Lolland – Dänemarks südlichste Insel

Wunderschön! Lolland - Dänemarks südlichste Insel Wunderschön! 15.08.2021 01:28:40 Std. UT Verfügbar bis 15.08.2022 WDR

Tamina Kallert entdeckt die dänische Gemütlichkeit

Lolland – Dänemarks südlichste Insel

Angeblich kann man auf einer Bierkiste stehend ganz Lolland-Falster überblicken. Tatsächlich weist die dänische Doppelinsel kaum Steigungen auf und ist ideal zum Radfahren. Tamina Kallert fährt immer am Wasser entlang: rund um die Maribo-Seen, auf dem längsten Deichradweg des Landes und entlang des Guldborgsunds.

In den lebendigen Handelsstädten Nakskov und Nykøbing-Falster findet Tamina Kallert Kirchen in Backsteingotik, Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert – und dänische Gemütlichkeit. Sie steht ehrfürchtig vor den Dodekalitten, riesigen Granitskulpturen, und trifft in der Hafenstadt Nysted eine Berliner Künstlerin in ihrer international renommierten Galerie. In Maribo besucht sie einen preisgekrönten Bäcker und sieht zu, wie das bei den Dänen beliebte Roggenbrot gebacken wird: die Grundlage für das berühmte Smørrebrød. Von Kragenæs aus fährt Tamina Kallert mit der Fähre auf die kleine Obstinsel Fejø und bekommt zwischen Hunderten von Apfelbäumen ein bisschen ein Heile-Welt-Gefühl.

Tamina Kallert steht auf einer Kiste und schaut über die flache Landschaft Lollands

Angeblich braucht man auf Lolland nur auf eine Bierkiste zu stiegen, um die ganze Insel zu überblicken.

Drittgrößte dänische Ostseeinsel

Lolland ist die drittgrößte und südlichste dänische Ostseeinsel. Von Deutschland aus erreicht man sie am besten über die Insel Fehmarn ganz im Norden von Schleswig-Holstein. Ab Puttgarden braucht die Fähre nach Rødby etwa 45 Minuten. Lolland und Falster werden immer in einem Atemzug genannt. Getrennt werden die beiden Inseln durch einen schmalen Wasserstreifen, den Guldborgsund.

Seinen Namen verdankt Lolland dem alten nordischen Wort Laaland, das übersetzt so viel heißt wie "Wasserland" oder "niedriges Land". Neben den vielen Fjorden, Seen und Sümpfen liegen Teile der Insel bis zu zwei Meter unter dem Meeresspiegel. An der Südküste schützt ein fast 70 Kilometer langer Deich. Die Doppelinsel Lolland-Falster ist grün, sehr ruhig und gemütlich – oder "hyggelig", wie die Dänen sagen. Sie ist landwirtschaftlich geprägt und dünn besiedelt: Nur knapp 60.000 Menschen leben in den wenigen Städten und Dörfern, kleinen Weilern und auf Bauernhöfen. Unverwechselbar sind auch die vielen historischen Herrenhäuser.

Rund 700.000 Urlauber kommen jährlich nach Lolland-Falster, viele davon aus Deutschland. Die meisten von ihnen übernachten nicht im Hotel, sondern eher in Bed-and-Breakfast-Unterkünften. Aber die beliebteste Unterkunft ist das Ferienhaus. Es gibt Tausende auf der dänischen Doppelinsel, von einfach bis luxuriös. 4.000 Unterkünfte bieten beispielsweise die Ferienhaussiedlungen am 20 Kilometer langen Marielyst-Strand auf Falster. Wildes Campen ist in Dänemark verboten. Aber natürlich gibt es auch viele, ganz unterschiedliche Campingplätze, oft an schönen Stellen in der Natur. Besonders naturnah sind die sogenannten "Shelter", einfache Hütten, die man für fünf Euro pro Nacht im Internet buchen kann. Allerdings muss man alles für die eigene Übernachtung mitbringen, denn sie sind nicht eingerichtet, und es gibt es auch keine Toiletten.

Mit dem Rad immer am Wasser entlang

Radfahren gehört auf Lolland und Falster zu den beliebten Outdoor-Aktivitäten. Es gibt kaum Hügel, die Wege sind flach, gut geteert und ausgeschildert, und der nächste Badestrand ist nie sehr weit. Wer kein eigenes Fahrrad mitbringt, kann sich an einen der vielen örtlichen Fahrradverleiher wenden, die meist auch E-Bikes im Angebot haben.
Es gibt rund 60 gut markierte Radrouten auf den beiden Inseln. 127 Kilometer durch Lolland-Falster gehen einige Etappen des internationalen Ostseeradweges. Der Radfernweg Berlin-Kopenhagen verbindet auf einer Länge von 630 Kilometer die beiden Hauptstädte und durchquert Falster auf einer Länge von 70 Kilometer von Gedser nach Stubbekøbing. Viele der Radwege führen direkt am Wasser entlang. Im Süden von Lolland verläuft der längste Deichradweg Dänemarks: Auf 67 Kilometer radelt man mit Blick auf die Ostsee.
Gut für die Orientierung und mit vielen Tipps zum Radfahren, Wandern, Reiten und zu den Sehenswürdigkeiten auf den Inseln ist die App "Naturlandet" mit vielen Themenschwerpunkten.

