbaut wurde und abgeschieden im Wald liegt. Mit ihrem Ehemann Peter genießt sie es, zur Weihnachtszeit die alten Traditionen zu pflegen. Jedes Jahr holen die Michels ihren Weihnachtsbaum beim Nachbarn aus dem Wald. Der Baum wird traditionell mit roten Kugeln dekoriert, und auch die aus Resten gebastelte Krippe dekoriert Bärbel Michels jedes Jahr selbst.

Das Christkind im Sauerland

Spannende Geschichten hat Bärbel Michels zu erzählen, zum Beispiel vom „schwebenden Christkind“. Das ist eine sauerländische Tradition, die sich bis in die 1960er-Jahre auch in Dörfern wie Rehsiepen erhalten habe.

Entstanden ist der Brauch, weil Reformator Martin Luther den katholischen Nikolaus-Brauch und die Heiligenverehrung insgesamt ablehnte. Von da an ging in evangelisch geprägten Gegenden Deutschlands das Christkind, gekleidet wie eine Braut, durch die Dörfer. Diese Tradition gab es nicht nur im Sauerland und im nahe gelegenen Wittgensteiner Land, sondern auch bei den Sorben im Osten Deutschlands. Immer verhüllte ein Schleier das Gesicht des Mädchens. Völlig anonym erinnerte dieses Christkind die Kinder am Heiligen Abend daran, brav zu sein und brachte auch Geschenke.

Zwei Jugendliche mit einer Christkindfigur stehen vor einem Haus

Das „schwebende Christkind“ trugen die älteren Mädchen im Sauerland vor die Fenster.

Das „schwebende Christkind“, das kurz vor Weihnachten in Erscheinung trat, war eine weiß gekleidete Puppe. Die größeren Mädchen des Ortes bastelten diese Puppen und gingen damit an die Fenster der Häuser im Dorf, um für die kleinen Kinder die Spannung vor dem Heiligen Abend noch zu erhöhen. Wenn sie die Christkind-Puppe vor die Fenster hielten, warteten die Kleinen umso mehr darauf, dass es endlich Weihnachten wäre und das Christkind die Geschenke bringt.

„Heischelieder“ am Stephanus-Tag

Am zweiten Weihnachtstag zogen die jungen Männer im Sauerland von Haus zu Haus als „Stephanus-Sänger“. Der letzte Weihnachtstag, der „Stephanus-Tag“, war in früheren Jahrhunderten immer der Anlass für das große Fest auch außerhalb der Familie. Für die „Stephanus-Sänger“ war es ein Spaß, von Haus zu Haus zu ziehen und mit ihrem „Heische-Lied“ Wurst, Wachs und Flachs, aber gerne auch Schnaps zu „ersingen“. Dies war kein Betteln, sondern Singen für einen guten Zweck: Aus Wachs und Flachs wurde eine ganz besondere Kerze für die Kirchengemeinde geformt. Schnaps und Wurst waren Geschenke, die abends in der Dorfkneipe versteigert, aber auch einfach selbst gegessen wurden. Weihnachtsexpertin Bärbel Michels weiß, dass dieser Brauch auch heute noch in der Umgebung von Arnsberg gepflegt wird.

Bärbel Michels
Das Fest der Liebe. Weihnachten im Sauerland und im Wittgensteiner Land in früherer Zeit
WOLL-Verlag, 2014
ISBN 978-3943681505
Preis: 22,90 Euro

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Jutta Brinkmann

Stand: 26.11.2017, 20:15