Menschen in der Toskana

Menschen in der Toskana

Daniela Braun: Toskana für immer

Auf die Frage, wie sie nach Italien gekommen ist, antwortet sie: „Ich bin falsch aus dem Bus ausgestiegen und habe dann einen gutaussehenden Italiener kennengelernt“. Den hat sie später geheiratet, womit sich ein Kindheitswunsch erfüllt hatte. Denn auf die Frage, was sie denn mal werden will, wenn sie groß ist, gab sie zur Antwort: Italienerin!

Daniela Braun

Daniela Braun lebt in einer kleinen Stadt in der Maremma.

Heute lebt sie in einer kleinen Stadt in der Maremma, Südtoskana, und betreibt ein äußerst informatives Toskana-Portal im Internet namens „toskana.net“. Dort gibt es nicht nur profunde Texte über die Geschichte der Toskana und ihre wichtigsten Sehenswürdigkeiten, sondern auch aktuelle Informationen zu Veranstaltungen und Events der Region. Daniela Braun ist auch anerkannte Übersetzerin und Tourismusfachfrau. Denn um auf ihrer Internetseite Reiseangebote und Unterkünfte anbieten zu können, hat sie die Toskana viele Male bereist, kennt jeden Winkel der schönen Region.

In ihrem BLOG „ToskanaItalien.de“ hingegen ist man immer auf dem Laufenden, was kulinarische Highlights angeht. Als ausgebildete Sommeliere, also Weinfachfrau, ist sie bei den wichtigsten Events dabei und bietet auf ihrer Seite eine Vielzahl von Kochrezepten an, die sich wirklich sehen lassen können.

Hella Nußbaum und ihre „Toskana-WG“

„Schön, dass Sie die südliche Toskana zum Thema einer Sendung machen wollen! Sie war schon immer der „arme“ Teil der Toskana. In Liedern der Maremma wird oft die Maremma amara besungen, das harte und entbehrungsreiche Leben, das den Dorfbewohnern noch präsent ist“, schrieb Hella Nußbaum, als sie von der Wunderschön-Sendung hörte. Sie hat die Gegend in ihr Herz geschlossen, bangt und hofft für die Region, in der sie  seit 15 Jahren - zusammen mit ihrem Mann und einem Freund - ein Haus besitzt. „Meine Alters-WG“, scherzt sie. Ihre Internetseite heißt wie die Straße, in der sie wohnt: „Piazza della Chiesa 4“. In dieser ihrer zweiten Heimat lebt sie von April bis November, im Winter zieht es sie in ihre erste, nämlich nach Wuppertal. „Man sollte eigentlich denken, es sei andersherum“, sagt sie, „aber im Winter ist es hier in der Toskana doch ziemlich kalt, und die Häuser sind alle nicht unterkellert.“ Dann schon lieber die gut beheizte Wohnung in Wuppertal.

Tamina Kallert und Hella Nußbaum, im Hintergrund grüne Landschaft

Tamina Kallert trifft Hella Nußbaum (l), die den Sommer über in der Toskana lebt.

Welche Sehnsucht, welche Träume haben sie hierher geführt? Hella Nußbaum: „Wir gehören ja noch einer Generation an, die mit der Italiensehnsucht des Bildungsbürgertums und gleichzeitig auch mit der Aussteigermentalität der 68er in Verbindung steht. Italien als Wiege der abendländischen Kultur mit dem Zusammentreffen verschiedener Kulturen - griechisch, ägyptisch, persisch, arabisch, germanisch und ihrer Verbindung mit dem Christentum." Daher ist das Forschungsgebiet der Etrusker für die promovierte Kunsthistorikerin besonders faszinierend, diese uralte Hochkultur, deren Beginn und Ende bis heute Rätsel aufgibt. Gern und häufig spaziert sie durch die „Vie cave“, die Hohlwege, die sie in unmittelbarer Nähe ihres Domizils findet.

