Weihnachten im Rheinland

Weihnachten im Rheinland Wunderschön! 24.11.2019 01:28:24 Std. Verfügbar bis 01.12.2020 WDR

Weihnachten im Rheinland

Unterwegs mit Anne Willmes

Das weihnachtliche Rheinland - überall funkeln Lichter und leuchten Kinderaugen. Über die Landschaft legt sich eine feierliche Stimmung. Das Warten aufs Christkind. Es gibt viel zu sehen und zu erleben. Anne Willmes begrüßt Sie aus dem weihnachtlichen Rheinland. Die weihnachtliche Reise beginnt südlich von Bonn, führt über das Siebengebirge und Siegburg nach Köln und Umgebung, nach Leverkusen und schließlich in die Landeshauptstadt Düsseldorf. Auf dem Programm stehen edle Genüsse, Lichterglanz und jede Menge Musik vor den tollsten Kulissen. Erste Station ist Schloss Drachenburg im Siebengebirge.

Anne Willmes (l) und Peter Millowitsch auf dem Kölner Heinzelmännchenmarkt

Anne Willmes (l) und Peter Millowitsch auf dem Kölner Heinzelmännchenmarkt

Neue alte christliche Bräuche im Rheinland

Als Familie der Gottesmutter eine Herberge bieten
"Frauentragen" hat eine lange Tradition. Die Begriffe "Frauentragen" oder "Marientragen" klingen ungewohnt für moderne Menschen. Dabei handelt es sich um einen religiösen Volksbrauch, der zur Zeit des Barock im deutschsprachigen Raum entstand. Der Brauch geht zurück auf die Erzählung von der Herbergssuche des heiligen Paares im Lukasevangelium. Bis heute wird dieser Brauch besonders in Bayern gepflegt, aber nicht nur dort, sondern auch im Nikolauskloster im Rheinkreis Neuss.
Im 17. Jahrhundert wurde es Brauch, die biblische Herbergssuche anschaulich darzustellen. Ein Marienbild oder eine Marienfigur wurde von Haus zu Haus getragen. Dargestellt war eine "Maria Gravida", eine "Maria in der Hoffnung", eine schwangere Muttergottes, auf deren Leib oft bildhaft oder symbolisch das ungeborene Kind zu sehen ist. Besonders beliebt war diese Darstellung der Gottesmutter in Böhmen und Bayern. "Der Zug wurde an der Haustüre begrüßt und die Tafel oder Statue an einen geschmückten Platz im Haus gestellt. Nach einer Hausandacht wurde ausgiebig gegessen und getrunken, danach nicht selten getanzt", berichtete der Religionspädagoge und Brauchtumsforscher Hermann Kirchhoff (1926-2012).
(aus dem Leitfaden des Nikolausklosters in Jüchen)

Maria zu Gast in den eigenen vier Wänden
Ganz so ausgelassen geht es heute meist nicht mehr zu. Die Anwesenheit der Mariendarstellung im Haus wird mit einer kleinen Hausandacht begangen. Manchmal wird an der Haustür auch sehr formal um Einlass gebeten. "Mir suach ma an Platz für d’Maria und s’Kind. Da draußt is so frostig und koid wah da Wind." Mit diesen Worten wird Maria in Trostberg in Bayern von Haus zu Haus weitergetragen.
In Geisenfeld bittet man mit folgendem Satz um Aufnahme der Gottesmutter: "Wir kommen, wir fragen, wir klopfen an, ob Christus, der Heiland, zu euch kommen kann. Unsere liebe Frau ist wieder auf Reisen, wir möchten ihr gern eine Herberg’ zuweisen." Worauf die Gastgeber antworten: "Oh, Jungfrau Maria, von Herzen gern! Tritt ein mit unserem lieben Herrn! Du bist voll der Gnaden, sei uns gegrüßt, und gelobt sei dein Sohn, unser Herr Jesus Christ."
So wird die Marienfigur oder das Bild die ganze Adventszeit hindurch von Haus zu Haus weitergegeben oder, wie in manchen Gemeinden, nur an den letzten neun Tagen vor Heiligabend. Es ist für viele Familien eine gute Gelegenheit innezuhalten und sich auf das Wesentliche im Advent zu konzentrieren.

