Tag 3: Von Warendorf bis Ibbenbüren

Tag 3: Von Warendorf bis Ibbenbüren Wunderschön! 02.09.2018 UT Verfügbar bis 02.09.2019 WDR

Tag 3: Von Warendorf bis Ibbenbüren

Warendorf - 30 km - Lengerich/Gut Erpenbeck - 3 km - Buddenkuhle - 14 km - Dörenther Klippen - 3 km - Sommerrodelbahn - 4 km - Ibbenbüren

Gesamtstrecke: 54 Kilometer

Blick zwischen Bäumen hindurch auf langgestrecktes Landgut

Das Landhaus Schulze Osthoff war das Quartier für die zweite Nacht.

Bevor Marco und Susanne losfahren, werfen sie noch einen genaueren Blick auf ihren Übernachtungsort und ihren Gastgeber. Wenn man sich einen Münsterländer Bauern backen könnte, würde er wahrscheinlich wie Alfons Schulze Osthoff aussehen. Ein Herz wie „eine Dampfmaschine“, und ständig neue Ideen, was man jetzt noch Neues auf dem Hof machen könnte.

Marco Schreyl (l) im Gespräch mit Landwirt Alfons Schulze Osthoff

Landwirt Alfons Schulze Osthoff (r) plant auch für die nächsten Generationen.

Seit ein paar Jahren betreibt die Familie nebenberuflich ein „Bed & Breakfast“ speziell für Radreisende - und dann hat Alfons beschlossen, es braucht jetzt auch barrierefreie Übernachtungsmöglichkeiten. Und deshalb baut er ein Fachwerkhaus in Eigenregie, damit zum Beispiel auch Rollstuhlfahrer zukünftig im Landgasthof Schulze Osthoff gut übernachten können. Rechnet sich das? Niemals. Aber darauf kommt es Alfons auch nicht an. Es soll Bestand haben für die nächsten Generationen.

Gräftenhof Erpenbeck

Das erste Ziel: Gut Erpenbeck, ein Bauernhof mit 700-jähriger Familiengeschichte, mit eigener Spargel-Schinkenproduktion und mit eigener Gräfte - so nennt man in Westfalen einen Wassergraben. Während jeder Gast (es gibt auch ein Café) hier von der Schönheit der Anlage und des „Hofs mit eigenem See“ schwärmt, bedeutet die Gräfte für die Erpenbecks vor allem Arbeit. Auch für Henner Erpenbeck, den „Junior“ des Hofguts. Ist der Boden zu verschlammt? Sickert Wasser durch die Mauern ein? Bricht der Uferbewuchs in die Gräfte?

Blick über einen Wassergraben auf ein größeres Fachwerkhaus inmitten von Bäumen

Gut Erpenbeck hat eine eigene Gräfte - so nennt man in Westfalen einen Wassergraben.

Aber auch hier trifft Arbeit große Idylle. Denn wenn Henner auf seinem Holzboot zur Kontrollfahrt auf der Gräfte unterwegs ist, sieht das einfach nur idyllisch aus. Als allerdings Marco mit aufs Boot steigt und sich am Beschneiden versucht, kippte das Boot gefährlich zur Seite. Boot fahren und Büsche-Beschneiden erfordern ein hohes Gleichgewichtsgefühl!

Marco Schreyl (l) und Henner Erpenbeck sitzen in einem kleinen Ruderboot

Marco (l) und Henner Erpenbeck bei der Kontrollfahrt auf der Gräfte.

Naherholungsgebiet Buddenkuhle

Von dem Gut Erpenbeck fahren Marco und Susi nur 4 Kilometer weiter zu ihrem heutigen Wasservergnügen: zur Buddenkuhle, einem Baggersee mit Campingplatz, einem der beliebtesten in der Region. Skurril: Die Autobahn A1 läuft direkt hinter dem See entlang, aber man merkt es nicht. Die Ferienhäuser im skandinavischen Stil auf der anderen Seite des Sees erwecken außerdem den Eindruck, man sei gerade in Schweden. Es gibt Strand und Wasser - was will man mehr an einem heißen Sommertag.

Blick über See auf rote Häuser  zwischen Bäumen

Fast wie in Schweden: Ferienhäuser an der Buddenkuhle

Auf dem Weg zur ältesten Sommerrodelbahn Deutschlands stehen jetzt nur noch die Dörenther Klippen im Weg. Ein Felsenstreifen südlich von Ibbenbüren, eigentümlich und vor allem wegen einer Formation mit dem Namen „hockendes Weib“ bekannt. Man braucht viel Phantasie, um es zu erkennen. Aber beeindruckend ist er auf jeden Fall. Und die Klippen sind mit ihren schattenspendenden Wäldern auch im Hochsommer ein schönes Wandergebiet. Zugrunde liegt eine Legende, wonach am Fuße der Dörenther Klippen eine arme Familie wohnte. Als plötzlich eine Wasserflut nahte, nahm die Mutter ihre Kinder auf den Arm und trug sie bis auf die Klippen. Als das Wasser die Füße der Mutter erreicht hatte, hockte sie sich hin und nahm ihre Kinder auf ihre Schultern. Nach einem Gebet war sie zu einem Felsblock erstarrt, der aus den Fluten ragte und die Kinder trug.

Skurril geformte Felsengruppe inmitten von Bäumen

Die Dörenther Klippen mit dem „hockenden Weib“

Sommerrodelbahn Ibbenbüren

Und dann sind die beiden Radfahrer bei der Sommerrodelbahn im Ibbenbürener Märchenwald angekommen. Beim Anschiebgriff wird Marco noch nostalgischer als die Anlage eh schon ist: Das erinnert ihn stark an seine Zeit als Anschieber beim Bobfahren. Er war nämlich mal Bremser im Bob des späteren Olympiasiegers André Lange.

Marco Schreyl sitzt auf dem Schlitten in der Zielstation

Geschafft: Marco Schreyl nach seinem Sommerrodelabenteuer

Ganz so schnell wie im Bob wird es dann nicht. Aber Spitzengeschwindigkeiten von 40 km/h erreicht man schon, mit dem nötigen Gewicht. Und wenn man sich später an seine Fahrten in der Kindheit erinnert, wird es noch viel schneller - dieses Gefühl dürften inzwischen Generationen von Sommerrodlerinnen und -rodlern haben. Denn die Sommerrodelbahn gibt es schon seit 1926 und ist damit die älteste funktionsfähige Sommerrodelbahn Deutschlands.

Weitere Informationen im Internet

Autor: Michael Wieseler

Stand: 02.09.2018, 20:15