Königliche Stadt am Meer – Den Haag

Blick über einen Teich mit Wasserfontäne auf Häuserzeile

Königliche Stadt am Meer – Den Haag

Den Haag im Süden von Holland ist mit knapp 550.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Niederlande. Im Parlaments- und Regierungssitz der Niederlande residiert seit 1831 das Königshaus. Die Skyline Den Haags bilden Gebäude der Ministerien, die sich imposant über die Stadt erheben. Das Zentrum mit seiner wunderschönen Altstadt liegt fünf Kilometer von der Küste entfernt.
Die Stadt hat niemals Stadtrechte bekommen und ihr amtlicher Name lautet "s`Gravenhage". Heute spielt das keine Rolle mehr. Früher bedeutete das auch, dass die Bürger keine Stadtmauern errichten durften. In der Not baute man Gräben, um sich vor Eindringlingen zu schützen. Aus Gräben wurden Grachten, die heute die Altstadt umschließen und ihr einen besonderen Flair verleihen.

Im historischen Stadtkern steht ein schlossähnlicher Gebäudekomplex, der auch Teil des königlichen Rundgangs ist – eines öffentlichen Stadtspaziergangs sozusagen. Man spaziert durch den berühmten Binnenhof. Hier sitzt das Parlament. Die Regierungsgebäude gelten als die ältesten in Gebrauch befindlichen der Welt – seit 1446 arbeitet man hier. Mittendrin befindet sich der Rittersaal mit dem Thronsaal.
Einmal im Jahr, am dritten Dienstag im September, dem Prinsjesdag, kommt das Königspaar hierher. Die prächtige Kutsche startet am Palast Noordeinde und fährt quer durch die Stadt zum Rittersaal. Im Gepäck: die Thronrede. Damit wird das kommende Parlamentsjahr zeremoniell eröffnet. Die Rede hält traditionell das niederländische Staatsoberhaupt, zurzeit also König Willem-Alexander. Er gibt damit die politischen Zielsetzungen der Regierung bekannt. Eine der wichtigsten Amtshandlungen des Königs. Mit dem Amtsantritt von Wilhelm Alexander im Jahr 2013 wurde seine Ehefrau Maxima Königin. Wer Glück hat, kann dem König oder der Königin sogar beim Bummeln in der Stadt begegnen. Einige Geschäfte werben gar mit ihren royalen Kunden.

Der Stadtspaziergang führt auch durch die berühmte alte Passage aus dem 19. Jahrhundert. Hier wurden erstmals Luxusartikel, die man per Post aus Paris bezog, in Geschäften vor Ort präsentiert und brachten Pomp in die Stadt. Ein bisschen ist es noch immer so – alles ganz glamourös.
Das Museum Mauritshuis ist weltberühmt, ein altes Adelspalais aus dem 17. Jahrhundert. Heute beherbergt es die Königliche Gemäldegalerie und Werke aus dem Goldenen Zeitalter der Holländer, darunter Bilder ihres größten Meisters Rembrandt und den neuesten Shooting Star des Museums, den Distelfink. Das Gemälde von Carel Fabritius misst gerade mal 34 mal 23 Zentimeter und wurde durch einen gleichnamigen Roman international bekannt. Dessen Verfilmung kam 2019 in die Kinos. Das Lieblingsbild vieler Besucher bleibt "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge". Das Antlitz des schüchtern wirkenden Mädchens malte Jan Vermeer vor rund 350 Jahren und fasziniert die Betrachter wie kaum ein anderes.

Museumsraum mit drei Gemälden, u.a. "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge"

Das Bild "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" befindet sich im Museum Mauritshuis in Den Haag.

Der Friedenspalast ist vermutlich das am meisten fotografierte Gebäude in Den Haag und Sitz des internationalen Gerichtshofs. Deswegen wird Den Haag auch Stadt des Friedens genannt. Errichtet wurde er 1913. Er beherbergt auch den Internationalen Gerichtshof. Hier treten Staaten vor die Richter, um ihre Rechtsstreitigkeiten zu klären. Gegründet wurde er von der UNO. 193 Länder dieser Welt gehören ihr an.
Tipp: Im Friedenspalast in Den Haag sind Besichtigungen nach Anmeldung möglich.

