Biosphärenreservat, Schafstein, Sternenpark, Wasserkuppe, Radom, Milseburg

Blick von oben auf ein Feld mit großen Basaltsteinen am Schafstein

Biosphärenreservat, Schafstein, Sternenpark, Wasserkuppe, Radom, Milseburg

Ursprünglich war die Rhön von dichten Buchenwäldern bedeckt, die jedoch im Laufe der Jahrhunderte durch Landwirtschaft und Beweidung in Graslandschaften umgewandelt wurden. Am Ländereck von Bayern, Hessen und Thüringen erhielt die Rhön 1991 bundesländerübergreifend die Auszeichnung als UNESCO Biosphärenreservat. Die während der deutschen Teilung abgeschiedene Lage, naturräumliche Besonderheiten und eine traditionelle Bindung der Bevölkerung an die Landwirtschaft haben in der Rhön eine weitgehend intakte Kulturlandschaft und ländliche Siedlungsstrukturen erhalten. Das geschützte Gebiet mit Hochmooren, naturnahen Fließgewässern, Blocksteinhalden, Heckengebieten, extensiv genutzten Wiesen und Weiden sowie naturnahen Laubwäldern umfasst etwa 243.300 Hektar. Darin finden sich rund 100 wildlebende Tier- und Pflanzenarten, die deutschlandweit gefährdet sind und in dieser Region einen Rückzugsraum gefunden haben. So gibt es fast 40 verschiedene Orchideenarten und rund 3.000 Pilzarten; auch Rotmilan, Mittelspecht, Wildkatze und Mopsfledermaus weisen hier einen guten Bestand auf.

Schafstein – Basaltbrocken mit Aussicht

Der Schafstein mit einer Höhe von 832 Meter ist einer der Hausberge der Gemeinde Ehrenberg. An seinen steilen Hängen liegen unzählige, wild durcheinander gewürfelte große Basaltbrocken, die an der Nord- und der Ostseite beeindruckende Basaltblockmeere bilden. Sie haben eine Ausdehnung von bis zu 240 Meter Länge und 100 Meter Breite und reichen teilweise bis ins Tal hinein. Noch vor zwei Mio. Jahren ragten hier die Gesteinsmassen der ehemaligen Vulkanschlote als mächtige Felsen in den Himmel, bevor die extremen Temperaturen der Eiszeiten das harte Gestein zerstückeln konnten. Der Gipfel des Schafsteins wurde forstwirtschaftlich nie genutzt und besitzt ein besonders ursprüngliches Aussehen. Über das Gipfelplateau verläuft ein Rundweg, der an alten Baumriesen und umgefallenen, pilzbewachsenen Bäumen vorbeiführt. Erreichbar ist der Schafstein über die B 284 (direkt hinter Gersfeld), oder man erwandert den Berg von der Wasserkuppe aus. Der Schafstein ist ein Geheimtipp von Marius Holler. Der Fotograf stammt aus der Rhön und liebt an seiner Heimat besonders die unberührte Natur.

Daniel Aßmann und Marius Holler sitzen am Lagerfeuer

Der Fotograf Marius Holler (r) stammt aus der Rhön. Er hat Daniel Aßmann in die unberührte Natur am Schafstein geführt.

Eine Nacht im Sternenpark

2014 wurde die Rhön von der International Dark Sky Association als Sternenpark anerkannt. Voraussetzung war, dass es hier Gebiete mit einer fast unbeeinträchtigten, dunklen Nachtlandschaft und nur geringer Lichtverschmutzung gibt. Hobbyastronomin Sabine Frank und ihr Team arbeiten für das Biosphärenreservat als Lichtschutzbeauftragte und bieten das ganze Jahr über Führungen im Sternenpark Rhön an. Der Himmel lässt sich im Sternenpark besonders gut beobachten, weil viele Gemeinden in der Region nachts nur so wenig Licht anlassen wie nötig. So sollen nicht nur die Sterne zu sehen sein, sondern auch Natur und Tiere geschützt werden. Es gibt fünf Himmelschauplätze, die mit interaktiven Infotafeln, Polarsternfinder, Sternekarte, Fernglasaufsetzer und Wellenliegen ausgestattet sind und den Sternenpark auch ohne Führung erlebbar machen.

Einen freien Blick in die Sterne bieten die durchsichtigen Dächer und großen Panoramafenster der futuristischen Sleep Cubes, die direkt hinter dem Hotel Lothar-Mai-Haus in Hofbieber stehen. Die viereckigen Zelte sind aus wetterfestem Stoff und haben geschwungene Rahmen. Im Inneren gibt es eine Matratze, Kissen und Decken sowie stromsparende LED-Beleuchtung.

