Moderner Peloponnes: Ferienwohnungen, Wochenmärkte und Traditionen

Andrea Grießmann auf dem Markt von Pyrgos

Moderner Peloponnes: Ferienwohnungen, Wochenmärkte und Traditionen

Auf dem Peloponnes ist der Tourismus eine der wenigen Wachstumsbranchen. Über die Hälfte der Einnahmen stammen von Besuchern aus Deutschland, Großbritannien, den USA, Frankreich, Italien und Russland. Anlagen mit Ferienwohnungen liegen im Trend – und häufig direkt am Strand. Wer sich in seinem Urlaub selbst versorgen will, kann auf den Wochenmärkten, den Laika, die es in vielen Dörfern gibt, frische, preiswerte Waren aus der Region einkaufen. In vielen Orten gibt es öffentliche Brunnen.

Auf dem Peloponnes ist die Arbeitslosigkeit zwar nicht so hoch wie in manch anderen Regionen Griechenlands. Dass hier aber vor einigen Jahren jeder Vierte keinen Job hatte, hat Spuren hinterlassen. Die Wirtschaftskrise zeigt sich auch in modernen Kleinstädten wie Pyrgos in der Region Elis, einem Ort, der weniger durch seine Idylle auffällt, dafür aber Verkehrsknotenpunkt ist. Von hier aus fahren Busse u.a. nach Olympia, Kyllini, Kalamata oder Athen. Es gibt sieben Kirchen, einen zentralen Platz mit vielen Cafés und Bars, ein Postamt und einen Supermarkt. Außerdem Ferienwohnungen und einen schönen Wochenmarkt. In Pyrgos gibt es seit 2013 keine regulären Bahnverbindungen mehr. Lediglich eine Linie fährt die Touristen zwischen Olympia und der Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe hin und her. Auch eine Bahnverbindung zwischen Athen und der wichtigen Hafenstadt Patras fehlt. Der Regierung fehlt das Geld.

 Andrea  Grießmann zwischen ausrangierten Wagen der Eisenbahn

Andrea Grießmann auf dem verlassenen Bahnhof von Pyrgos

Das malerische Dorf Andritsena liegt 750 Meter hoch in der Bergwelt des Elis. Touristen auf dem Weg zum 14 Kilometer südlich gelegenen Apollontempel bei Bassae legen hier gerne eine Pause ein. Sie schätzen die Ursprünglichkeit, die Idylle eines typisch griechischen Bergdorfes. Es gibt ein paar urtümliche Handwerksbetriebe, einige Cafés und Tavernen rund um den Dorfplatz sowie ein Museum mit Trachten und Alltagsgegenständen aus dem 19. Jahrhundert. Die Dorfbewohner haben es in Eigeninitiative ausgestattet; der Schlüssel liegt bei der Museumsleiterin, die ganz in der Nähe in einem kleinen Laden arbeitet.

Olena: Traditionelle Tänze und Brot aus dem Holzofen

Traditionen werden groß geschrieben auf dem Peloponnes – auch bei jungen Leuten: Das Dörfchen Olena liegt im Westen der Halbinsel, hat 800 Einwohner und ist vom Tourismus weitgehend unberührt geblieben. Über den dorfeigenen Kulturverein lernt die Jugend traditionelle Tänze aus ganz Griechenland, überwiegend aber aus ihrer Heimat. Einmal im Jahr treten die jungen Leute in ihren Trachten auch in Olympia auf, während eines großen Sportfestes. Auch beim Fest zu Ehren des Hl. Nikolaus zeigen sie ihre Tänze – und alle machen mit. Der berühmte Heilige machte auf seinem Weg von Kappadokien nach Italien in Olena Station. Seitdem ist er der Schutzpatron des Dorfes, das vor 1.000 Jahren Bischofssitz war. Der jetzige Bischof hält am Feiertag höchstpersönlich die Messe – und sitzt mit am Tisch auf dem Dorfplatz: Die Frauen bringen süßes Brot mit Fenchelsamen und anderes Gebäck mit, das traditionell im Holzofen gebacken wurde. Brot miteinander zu essen, gehört zu den festlichen Ritualen. Genau wie die große Prozession, bei der die Priester durch die Straßen ziehen und die Häuser und ihre Bewohner segnen. Wer die Ikone küsst, erhält den Schutz des Hl. Nikolaus.

Prozession mit Priestern auf einer Dorfstraße

Prozession zu Ehren des Hl. Nikolaus im Dorf Olena

Lesetipps

Nicole Quint
Lesereise Peloponnes. Alexis Sorbas und der getürkte Grieche

Picus, 2013
ISBN 978-3711710352
Preis: 15,00 Euro

Klaus Bötig
Peloponnes
DuMont, 4. Aufl. 2018
ISBN 978-3770175642
Preis: 17,99 Euro

Elissavet Patrikiou
Echt griechisch. Die besten 70 Familienrezepte von Mama Anastasia
Christian-Verlag, 2019
ISBN 978-3959612821
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Stand: 29.03.2020, 20:15