Kappeln, Heringszäune, Arnis, Sieseby, Lindaunis

Blick von oben auf die Feld-Wiesen-Landschaft an der Schlei

Kappeln, Heringszäune, Arnis, Sieseby, Lindaunis

Das Wahrzeichen des Fischerstädtchens Kappeln an der Schleimündung ist der "Heringszaun" – ein denkmalgeschütztes Flechtbauwerk aus dem 15. Jahrhundert zum Fischfang. Der Ort Arnis besitzt seit dem 17. Jahrhundert Stadtrechte und ist die kleinste Stadt Deutschlands.

Das Wahrzeichen des Fischerstädtchens Kappeln an der Schleimündung ist der "Heringszaun" – ein denkmalgeschütztes Flechtbauwerk aus dem 15. Jahrhundert. Seit dem Mittelalter fängt man mit dieser Holzkonstruktion die Heringe, die jedes Frühjahr von der Ostsee zum Laichen in die Schlei aufsteigen. Der Zaun funktioniert wie eine Reuse: Die Fische schwimmen hinein und kommen nicht mehr raus. An den sogenannten Heringstagen, wenn sich hier die Heringsschwärme vor Kappeln tummeln, kommen viele Hobbyangler, um ihren Fang zu machen. Den Rundweg zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt erkennt man an den Fischen, die im Boden eingelassen sind. Er führt auch an drei hohen Türmen vorbei, die zur traditionsreichen Aal- und Fischräucherei Föh gehören. Der Familienbetrieb räuchert schon seit dem 17. Jahrhundert vor allem Aale und Lachse. 

Blick auf Kappeln mit Heringszäunen im Wasser

Das Fischerstädtchen Kappeln ist für seinen "Heringszaun" bekannt.

Das ehemalige Fischerdorf Kappeln lebt heute primär vom Tourismus und hat sich dementsprechend rausgeputzt. Dort, wo die St. Nikolai-Kirche steht, existierte schon im 13. Jahrhundert eine Kapelle, die dem Ort Kappeln zu seinem Namen verholfen haben soll. Eine Blütezeit erlebte der Ort Mitte des 19. Jahrhunderts, was man heute an den schönen Backsteinbauten in der Innenstadt sehen kann. Im Museumshafen liegen elf historische Schiffe, die ältesten sind über 100 Jahre alt. Die Frachtsegelschiffe sind funktionstüchtig, und auf manchen, wie dem Plattbodenschiff Amazone, kann man sogar mitsegeln.

Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands

Knapp 300 Menschen leben in Arnis, einem auf einer Halbinsel gelegenen Örtchen. Es ist nicht einmal einen halben Quadratkilometer groß, besitzt aber seit dem 17. Jahrhundert Stadtrechte. Der kleinsten Stadt Deutschlands verleihen die vielen Bootsstege, Marinas, vier Werften und hier und da Fischernetze an den Ufern ein maritimes Flair. 1667 wurde Arnis gegründet, weil sich 65 Familien aus Kappeln hartnäckig der Leibeigenschaft verweigerten. Die Abtrünnigen erhielten von Herzog Christian Albrecht eine 800 mal 200 Meter kleine Insel zur Besiedelung. 100 Jahre später wurde ein Damm zum Festland aufgeschüttet. Eines der ersten Bauwerke war 1669 die Fachwerkkirche. Die Schiffsmodelle im Inneren zeugen nicht etwa von den Werften, die es reichlich im Ort gegeben hat. Wie damals üblich, sind es Modelle von in Seenot geratenen Schiffen, die nach erfolgter Rettung in die Kirche gehängt wurden.

Kleine Häuser auf einer Halbinsel mit vielen Schiffanlegeplätzen

Die kleine Stadt Arnis besitzt maritimes Flair.

Sieseby – ein denkmalgeschütztes Bauerndorf

1267 wurde das idyllische Örtchen Sieseby erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte einst einem Hamburger Kaufmann, der dafür sorgte, dass die alten Häuser erhalten und instand gesetzt wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb die herzogliche Familie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg den Ort für 615.000 Reichstaler von Gustav Anton Schäffer. Seine Initialen sind an vielen Häusern bis heute erhalten. Das Dorf mit seinen weißen, reetgedeckten Bauernhäusern und der Kirche aus dem 12. Jahrhundert steht komplett unter Denkmalschutz. Ein Schmuckstück ist der Gasthof Alt Sieseby. Der gute Ruf des Restaurants ist über die Grenzen der Schlei-Region bekannt. Sieseby war – wie alle Orte an der Schlei, die auf "by" enden – lange Zeit dänisch. Von Sieseby aus führt ein Fahrradweg direkt am Wasser entlang in Richtung Winnemark, einer der schönsten Streckenabschnitte für Radwanderer entlang der Schlei.

Weiße, reetgedeckte Häuser unter belaubten Bäumen direkt am Wasser

Sieseby ist ein schönes Dorf mit weißen, reetgedeckten Häusern.

Lindaunisbrücke: Einmal pro Stunde geht die Klappbrücke hoch

Um die 42 Kilometer lange Schlei zu überqueren, gibt es zwei Fähren: in Arnis und in Missunde. In Kappeln und in Lindaunis führen Klappbrücken über den Meeresarm. Die Lindaunisbrücke überquert die Schlei an ihrer schmalsten Stelle. Sie wird als Straßen- und Eisenbahnbrücke genutzt und zu jeder vollen Stunde 45 Minuten für den Schiffsverkehr hochgeklappt. Allerdings steht dafür nur eine Fahrspur zur Verfügung. Wenn ein Zug der Regionalstrecke Flensburg-Kiel kommt oder der Gegenverkehr freie Fahrt hat, müssen die anderen Verkehrsteilnehmer warten. Die eiserne Lindaunisbrücke stammt aus dem Jahr 1927 und steht unter Denkmalschutz. Sie soll bald durch ein neues Modell ersetzt werden.

Hochgeklappte Stahlbrücke

Die Lindaunisbrücke wird als Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Schlei genutzt.

Lesetipps

Ostseefjord Schlei, Schleswig. Kompass Wanderkarte 1:35000
Kompass, 2020
ISBN 978-3990447567
Preis: 11,99 Euro

Roland Pump (Text), Günter Pump (Fotos)
Die Schlei: Der lange Arm der Ostsee
Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, akt. Aufl. 2021
ISBN 978-3898764148
Preis: 8,95 Euro

Hans-Jürgen Fründt
Ostseeküste Schleswig-Holstein. Reiseführer mit Infos zu den Orten an der Schlei
Reise Know-How Verlag, 12. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3831732982
Preis: 16,90 Euro

Bernhard Pollmann, Wolfgang Schwartz
Ostseeküste. Schleswig-Holstein. 50 Wandertouren, auch an der Schlei
Bergverlag Rother, 3. akt. Aufl. 2020
ISBN 978-3763344253
Preis: 14,90 Euro

Stand: 04.10.2020, 20:15