Sternenhimmel über einer Landschaft mit Bäumen

Die Rhön wurde wegen ihrer fast unbeeinträchtigten Nachtlandschaft von der International Dark Sky Association als Sternenpark anerkannt.

Wasserkuppe mit Flugschule und Radom

Die 950 Meter hohe Wasserkuppe ist der höchste Berg der Rhön und gilt als Berg der Flieger. Bereits 1924 wurde hier die "Fliegerschule Wasserkuppe" gegründet, die älteste Segelflugschule der Welt. Das Deutsche Segelflugmuseum ist weltweit einzigartig und macht Geschichte lebendig mit Ausstellungsstücken vom Lilienthal-Gleiter bis zum modernen Hochleistungs-Kunststoffsegelflugzeug. Und täglich starten Motor- und Segelflugzeuge zu Rundflügen über die Rhön, heben Drachen- und Gleitschirmflieger ab und lernen Interessierte die Kunst von Auftrieb, Wind und Wetter. Im Sommer ist die Bob- und Rodelbahn geöffnet, im Winter locken Skilifte und Loipen.

Unübersehbares Wahrzeichen der Wasserkuppe ist eine futuristische Kugel. Das sogenannte Radom war im Kalten Krieg eine Radaranlage für die Luftraumüberwachung. Seit 2009 ist es Kulturdenkmal und Konzertsaal. Durch seine Kugelform hat es eine einmalige Akustik und ist perfekt für elektronische Musik, die das Radom mit sphärischen Klängen in Schwingung versetzen. Den Komponisten und Musiker Frank Tischer, der hier regelmäßig Konzerte veranstaltet, stellte das Radom vor eine Herausforderung. Denn in der Kuppel hallt ein zwölffaches Echo mit bis zu 1,8 Sekunden Verzögerung, und er musste seine Musik extra für den Raum komponieren. Ein weiteres Highlight des Radoms ist die Aussichtsplattform, die um die komplette Kugel herumführt und einen einmaligen Ausblick bietet.

Radaranlage Radom in Kugelform auf der Höhe der Wasserkuppe

Das Radom steht wie eine futuristische Kugel auf der Wasserkuppe, dem höchsten Berg der Rhön.

Milseburg – Perle der Rhön

Der schroffe Basaltgipfel der Milseburg erhebt sich wenige Kilometer nordwestlich der Wasserkuppe. Der Berg ist auch bekannt als die "Perle der Rhön" und zählt zu den beliebtesten Wanderzielen der Region. Bereits vor ca. 2.500 Jahren siedelten hier etwa 1.000 Menschen und machten die Milseburg zu einem zentralen Siedlungsbereich dieser Zeit. Noch heute findet man die Spuren und Zeugnisse der Kelten am Berg, etwa den noch gut erhaltenen Ringwall. Auf dem 835 Meter hohen Berg steht eine barocke Kreuzigungsgruppe aus dem Jahre 1756, knapp unterhalb des Gipfels eine kleine Wallfahrtskapelle zu Ehren des Heiligen Gangolfs. In der bewirtschafteten Milseburghütte werden regionale Speisen serviert. Vom Parkplatz am Fuß des Berges führt ein steiler Weg hinauf zum Gipfel. Festes Schuhwerk und eine gewisse Trittsicherheit sind empfehlenswert.

Kreuzigungsgruppe auf einem felsigen Berggipfel

Auf dem 835 Meter hohen Berg Milseburg befindet sich eine barocke Kreuzigungsgruppe aus dem Jahre 1756.

Lesetipps für die Rhön

Wander-, Ski- und Radwanderkarte Hohe Rhön mit Wasserkuppe, Milseburg und Kreuzberg. Maßstab 1:35000
Verlag Dr. Barthel, 3. Aufl. 2019
ISBN 978-3895912313
Preis: 5,90 Euro

Kay Tschersich
Rhön. Wanderführer mit Karte
Kompass, 4. Aufl. 2020
ISBN 978-3990440407
Preis: 14,99 Euro

Torsten Bieder, Daniela Knor
Rhön. Die schönsten Wanderungen im Land der offenen Fernen. 60 Touren
Rother Bergverlag, 10. akt. Aufl. 2021
ISBN 978-3763345755
Preis: 14,90 Euro

Michelle Fiedler, Christine Röhling
52 kleine & große Eskapaden in der Rhön. Ab nach draußen!
DuMont Reiseverlag, 2020
ISBN 978-3770180998
Preis: 16,95 Euro

Stand: 25.04.2021, 20:15