Thermalvergnügen

Thermalvergnügen

Saturnia

Der Ort Saturnia gehört zu Manciano im Albegnatal, ist hübsch anzusehen, aber bei Weitem nicht die Hauptattraktion in dieser Gegend. Rund einen Kilometer vom Städtchen entfernt findet man einen geradezu magischen Ort: Aus den Hängen des Berges Monte Amiata ergießt sich heißes Thermalwasser über natürlich entstandene Sinterbecken, in die man sich setzen kann, um im 37 Grad warmen Wasser zu baden. Das sind die „Cascate del Mulino“, von denen man erst denkt, sie seien von Menschenhand geschaffen, so sehr ähneln die Becken modernen Whirlpools. Aber weit gefehlt! Alles ist Natur und soll auch so bleiben. Zwar gibt es einen Parkplatz und ein kleines Café gleich nebenan. Aber das war es auch schon. Es gibt keine Umkleidekabinen und Duschen. Und auch keine Kasse, an der Eintritt kassiert wird. Das natürliche Bad in den warmen Becken war eh und je und ist auch weiterhin kostenlos. Das wollen die Bürger von Saturnia so. Bestrebungen, den Ort zu kommerzialisieren, haben sie stets abgewehrt.

Natürliche Sinterbecken mit Badenden

Die Cascate del Mulino bei Saturnia, natürliche Sinterbecken, durch die 37 Grad warmes Thermalwasser fließt

Aber es geht auch anders. Gleich nebenan im eleganten Saturnia SPA, das Golfhotel und Wellnessanlage zugleich ist, macht man nicht nur Anwendungen mit Thermalwasser, hier ist sogar der Ort, wo das Thermalwasser zutage tritt. Die riesige Anlage beherbergt nämlich den Quellsee von Saturnia. 800 Liter pro Sekunde spuckt die Quelle aus. Aus dem See wird das Thermalwasser in diese Becken der Cascate del Mulino geführt, zu den oben beschriebenen Wasserfällen.

Blasen auf Wasserfläche zwischen Felsen

Heiße Thermalquellen, die durch Vulkanismus entstehen

Das Saturnia-Wasser enthält Schwefel und Kohlendioxid, aber auch Natron, Calcium, Magnesium und vieles mehr. Im Spa nutzt man es für Kuranwendungen. Der Hotelarzt empfiehlt diese bei Atemproblemen, aber auch bei Muskelbeschwerden und bei allgemeinen Hautproblemen. Mit dem Saturnia-Wasser macht man auch Kuren gegen Akne und Schuppenflechte. Oben auf dem Quellsee schwimmt ein Thermalplankton, das aus organischem und nicht organischem Material entsteht und das eine heilsame Wirkung für die Haut haben soll.

Tamina Kallert und Daniela Braun auf Liegen vor Wasserbecken

Tamina Kallert und Daniela Braun am Quellsee der Saturnia-Therme

Das Hotel hat rund um den Quellsee einen attraktiven Garten gestaltet, der aber nur für Gäste des Hauses zugänglich ist. Es gibt aber eine ebenso schöne, noch viel größere Beckenanlage, die gegen Eintrittsgeld von jedem besucht werden kann. Auch hier badet man ausschließlich in Thermalwasser, das vom Quellsee stammt. Aber auch hier haben die Einwohner von Saturnia etwas durchgesetzt. Während der Woche kann jeder für einen symbolischen Euro in dem See im Hotel schwimmen gehen. Thermalwasser gehört nun mal allen. Das hat Tradition in der Toskana.

Freibadanlage mit Becken und Liegewiesen

Öffentlich zugänglich: die Thermalbadeanstalt im Saturnia Spa

Heiße Thermalquellen sprudeln an vielen Orten aus dem Boden. Seit dem fünften Jahrhundert vor Christus werden diese Quellen von den Menschen nachweislich genutzt. Aber wahrscheinlich badeten schon viel früher die Etrusker darin. Die alten Römer markierten die Orte in ihren Karten. Sie schufen geradezu eine Kultur des Thermalbadens.

Drei weitere Quellen, die frei zugänglich sind und keinen Eintritt kosten:

Bagni Petriolo

Der Ort liegt 26 Kilometer südlich von Siena im Ombrone-Tal - direkt neben einer antiken, römischen Rundbogenbrücke. 42 Grad heißes Wasser kommt hier aus dem Boden und wird über ein Rohrsystem in den Fluss geleitet. Das haben die Anwohner übrigens selbst so gestaltet. Sie kümmern sich auch um die Sauberkeit.

Badende in einem Fluss vor einer Rundbogenbrücke

Durch ein Rohrsystem fließt in den Bagni Petriolo das Thermalwasser in die Becken und schließlich in den Fluss.

Bagni Vignoni

Das „Bagni Vignoni“ liegt im Orcia-Tal. Hier sprudelt das Thermalwasser in einem Becken mitten im Ortszentrum. Baden darf man darin nicht, dazu gibt es Stellen etwas weiter außerhalb. Aber einen Besuch ist der kleine Ort wirklich wert – wegen seiner ganz besonderen Atmosphäre.

See vor einigen Häusern

Bagni Vignoni: Baden ist nicht mehr erlaubt, dafür ein pittoresker Quellsee mitten im Dorf.

Bagni San Filippo

Die weiße Oberfläche besteht aus Kalkablagerungen und auch sonst schwemmt das Wasser viele Mineralien an, wie Schwefel und Magnesium. Das macht die Haut schön weich, wenn man sich damit einreibt.

Frau steht unter einem kleinen Wasserfall

In den Bagni San Filippo kann man eine natürliche, warme Dusche nehmen.

Autorin: Christiane Möllers

Stand: 26.04.2015, 20:15