Wenn der König Geburtstag hat

Der Königstag wird am 27. April, dem Geburtstag von König Wilhelm-Alexander, im ganzen Land mit Musik, Straßenfesten und Kirmessen gefeiert. Der König feiert traditionell nicht zu Hause in Den Haag, sondern besucht jedes Jahr eine andere Stadt, damit es für alle Bürger möglichst gerecht zugeht.
In Den Haag startet der Tag traditionell auf der berühmtesten Allee der Altstadt, der Langen Voorhout. Hier findet der sogenannte "Nationale Geranienmarkt" statt. Die Händler geben sich große Mühe an diesem Tag, denn der schönste Stand wird gekürt, und besonders hoch bewertet wird die Qualität der dargebotenen Geranien. Die Jury wird durch die Oberhäupter der Stadt gestellt.
An diesem Nationalfeiertag der Niederlande bleiben Behörden und Büros geschlossen. Einzelhändler dürfen handeln, wenn sie wollen. Eine Besonderheit des Festtages ist der sogenannte Freimarkt. Am Geburtstag des Königs darf jeder Bürger seine Ware anbieten und verkaufen, ohne dafür Steuern zu zahlen.

Feiernde Menschen mit orangen Hüten bei Dämmerung in einem Park

Schon am Vorabend des Königstages ist in der ganzen Stadt Party angesagt.

Schevenigen – berühmtester Stadtteil von Den Haag

Scheveningen ist ein Stadtbezirk Den Haags und liegt direkt am Meer. Das weltberühmte Seebad hat einen Hafen und eine lange Strandpromenade mit Geschäften, Restaurants und Sonnenterrassen. Hier ist ziemlich viel los. Wer Rummel sucht, ist hier gut aufgehoben. Auf dem Boulevard stehen originelle Skulpturen von Tom Otterness, einem amerikanischen Bildhauer. Prunkstück: der gigantische Heringesser. Der Pier ist eine Art Wahrzeichen von Scheveningen. Seit 2016 befindet sich hier auch ein fest installiertes Riesenrad.
Schon im 19. Jahrhundert kamen deutsche Touristen wegen der frischen Luft und des Salzwassers nach Scheveningen. Seitdem hat sich viel geändert: Die meisten Häuser sind relativ neu. Viele wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, später hat man viele Gebäude "modernisiert". Das Kurhaus von Scheveningen hat seinen Charme behalten und es gilt als legendär. Die Rolling Stones haben hier ihr erstes Konzert auf europäischem Festland gegeben. Nur fünf Minuten soll es gedauert haben, dann musste es abgebrochen werden. Die Fans waren außer Rand und Band. Ganz früher waren hier noch viele andere Berühmtheiten zu Besuch, darunter Van Gogh und sogar Kaiserin Sissi.
Tipp: Im Museum Panorama Mesdag im Zentrum Den Haags gibt es ein riesiges gemaltes Rundumpanorama vom alten Scheveningen, mit echtem Sand davor. Es wurde 1818 gemalt, und mit einer Länge von 120 Metern und einer Höhe von 14 Metern gilt es als das größte Gemälde der Niederlande. Damals war Scheveningen ein kleines verträumtes Fischerörtchen, erst später wurde es zu einem Stadtteil von Den Haag. Genauso wie auch Kijkduin weiter im Süden, bekannt für seine schönen Strände. Wer es etwas ruhiger mag, sollte zu dem Hausstrand der Den Haager gehen.

