Soest: Märkte in der alten Hansestadt

Soest: Märkte in der alten Hansestadt

Die Stadt Soest kann auf eine 1.000-jährige Geschichte zurückblicken. 836 zum ersten Mal urkundlich erwähnt war die an der alten Handelsstraße Hellweg gelegene Hansestadt nach Köln die reichste und mächtigste Stadt Deutschlands im ausgehenden Mittelalter. Der Kölner Erzbischof brachte im Jahr 962 die Reliquien des römischen Märtyrers Patroklus von Troyes von Paris in seine damalige Nebenresidenz Soest. Sankt Patroklus ist bis heute der Schutzheilige der Stadt und gab auch dem mächtigen, aus Grünsandstein erbauten Patrokli-Dom seinen Namen.

Blick über Dächer von Weihnachtsmarktbuden auf einen nächtlich beleuchteten Kirchturm

Blick über den Soester Weihnachtsmarkt auf den St. Patrokli-Dom

Im Advent wird die Patroklus-Statue im Giebel des barocken Rathauses umstrahlt von weihnachtlichem Lichterglanz, darunter der Soester Weihnachtsmarkt, der jedes Jahr 700.000 Besucher anlockt. Nach einem Dokument im dortigen Stadtarchiv soll es der älteste Weihnachtsmarkt im Sauerland sein. Schon im Jahre 1841 sei der Markt zum ersten Mal veranstaltet worden. In den gut hundert Hütten finden Besucher vor allem Handwerk und Spezialitäten aus der Region. Originell ist der Grünsandsteinschmuck, in dem der Grünsandstein, aus dem auch Soester Kirchen wie der Patrokli-Dom und die Petri-Kirche erbaut wurden, mit Gold und Silber verarbeitet wird.

Große Figur steht auf einem kleinen Vorbau eines Hausgiebels

Die Patroklus-Statue im Giebel wird hell umstrahlt vom Lichterglanz des Soester Weihnachtsmarkts.

Ein Höhepunkt ist das Soester Adventssingen, das erst seit 2016 auf dem Platz vor dem Patrokli-Dom direkt am Weihnachtsmarkt stattfindet. Jeder kann und soll mitsingen, unterstützt von einer Chorleiterin und den Chören der Stadt. Die Texte der Weihnachtslieder werden an die Wand des Doms projiziert.

Schnupperführungen und Soester Gloria

Bei einer „Schnupperführung“ über den Soester Weihnachtsmarkt gibt es vor allem Kostproben der kulinarischen Besonderheiten des Marktes: leckere Quarkbällchen, „Lustige Weiber“-Likör und zum Knabbern den typischen „Grünsandstein“ der Soester Börde, allerdings in einer ziemlich scharfen Variante als mit Wasabi ummantelte Makadamia-Nüsse.

Eine besondere Weihnachtstradition ist auch das „Soester Gloria“. Für viele Soester beginnt Weihnachten erst, wenn vom Turm der mächtigen St. Petri-Kirche am Heiligen Abend um 19 Uhr das „Gloria“ mit Bläsern und Chor erklingt. Jedes Jahr hören einige Tausend Menschen auf dem Petri-Kirchhof zu. Diese Soester Tradition folgt einer alten Legende: Engel hätten sich vor langer Zeit auf dem Turm der Soester St. Petri-Kirche niedergelassen und zu Ehren des Christkinds das „Gloria“ gesungen.

Die Westfälische Krippe im Patrokli-Dom

Die Schnupperführung endet mit einem Besuch an der Westfälischen Krippe im Patrokli-Dom. In der Weihnachtszeit ist sie ein echter Besuchermagnet. Jedes Jahr kommen 80.000 Besucher, um die sechzig Quadratmeter große Krippenlandschaft mitten im Dom zu bestaunen. Ab dem ersten Advent wird das Weihnachtsevangelium in immer neuen Szenen erzählt, und das Christkind liegt erst am Heiligen Abend in der Krippe.

Tamina Kallert und Georg zur Heiden, der eine kleine Wiege mit einer Puppe hält

Küster Georg zur Heiden und Tamina Kallert mit dem Christkind der Westfälischen Krippe

Georg zur Heiden, der Küster des Patrokli-Doms, kennt die Krippe schon sein ganzes Leben. Denn sein Vater war Küster im Dom, und bereits als Kind durfte er beim Aufbau der Krippe helfen. Vater und Sohn haben in vielen Jahrzehnten viele Gegenstände gesammelt, um in der Westfälischen Krippe die Weihnachtsgeschichte so in Szene zu setzen, als sei Jesus in Westfalen geboren worden.

„Soester Fehde“ und mittelalterlicher Weihnachtsmarkt

Soest ist stolz auf seine sehr alte Stadtgeschichte. Wen wundert’s, dass es hier auch einen mittelalterlichen Teil des Weihnachtsmarktes gibt. Altes Handwerk und viele perfekt mittelalterlich gekleidete Menschen vom Bettler bis zum reichen Kaufmann inszenieren hier Marktleben, wie es zur Zeit der „Soester Fehde“ üblich war. Ihre Fehde gegen den Erzbischof von Köln bewegt die Soester heute immer noch. Die Stadt besiegte 1449 den mächtigen Landesherrn und fand Schutz beim Herzog von Kleve. Diese Auseinandersetzung wird heutzutage alle zwei Jahre im Sommer in der Stadt wiederbelebt - mit dem Reenactment der „Soester Fehde“ und dem Sieg über den Kölner Erzbischof.

Mittelalterlich gekleidete Personen vor einer Kirche, im Vordergrund ein Tisch mit Schreinerwerkzeug und einer Laterne

Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt vor dem Soester St. Patrokli-Dom

In der perfekten mittelalterlichen Kulisse der Altstadt stellen die Soester dann den Kampf gegen die Kölner Belagerer nach. Akteure aus zwölf Nationen kommen dafür nach Soest, um als Bettler, Ritter oder Herzog von Kleve den fünfjährigen Krieg um Soest und den unter großen Härten für die Bevölkerung errungenen Sieg nachzustellen. Die Kostüme entstehen in Soest in der „Kleiderschneiderei Mittelalter“. Ehrenamtlich nähen hier Frauen nach alten Vorlagen Hauben und Gewänder. Viele Schnitte haben sie sich auf den sehr detailgetreuen, mittelalterlichen Gemälden in den Soester Kirchen abgeschaut. Alles ist stilecht. Nur die Nähte, die man nicht sieht, werden mit der Nähmaschine hergestellt, alles andere ist handgenäht bis hin zu den Knöpfen, die auch die aufwändige Gewandung des Herzogs von Kleve zieren.

Ruth Reismann steht neben einer Kleiderpuppe

In der Kleiderschneiderei Mittelalter erklärt Ruth Reismann Tamina Kallert das aufwändige Kostüm des Herzogs von Kleve.

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Jutta Brinkmann

Stand: 26.11.2017, 20:15