Traditionen und altes Handwerk, Rittergut Kruse

Andrea Grießmann und Ulrike Loth am Spinnrad

Traditionen und altes Handwerk, Rittergut Kruse

Die Dreharbeiten zu dieser Sendung fanden vor Ausbruch der Corona-Pandemie statt. In diesem Jahr gibt es Zugangskontrollen zu den Märkten, die in dieser Sendung nicht vorkommen. Auch kann es sein, dass eine hier gezeigte Veranstaltung kurzfristig abgesagt wurde. Wenn uns diese Information vorlag, haben wir es hier im Text oder im Film kenntlich gemacht.

Richtig heimelig ist es in der Spinnstube des Freilichtmuseums Detmold. Früher, als dsas Spinnen noch zum täglichen Handwerk gehörte, waren diese Stuben ein Ort der Geselligkeit – und auch ein Treffpunkt für Unverheiratete. Denn viele junge Frauen arbeiteten hier an ihrer Aussteuer und ließen sich danach von den jungen Männern des Dorfes nach Hause bringen. Eine der wenigen Möglichkeiten, sich etwas unbeaufsichtigt kennen und vielleicht auch lieben zu lernen. Aus diesem Grund galten die nächtlichen Spinnstuben der geistlichen Obrigkeiten oft als Ort der Sünde. Heute halten ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zumindest die Erinnerung an eine mühsame Arbeit wach, indem sie Spinnkurse wie hier im Freilichtmuseum abhalten. Ulrike Loth kennt außerdem so ziemlich jede Geschichte, die sich ums Spinnen dreht. Der Spruch "Spinnen am Morgen, Kummer und Sorgen" beispielsweise bezieht sich nicht auf ungebetene achtbeinige Gäste im Haus, sondern auf die Tageszeit, zu der man am Spinnrad saß. Denn wer schon morgens spinnen musste, hatte wenig Geld. Wer aber nur abends seinen Faden sponn, hatte weniger Not.

Bitte informieren Sie sich über den diesjährigen Museumsadvent im Freilichtmuseum. Er findet wegen Corona nicht in der gewohnten Form statt.

Eine alte textile Tradition

Textiles Arbeiten war in Ostwestfalen schon immer Teil des Brauchtums und auch ein Wirtschaftsfaktor. Eine alte Tradition hält auch Angela Schulze aufrecht. Im heimischen Esszimmer beginnt alles mit dem Zeichnen einer Druckvorlage. Nach diesem Vorbild lässt sie im nächsten Schritt ein Model anfertigen, meist aus festen Birnenholz. Angela Schulze, die eine Vorliebe für altes Leinen hat, bedruckt dann Tischtücher und Kissenhüllen mit den selbst entworfenen Motiven. Angelas Technik ähnelt ein wenig dem traditionellen Blaudruck, mit dem Unterschied, dass dort das Motiv weiß und der Stoff blau ist. Gemeinsam haben beide Techniken die Arbeit mit dem Model und den Stoff.

Als Motiv besonders beliebt sind bekannte Häuser aus Herford, ihrer Heimatstadt. Die hat in der Vorweihnachtszeit einen schönen Brauch zu bieten: die sogenannten Lebenslichter. Auf den Geburtsstationen in zwei Herforder Krankenhäusern, dem Klinikum und dem Mathildenstift, wird in der Adventzeit die Ankunft eines neuen Erdenbürgers auf eine besondere Art und Weise vermerkt: Am Eingang der Station steht ein Apparat mit zwei Knöpfen. Jemand drückt auf den roten Knopf für ein Mädchen und auf den blauen für einen Jungen. Auf einer Anzeigetafel in der Altstadt wird gezählt. Und am großen Tannenbaum in der Altstadt leuchtet ein neuer Stern auf, ein roter für ein Mädchen oder ein blauer für einen Jungen.

Mit roten und blauen Kugeln geschmückter Weihnachtsbaum auf dem Herforder Marktplatz

Der Lebenslichter-Baum auf dem Herforder Marktplatz

Weihnachtsbräuche damals und heute

Historische Weihnachten gibt es auf dem Rittergut Kruse in Gütersloh. Ganz standesgemäß wird hier gefeiert, getafelt und gekocht – denn auch schon im Mittelalter stand das leibliche Wohl besonders an Feiertagen im Vordergrund. Zünftig geht es auch im Heerlager zu. Die Zelte und deren Inneneinrichtung wiegen oft mehrere Tonnen, denn man will es sich gut gehen lassen während des mehrtägigen Festes. Tische, Stühle, ganze Betten werden aufgebaut – möglichst authentisch soll es sein bei der "Anno Wyhnacht".

Andrea Grießmann in einem mittelalterlichen Kostüm

Andrea Grießmann besucht die Historischen Weihnachten auf dem Rittergut Kruse in Gütersloh.

Stand: 21.11.2021, 20:15