Blick in die Teufelsschlucht in der Eifel nahe der luxemburgischen Grenze

Steinreich – die Eifel geologisch

Stand: 03.10.2021, 20:15 Uhr

Nach der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren entstand an der luxemburgischen Grenze eine bizarre Landschaft. Knapp zwei Kilometer lang ist die bekannte Teufelsschlucht, die mitten in der Felsformation liegt.

Ihren Namen trägt sie, weil die Menschen damals sich die Entstehung der bis zu 30 Meter hohen Felswände nicht erklären konnten. Die kundigen Wanderführer, die man hier stundenweise buchen kann, haben aber noch einen anderen Ansatz: In den Sedimenten tauchen immer wieder versteinerte Muscheln auf, die in ihrer gebogenen Form an riesige Krallen erinnern. Und wem könnten die wohl gehören… Über den "Herrn der Finsternis" werden hier noch andere Geschichten erzählt: So soll er zum Beispiel am Eingang der Schlucht eine Höllenpforte angelegt haben. Doch selbst die stärksten Besucher konnten die Tür bislang nicht öffnen. Mit viel Phantasie kann man Teufelsfratzen auch in den Gesteinsschichten entlang der Abbruchkante erkennen. Schaurig schön!

Die Sendung wurde vor der Flutkatastrophe 2021 produziert. Alle gezeigten Wanderungen und Orte wurden nicht in Mitleidenschaft gezogen oder sind in der Sendung entsprechend gekennzeichnet.

Basalt – Baustoff für den Kölner Dom

Ihrer vulkanischen Entstehung hat die Eifel viele besondere Gesteinsarten zu verdanken: Basalt zum Beispiel. Und je nachdem, aus welchem Vulkan, bei welcher Fließgeschwindigkeit und aus welcher Epoche die Lava stammt, kann man sie für die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten brauchen. Die Basaltlava aus der Ettringer Lay beispielsweise wurde schon seit der Römerzeit abgebaut und zur Herstellung von Mühlsteinen genutzt. Im Mittelalter gelangte der stabile Baustoff unter anderem auch in den Kölner Dom. Seine Hochphase hatte das Abbaugebiet in der Nähe von Mayen allerdings zur Zeit des Kaiserreiches. Es war die Zeit der großen Bauprojekte – Städte und Straßen mussten besonders prächtig aussehen. Pflastersteine und dekorative Säulen für mondäne Hauseingänge aus der Ettringer Lay waren stark gefragt. Der Abbau allerdings geschah unter Lebensgefahr; die Arbeiter stiegen auf langen Leitern in die bis zu 30 Meter hohen Wände und schlugen das Gestein von Hand heraus. Später erleichterten Kräne zumindest einen Teil der Arbeit. In den 1970er-Jahren endete der Basaltabbau; heute sind die mächtigen Wände beliebte Spots bei Klettersportlern.

Daniel Aßmann und Angelika Hunold vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum vor einem Abbaukran an der Ettringer Lay

Daniel Aßmann und Angelika Hunold vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum besichtigen einen alten Abbaukran an der Ettringer Lay.

Die Birresborner Eishöhlen – ein beliebtes Ausflugsziel

Doch Basalt ist nicht gleich Basalt: Das viel porösere Gestein aus der Region um Birresborn ist für den Einsatz in der Getreidemühle oder beim Hausbau völlig ungeeignet. In den Birresborner Eishöhlen wurden trotzdem schon seit Jahrhunderten Mühlsteine geschlagen – für die Lohgerberei, die traditionelle Form der Lederherstellung. Zwischen den Mühlsteinen wurde Eichenrinde zu Lohe zermahlen und dadurch der Gerbstoff für die Lederbearbeitung gewonnen. Angenehmer Nebeneffekt: Die konstant kühle Temperatur in den Höhlen machte sie zu einem perfekten ganzjährigen Kühlschrank. In die durch den Mühlsteinabbau entstandenen Hohlräume füllten die Menschen im Winter Eis und Schnee und konnten so den ganzen Sommer hindurch verderbliche Lebensmittel wie zum Beispiel Fleisch lagern. Heute sind die Höhlen, die im 19. Jahrhundert stillgelegt wurden, ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer – und willkommenes Winterquartier für Fledermäuse.

Daniel Aßmann und Gästeführerin Brunhilde Rings am Eingang zur Birresborner Eishöhle

Gästeführerin Brunhilde Rings führt Daniel Aßmann in die Birresborner Eishöhle.

Lesetipps zur südlichen Eifel

Ingrid Retterath
Eifel Süd 26 Wanderungen zwischen Felsen und Wäldern
Conrad Stein Verlag, 2019
ISBN 978-3866865204
Preis: 12,90 Euro

Südeifel, Luxembourg,Trierer Land. Wander- und Freizeitkarte 1:50.000
GeoCenter, 4. Aufl. 2019
ISBN 978-3959650243
Preis: 8,95 Euro

Bernd Pieper
Grenzenlos wandern: 22 abwechslungsreiche Rundtouren in der Eifel und in Luxemburg
Bachem Verlag, 2017
ISBN 978-3761632024
Preis: 12,99 Euro

Klaus Simon (Autor), Rainer Kiedrowski (Fotograf)
DuMont Bildatlas Eifel, Aachen
DuMont Reiseverlag, 4. Aufl. 2021
ISBN 978-3616012100
Preis: 11,50 Euro