Wandern: Arkadien, Menalon-Trail, Lousios Schlucht und einsame Klöster

Andrea Grießmann steht in einer schmalen Schlucht vor einem kleinen Wasserfall

Wandern: Arkadien, Menalon-Trail, Lousios Schlucht und einsame Klöster

Dicht bewaldet und bergig präsentiert sich Arkadien, die Region im Herzen des Peloponnes. Über 75 Kilometer zieht sich hier der Menalon-Trail in acht Tagesetappen durch eine grüne, wasserreiche Landschaft. Im Mai 2015 wurde er als erster international zertifizierter Qualitätswanderweg Griechenlands ausgezeichnet. Er führt vorbei an archäologischen Stätten, uralten Klöstern, religiösen Denkmälern und traditionellen Dörfern. Der Weitwanderweg verbindet das Bergdorf Stemnitsa am Lousios-Tal mit Langadia an der Hauptverbindungsstraße zwischen Tripolis und Olympia. Der Melanon-Trail verläuft auf verschiedenen Höhen zwischen 420 und 1.550 Meter und ist durchgehend gut markiert.

Die erste Etappe des Melanon-Trails führt durch die dicht bewaldete, rund fünf Kilometer lange Louisos-Schlucht, immer entlang des gleichnamigen Flusses. Der Legende nach sollen die Nymphen Thiesoa, Neda und Agno den späteren Göttervater Zeus als Neugeborenen hier gebadet haben. Das klare, türkisfarbene Wasser ist bei Wildwassersportlern sehr beliebt, und eine Reihe von Unternehmen bieten Raftingtouren an. Wer genau hinsieht, entdeckt an den grünen Ufern Schildkröten oder Schlangen. Ein Highlight sind die direkt in die Felsmauern der Schlucht geschlagenen Klöster Podromos, Emalion und Philosophou (alt und neu).

Stemnitsa – Ein idyllisches Bergdorf

Das Bergdörfchen Stemnitsa mit seinen blumengeschmückten Holzbalkonen und den steilen, gepflasterten Gässchen ist der Ausgangspunkt des Melanon-Trails. In den hellen Steinhäusern, die in byzantinischer Tradition mit roten Ziegeln gedeckt sind, lebten einst 4.000 Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die meisten in die großen Städte. Heute wohnen gerade mal 190 Menschen hier, die von den Sommergästen leben, die die kühle Gebirgslandschaft drum herum schätzen. In der Nebensaison ist der Ort ausgesprochen verschlafen. Bekannt ist Stemnitsa auch durch seine Goldschmiedeschule – der einzigen in Griechenland.

Häuser mit roten Ziegeldächern an einem Berghang

Im Bergdorf Stemnitsa startet der Melanon-Wanderweg.

Sehnsuchtsort Arkadien

An den Ausläufern des Berges Erymanthos befindet sich die Hochebene Pholoi mit dem ältesten von Menschen gepflanzten Buchen- und Eichenwald Europas. Um den Wald von Pholoi ranken sich viele Mythen und Legenden. So soll er das Reich des sanftmütigen Kentaur Pholus gewesen sein, bei dem sich Herakles aufhielt, während er den Erymanthischen Eber jagte. In dem 33 Hektar großen Eichenwald gibt es heute wieder Wildschweine. Und zwar nicht zu knapp. Der zuständige Förster spricht sogar von einer Wildschweinplage.

Der Fluss Erymanthos entspringt im gleichnamigen Bergmassiv und bildet die Grenze zwischen den Regionen Arkadien und Elis. Er ist beliebt bei Paddlern und Kajaksportlern. Ein Wanderweg führt – bei trockenem Wetter – durch die Schlucht des Kentauren. Ganz in der Nähe finden sich malerische Wasserfälle, die selbst in der größten Sommerhitze mit angenehmen Wassertemperaturen zu einer erfrischenden Dusche laden. Durch die isolierte Lage galten die Einwohner Arkadiens schon in der Antike als raues Hirtenvolk, von dem man legendenhaft annahm, dass es ein freies, naturverbundenes und glückliches Leben inmitten seiner Herden lebte. Im 18. Jahrhundert träumten die europäischen Adligen davon, sich als Schäfer zu verkleiden und in Arkardien losgelöst von allen Konventionen in einer paradiesischen Landschaft unter einfachen Menschen zu leben.

 Andrea Grießmann auf einem schmalen Wanderweg zwischen steilen Felswänden

Andrea Grießmann wandert durch die Schlucht des Kentauren.

Lesetipps

Nicole Quint
Lesereise Peloponnes. Alexis Sorbas und der getürkte Grieche

Picus, 2013
ISBN 978-3711710352
Preis: 15,00 Euro

Klaus Bötig
Peloponnes
DuMont, 4. Aufl. 2018
ISBN 978-3770175642
Preis: 17,99 Euro

Elissavet Patrikiou
Echt griechisch. Die besten 70 Familienrezepte von Mama Anastasia
Christian-Verlag, 2019
ISBN 978-3959612821
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