Tamina Kallert radelt auf einem schmalen Pfad entlang eines Gewässers

Der Radweg am Guldborgsund, der die Inseln Lolland und Falster voneinander trennt, führt direkt am Wasser entlang.

Bandholm und seine historische Badeanstalt

Baden kann man auf Lolland an flachen und familienfreundlichen Sandstränden – oder in der Badeanstalt von Bandholm. Sie ist eine der ältesten Badeanstalten Dänemarks und befindet sich neben einem kleinen Hafen, historischen Gebäuden und einem hübschen Hotel. Eröffnet wurde sie 1870. Da kam das Baden im Meer gerade überall in Mode. Zwei Kaufleute des Ortes stellten damals blaue Hütten auf und bauten eine Seebrücke. Frauen durften am Mittwoch, Männer am Freitag baden. Heute hat die Badeanstalt Bandholm 367 Mitglieder. Ehrenamtliche Mitarbeiter bemühen sich, die Badehäuser und Umkleidekabinen möglichst authentisch zu erhalten. Durch die nicht gerade idyllischen Hafengebäude hat die Umgebung der historischen Badeanstalt allerdings arg gelitten.

Tamina Kallert steht an einem blauen Bretterzaun mit der Aufschrift "Bandholm Badeanstalt"

Tamina Kallert besucht die alte Badeanstalt in Bandholm.

Eis, Smørrebrød, Roggenbrot und Bier

Dänen haben ihre eigene Speiseeiskultur entwickelt und lieben bombastische Kreationen. Das dänische Softeis (dänisch: Softis) ist ein Teil des dänischen Lebensgefühls. Gerne kombiniert man das Eis mit üppigen Toppings, zum Beispiel Schokoladenüberzug, Lakritzstreuseln oder Krokant. Ludolphs Eisbar in Naskow, die ein bisschen versteckt liegt, wurde mehrfach als beste Eisdiele Dänemarks ausgezeichnet. Aber auch in hyggeligen Hafenstädtchen wie Nysted auf Falster gehört ein handgemachtes Eis zum gelungenen Urlaub.

Tamina Kallert und Heike Arndt (r) sitzen auf einer Bank und essen eine Riesenportion Eis

Die Dänen lieben üppige Eiskreationen, erfährt Tamina Kallert von der Berliner Galeriebesitzerin Heike Arndt (r), die in Nysted lebt.

Smørrebrød ist mehr als nur ein reich belegtes Butterbrot, sondern ein traditionelles Mittagessen in der dänischen Küche. Es gibt sogar einen eigenen Beruf dafür: Die Smørrebrødjomfru, die Butterbrotjungfrau, ist das dänische Gegenstück zur deutschen Kaltmamsell. Und wer als Gastwirt etwas auf sich hält, erfindet ständig neue Kombinationen. Das Smørrebrød hat immer zwei Schichten: Grundlage ist das Roggenbrot. Darauf kommt ein Stück Fisch oder Fleisch, obendrauf eine frische, knusprige Garnitur. So hat man Schichten mit Salzigem, Süßem und Sauren.

Die Dänen haben eine ähnlich ausgeprägte Brotkultur wie die Deutschen, nur kommt seltener Weizen zum Einsatz. Sie bevorzugen "Rugbrød" – Roggenbrot. Das von Bäckermeister Marc Pabst aus Maribo wird mit Cranberries und vielen Körnern gemacht und wurde zweimal als bestes Roggenbrot Dänemarks ausgezeichnet. Zur Bäckerei gehört eine eigene Mühle, in der Getreide eines benachbarten Bauern gemahlen wird. Auf Lolland und Falster unterstützt man sich gegenseitig durch die Verwendung von regionalen Produkten.

Das Gut Krenkerup zwischen Maribo und dem Guldborgsund ist eines der ältesten Landgüter Dänemarks. Hier wird auch ein selbst gebrautes Bier verkauft: ein obergäriges Stout-Bier, entfernt verwandt mit dem irischen Guinness. Braumeister Stephan Koepp hat damit 2018 beim "European Beer Star" Gold gewonnen. Die Jury stellte feine Geschmacksnoten von Schokolade, Kaffee und Lakritz fest. Die Gerste wird auf Brauerei eigenen Feldern angebaut. Auf Gut Krenkerup werden regelmäßig Brauereiführungen und Bier-Tastings angeboten.

Lesetipps für Lolland

Lars Dörenmeier
Inseltrip Falster und Lolland mit Marielyst und Møns Klingt
Reise Know-How Verlag, 2021
ISBN 978-3831734733
Preis: 12,95 Euro

Radregion Dänemark Ost. Auf den Inseln Sjaelland, Lolland, Falster und Mon
‎Esterbauer, 2. Aufl. 2020
ISBN 978-3850008198
Preis: 14,90 Euro

Andrew Stone
Reiseführer Dänemark
Lonely Planet Deutschland, 4. Aufl. 2018
ISBN 978-3829745956
Preis: 19,99 Euro

Hans Klüche
Dänemark
DuMont Reiseverlag, 6. Aufl. 2021
ISBN 978-3770184682
Preis: 24,95 Euro

Moderation: Tamina Kallert

Redaktion: Christiane Möllers

Autorin: Carolin Wagner

Internettext: Petra Berthold

Stand: 15.08.2021, 20:15