Paolo, il pescatore - Paolo, der Fischer

Paolo Fanciulli ist Fischer aus Leidenschaft. Und er ist eine Berühmtheit in der Toskana. Nicht nur, weil er den Fischfangtourismus erfunden hat. Er kämpft auch politisch für eine ökologisch korrekte Fischerei in der Maremma. Zuerst sehen wir, wie die Netze für den nächsten Morgen ausgelegt werden. Paolo legt Wert darauf, dass seine Netze großmaschig sind, damit die kleinen Fische nicht drin hängen bleiben. Sein Kampf gilt der illegalen Schleppnetzfischerei. „Sie benutzen Ketten, mit denen sie komplett den Meeresboden zerstören“, erzählt Paolo. Zwar ist die Schleppnetzfischerei in Küstennähe verboten, nicht aber der Besitz der Netze. Und selbst wenn jemand erwischt wird: Der Wert des Fangs übertrifft immer bei Weitem die Geldbuße. Politisch Furore hat Paolo Fanciulli gemacht, als er mit Gleichgesinnten Betonblöcke auf dem Meeresgrund versenkte, in denen sich Schleppnetze verfangen und sie zerstören.

Tamina Kallert und Paolo Fanciulli nehmen an Bord eines Schiffes Fische aus

Tamina Kallert lernt auf dem Schiff von Paolo Fanciulli, wie man Fische ausnimmt.

Wer mit Paolo zum Fischen rausfährt, kann viel erleben. Und die Liebe zum Meer, zur Landschaft fährt mit. Spannend ist es aber auch, weil man jede Menge über Fische erfährt. Über die eher normalen, die er heute gefangen hat und über die etwas ausgefalleneren Meeresbewohner. Einmal zeigt er den Besuchern einen Zitterrochen, ein anderes Mal erklärt er, wie man bei Sepien, Tintenfischen, erkennt, wer das Männchen und wer das Weibchen ist. Während des Geschlechtsverkehrs beißt das Weibchen das Männchen!

Abschluss und Höhepunkt der Fischfangtouren ist immer das gemeinsame Fischessen an Bord seines Schiffes. Denn am Ende seiner Exkursionen gehört es nun mal dazu, den frisch gefangenen Fisch auch zu Mittag zu essen. Im Grill am Heck des Schiffes liegen getrocknete Piniennadeln und -zapfen, die zusammen mit Holzkohle entzündet werden.
Wer mitfahren will, kann bei ihm einfach anrufen und buchen. Man fährt sehr früh am Morgen im Hafen von Talamone ab. Buchungen gibt es in zwei Preisklassen, mit und ohne Fischgrillen.

Spezialrezept von Paolo: Bruscetta mit rohem Fischfilet. Italienische Sushi, wenn man so will. Paolo kratzt zunächst den Fisch aus der Haut, den Sandra dann auf geröstetes Brot legt. Dann sprüht sie Zitronensaft drüber und begießt das Ganze zum Schluss mit dem allerbesten Olivenöl. 

Butteri: Die Hüter der Maremma-Rinder

„Wir sind hier in der Maremma. Hier sagt man nicht ‚Cowboy‘. Manche sagen, wir seien ‚italienische Cowboys‘. Was soll das? Wir sind italienische Butteri. Was würden die Amerikaner wohl sagen, wenn man sie als amerikanische Butteri bezeichnen würde? Alle nennen uns die italienischen Cowboys. Das ist wirklich völlig daneben. Wir sind Butteri“, sagt Chefbuttero Alessandro Zampieri.

Ein Reiter und ein Rind auf einer Weide

Die Butteri hüten die Maremma-Rinder.

Seit Jahrhunderten durchstreifen Butteri die Maremma, trotzten Sumpffieber und Tuberkulose. Bei nicht gerade üppiger Bezahlung. Aber stolz auf ihre Reitkünste waren sie immer. Mit Rodeo-Veranstaltungen für Touristen verdienen sich die Butteri heute ein kleines Zubrot.

Die Hauptaufgabe der Butteri im Naturpark ist das Hüten und Schützen der Maremma-Rinder, einer vom Aussterben bedrohten Rasse, die wahrscheinlich im fünften Jahrhundert aus den Steppen Osteuropas hierherkam. Ihre Hörner werden bis zu einem Meter lang. Jedes Tier hat einen Namen. Der Buttero kennt sie alle.
Tipp: Die Butteri bieten an, sie einen Tag lang zu Pferd zu begleiten. Die Arbeit beginnt um 7 Uhr und dauert bis etwa 11 Uhr. Etwa vier Stunden sitzt man im Sattel – die Butteri nehmen deshalb nur geübte Reiter mit. Zum Programmzählt auch die Besichtigung der Sattelkammer, wo man die traditionsreiche Originalausstattung besichtigen kann. Das Vergnügen kostet pro Person 60 Euro, ist aber ganz sicher ein einmaliges Erlebnis.

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Christiane Möllers

Stand: 26.04.2015, 20:15