Relikte der Vergangenheit – Bunker am Atlantikwall

Wenn man an den endlos erscheinenden Stränden spaziert, entdeckt man überall Bunker. Über 8.000 solcher Anlagen haben die Deutschen am Atlantikwall gebaut, einer ehemaligen 2.685 Kilometer langen Verteidigungslinie entlang der Küsten der Nordsee, des Atlantiks und des Ärmelkanals, um sich vor den Alliierten zu schützen. Nach dem Krieg wollten die Holländer nichts mehr davon wissen, und viele Bunker wurden zugeschüttet.
Allein auf dem Stadtgebiet von Den Haag gab es rund 1.000 Bunker. 2010 fingen Bürger damit an, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie haben Bunker wieder freigelegt, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und das Atlantikwallmuseum geschaffen. Im ehemaligen deutschen Kommandobunker ist überwiegend die originale Einrichtung zu sehen. Besucher können sich so besser vorstellen, was hier am Atlantikwall früher los war.
Tipp: Etwas abseits liegt der Westbroekpark. Er gilt als einer der schönsten Stadtparks hier, eine kleine Oase, in der man auch Boote mieten kann oder sich in ein besonderes Café setzen kann. Café Waterkant ist rund um einen Bunker gebaut, der heute als Lagerraum genutzt wird. Geöffnet von Mai bis Mitte September.

Betonbunker in einer Düne am Strand

Überall an der Küste begegnet man noch Resten von Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg.

Nationalpark Hollandse Duinen – Mit dem Rad nach Wassenaar und Katwijk

Die beeindruckende Dünenlandschaft in der Region erkundet man am besten mit dem Rad, z. B. mit der knapp 10 Kilometer langen Tour von Scheveningen nach Wassenaar. Die vielen Seen nutzt man zur Trinkwassergewinnung für 1,3 Millionen Menschen. Das gesamte Dünengebiet steht unter Naturschutz und gehört zum Nationalpark Hollandse Duinen. Mit rund 250 Vogelarten zählt das Naturschutzgebiet zu den vogelreichsten Naturlandschaften der Niederlande.
Tipp: Einen familienfreundlichen Stopp kann man im Besucherzentrum De Tapuit einlegen. Hier können Kinder mit Wasser spielen und Tiere anschauen. In der Brutzeit gibt es eine Live-Kamera, über die man Schleiereulen in ihrem Nest beobachten kann. De Tapuit ist auch idealer Ausgangspunkt für Exkursionen in die Natur. Es kann auch mit dem Auto angefahren werden.

Schon im 18. und 19. Jahrhundert haben sich in Wassenaar reiche Familien niedergelassen. Viele gehörten den Haager Regierungskreisen an. In Wassenaar bauten sie großzügige Landhäuser auf riesigen Grundstücken. Am Strand von Wassenaar konnte man früher der königlichen Familie begegnen: Einmal im Jahr soll hier ein Fotoshooting mit ihnen stattgefunden haben.
In Wassenaar steht eines der ältesten Schlösser Südhollands aus dem 13. Jahrhundert: Schloss Duivenvoorde. Später wurde es Sommerresidenz für reiche adelige Familien, die dem städtischen Treiben entfliehen wollten. Genauso machten es wohl die Royals, die jahrelang in Wassenaar lebten: in der Villa Eikenhorst.
Ausflugstipp: In Wassenaar kann man einen Bunker besichtigen, in dem sich Fledermäuse eingenistet haben. Der Bunker liegt fußläufig zum Parkplatz Zeelust, man muss auf dem Fussweg Richtung Süden durch die Dünen gehen, nach circa 200 Metern auf der rechten Seite. Wer Lust hat zu radeln: Nach nur 10 Kilometern erreicht man die nächste kleine Ortschaft Katwijk aan Zee.

Lesetipps

Einige Reiseführer zu den Provinzen Nord- und Südholland

Ulrike Grafberger
Holland für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen
Fischer, 2. Aufl. 2016
ISBN 978-3596521005
Preis: 10,00 Euro

Barbara und Hans Otzen
Holland. Die Westküste
Reise Know-How, 7. Aufl. 2018
ISBN 978-3831730391
Preis. 14,90 Euro

Thomas Fuchs
111 Orte in Nordholland, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2019
ISBN 978-3740805531
Preis: 16,95 Euro

Stand: 12.07.2021, 18:01