Eine alpenländische Tradition im Rheinland
Seit sechs Jahren wird das Marientragen auch von Familien rund um das Nikolauskloster in Jüchen praktiziert. Für Pater Felix, Rektor des Hauses und Initiator des Marientragens vor Ort, hat das Ganze auch einen missionarischen Aspekt: "Die Kirche kommt so sichtbar in die Familien. Papst Johannes Paul II. hat von der Bedeutung der Familie als Hauskirche gesprochen, und wenn es gelingt, dass Familien wieder in ihren Häusern gemeinsam beten und Gott dort einen Platz geben, ist das sicher sehr missionarisch."
Noch deutlicher wird dieser Aspekt dadurch, dass nicht nur Familien der Gottesmutter eine Herberge anbieten können. Beim Marientragen vom Nikolauskloster aus waren auch schon Kindertagesstätten und die Feuerwehr Gastgeber der Maria. Familie Bernardy, die die Statue nach der Feuerwehr beherbergt hat, denkt gerne an den Abend. "Uns wurde die Maria von der Feuerwehr mit einem großen Löschfahrzeug gebracht. Wir haben eine Hausandacht gehalten und uns danach noch lange darüber unterhalten, wie man anderen Menschen helfen kann. Die Feuerwehr hat erzählt, wo sie hilft, und wir, wo wir uns einsetzen", erinnert sich Frau Bernardy. Auch ihre Kinder waren von dem Abend und besonders von den Feuerwehrleuten sehr beeindruckt.
Familie Scholz, die schon mehrfach am Marientragen teilgenommen hat, machte 2016 den Anfang. In der Vorabendmesse zum ersten Advent hat sie die Statue entgegengenommen und am Morgen des 1. Advent mit Nachbarn und Freunden eine Hausandacht gefeiert. Für sie sei es ein großartiger Einstieg in die Adventszeit gewesen, berichtet Frau Scholz.

Marienfigur steht neben weißen Porzellangefäßen auf einem Regal, davor zwei brennende Kerzen

Eine Marienfigur in der Küche der Familie Bernardy

Schöne Fotos von Weihnachten im Rheinland

Besondere Fotomotive aus dem Wunderschön-Beitrag "Weihnachten im Rheinland"

Grüner Zahnradbahnwagen hält an der Station Drachenburg

Die Zahnradbahn auf den Drachenfels hält auch an der Drachenburg.

Die Zahnradbahn auf den Drachenfels hält auch an der Drachenburg.

Weihnachtslieder vor der kunstvoll beleuchteten Drachenburg

Figuren aus der Krippe der Familie Adenauer in Rhöndorf

Die Krippe im Weihnachtsdorf Waldbreitbach

Im Weihnachtsdorf Waldbreitbach gibt es einen Wanderweg, bestückt mit einem riesigen Stern von Bethlehem

Anne Willmes füttert Mäusebussard "Liebschen" auf Gut Leidenhausen.

Auf dem Mittelaltermarkt in Siegburg kann man sich auch die Karten legen lassen.

Der Heinzelmännchenmarkt in der Kölner Altstadtbefindet sich in unmittelberer Nähe des Doms.

Trollchor bei Santa Lucia Fest

Die Stände auf dem Weihnachtsmarkt in Leverkusen präsentieren skandinavische Spezialitäten.

Prachtvolle barocke Innenausstattung von Schloss Benrath im Düsseldorfer Süden

Unkonventioneller Weihnachtsschmuck findet sich auf dem Weihnachtsmarkt in Düsseldorf.

Lesetipps

Interessante Literatur zum Thema "Weihnachten im Rheinland"

Winfried Biesing
Schloss Drachenburg und der Burghof im Wandel der Zeit
Lempertz Edition und Verlagsbuchhandlung, 1997
ISBN 978-3933070005
Das Buch ist derzeit vergriffen, aber eventuell antiquarisch erhältlich

Der Königswinterer Heimatforscher Winfried Biesing beschreibt in seinem Buch die wechselvolle Geschichte der Drachenburg

Hans Peter Mensing
Resi Schlief. Adenauers Stütze aus Unkel
Bouvier Verlag, 2. verb. Aufl. 2014
ISBN 978-3416033718
Preis: 12,90 Euro

Mit Konrad Adenauers Lieblingsrezepten

Anneliese Poppinga
Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer. Die langjährige Mitarbeiterin des lengendären Politikers erzählt
Bastei Lübbe, 1986
ISBN 978-3404650736
Das Buch ist derzeit vergriffen, aber eventuell antiquarisch erhältlich

Sandra Honnef
Das Düsseldorfer Weihnachts-ABC. Das Fest der Liebe in der Landeshauptstadt
Edition Virgines, 2010
ISBN 978-3934268784
Preis: 7,00 Euro

Ilona Priebe
Advent und Weihnachten in Köln. Bräuche und Märkte zu Fuß
Bachem-Verlag, 2002
ISBN 978-3761616383
Preis: 5 Euro

Moderation: Anne Willmes

Redaktion: Christiane Möllers

Autorin: Monika Winhuisen

Stand: 24.11.2019, 20:15