Höxter, Schloss Corvey, Detmold, Optische Telegrafie in Entrup, Museumsstadt Nieheim, Teutoburger Wald, Externsteine, Hermannsdenkmal

Luftaufnahme von Schloss Corvey

Höxter, Schloss Corvey, Detmold, Optische Telegrafie in Entrup, Museumsstadt Nieheim, Teutoburger Wald, Externsteine, Hermannsdenkmal

Der vierte Tag auf dem Rad beginnt in Höxter, die östlichste Stadt Nordrhein-Westfalens. Sie liegt direkt an der Weser, die über einen langen Abschnitt hinweg der Grenzfluss zwischen NRW und Niedersachen ist. Das touristische Highlight von Höxter liegt nur zehn Minuten mit dem Rad nördlich. Das Schloss Corvey war in seinen Anfängen im 9. Jahrhundert eine reichsunabhängige Benediktinerabtei. Seine Bibliothek galt als eine der besten, und dieses Wissen und seine machtbewussten Äbte bescherten der Abtei eine lange Geschichte. Heute ist die Anlage UNESCO-Weltkulturerbe und im Privatbesitz des Herzogs von Ratibor. Am Wochenende und an Feiertagen gibt es Führungen durch die Gebäude. Berühmt sind das karolingische Westwerk, der barock ausgestattete Kirchenraum und die Schlossanlage. Unabhängig von Führungen kann das Gelände täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Prachtvoll ausgestatteter Kircheninnenraum mit Barockaltar

Prachtvolle Kirchenausstattung mit Barockaltar in der Klosterkirche Corvey

Auf diesem Abschnitt der Tour fährt man auch auf dem ersten Europäischen Radweg, dem R1. Der führt über 4.500 Kilometer durch elf europäische Länder – von Helsinki bis London. Und der Teil durch Westfalen zählt zu den sehr schönen Abschnitten der Strecke, durch den Teutoburger Wald, an den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal vorbei bis nach Detmold. Auch einen Halt wert ist die Abtei Marienmünster. Sie war nicht annähernd so machtvoll wie Corvey, präsentiert sich aber heute als wahres Schmuckstück. Die ganze Anlage ist ein Geheimtipp. Ein bisschen verwunschen, ein bisschen wild, besonders der neu angelegte Klostergarten.

Der Telegraphieturm von Entrup

In Entrup steht ein ganz besonderes Stück Technikgeschichte. Auf einem wieder aufgebauten 24 Meter hohen Turm steht ein Sendemast für ein Nachrichtensystem, das vor 180 Jahren revolutionär war – der optischen Telegraphie. 62 solcher Türme gab es im 19. Jahrhundert, um militärische Nachrichten möglichst schnell quer durch Deutschland zu schicken. Die Sendemasten hatten bewegliche Zeiger, deren unterschiedliche Stellungen dem Alphabet zugeordnet waren. Und der Turm in Entrup war Teil der Hauptstrecke zwischen Berlin und Koblenz.

Der "Turmbau zu Entrup" wurde vor allem vom Heimatverein in Entrup betrieben. Josef Köhne, einer der besonders engagierten Entruper, erklärt Interessierten, wie das ganze System funktioniert. Da auch die benachbarte Station in Oeynhausen wieder aktiviert wurde, kann man tatsächlich Nachrichten von Entrup nach Oeynhausen schicken – und zurück. Das ist einzigartig in Deutschland.

Stadt der Museen

Nieheim hat nur 6.500 Einwohner, aber fünf Museen. Warum? Ganz böse aus finanzieller Sicht geschaut, gab es da wohl mal Fördergelder, um – vereinfacht gesagt – alte Bauernhäuser in Museen umzubauen. Auf der ideellen Ebene und aus Nieheimer Sicht sieht das aber ganz anders aus, da hat jedes Museum seinen Grund:

  1. Das Käsemuseum. Das musste sein, denn Nieheim ist eine Käsestadt, und alle zwei Jahre findet hier sogar der deutsche Käsemarkt statt. Da kommen bis zu 50.000 Besucher. Dann können die gleich auch noch ins Museum.
  2. Das westfälische Bier- und Schnapsmuseum. Das musste sein, denn irgendwas muss man ja zum Käse trinken. Außerdem gibt es tatsächlich noch eine Brauerei in Nieheim, und die Kühlräume hat man gut ins Museum integrieren können.
  3. Ein Museum für den westfälischen Schinken. Das musste sein, weil man ja nicht nur Käse zum Bier essen kann.
  4. Eins fürs westfälische Brot. Das musste sein, denn Brot ist ja die Grundlage von allem. Und wirklich: Das Graubrot aus dem riesigen mit Holz gefeuerten Backofen des Museums ist ein Traum, vor allem, wenn man es gerade aus dem Ofen bekommt.
  5. Und damit wären wir beim fünften und auf den ersten Blick seltsamsten Museum in Nieheim: dem Sackmuseum. Aber das hat durchaus seinen Reiz. Denn jeder Sack erzählt eine Geschichte. Es sind Säcke dabei, in denen Kriegsgefangene ihre gesamten Habseligkeiten transportierten, ein Sack ist mal als Hüpfsack bei "Wetten, dass?" gebraucht worden, und ein Boxsack ist von den Klitschkos gespendet worden. Und seit neuestem ist auch ein Wunderschön-Rucksack in der Sammlung!

Externsteine und Hermannsdenkmal

Eins ist von der Natur erschaffen, eins ist von Menschen gemacht. Aber beide sind ein "Muss" bei einem Besuch in Ostwestfalen: die Externsteine und das Hermannsdenkmal.
Die Externsteine sind geologisch gesehen eine Sandsteinfelsformation. Der Gesteinszug ist Hunderte Meter lang, ist aber zu großen Teilen mit Erdreich bedeckt. Sichtbar sind insgesamt dreizehn Felsen, und die ragen bis zu 50 Meter hoch hinaus. Viel bedeutender als ihre Geologie ist aber ihre Geschichte oder – noch genauer – die Legenden um die Steine. Gesichert sind archäologische Funde aus der Alt- und Mittelsteinzeit (10.000 Jahre vor Christus), die belegen, dass Menschen hier gejagt oder Feuer gemacht haben. Die Steine gelten als germanische Kraftorte, als Heimstatt für versteinerte Riesen und als Grenze zwischen benachbarten Elfenstämmen. Darüber hinaus haben die Steine auch immer wieder eine Anziehungskraft auf deutsch-nationale Kräfte gehabt, die in den Steinen ein Zeichen für die ehemalige Größe Deutschlands sahen.
In den 1990er-Jahren wurden regelmäßig zur Sommersonnenwende riesige Happenings an den Steinen veranstaltet, weil man aus einem Steinloch in einem alten Altarraum auf einem der Steine an diesem Tag die Sonne aufgehen sehen sollte. Inzwischen geht die Parkverwaltung der Externsteine aber gegen solche Treffen vor. Esoterische Versammlungen und nächtliche "Walhalla"-Rufe gehören seitdem der Vergangenheit an.

Blick von oben auf mehrere Felsmassive in einer Reihe, dahinter Wald

Die Externsteine bei Höxter sind eine gewaltige Felsformation aus Sandstein.

Geschichte des Hermannsdenkmals

Eingeweiht wurde es 1875. Da war es mit seinen 57 Metern Höhe bis zur Einweihung der amerikanischen Freiheitsstatue die höchste Statue der westlichen Welt. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 suchte man nach einer positiv besetzten, historischen Person, an der man die Größe des "deutschen Volkes" zeigen konnte. Und so kam man auf Arminius, den Cheruskerfürsten, der die Germanen von den römischen Besatzern befreit hat, ihnen in der Varusschlacht die Freiheit wiedererkämpft hatte.

Die Geschichte war über die Jahrhunderte fast vergessen worden. Die Italiener wollten nicht an die Niederlage erinnert werden, und die Deutschen hatten keinerlei Schriften über die Schlacht. Doch nun erinnerte man sich wieder an den siegreichen Arminius und baute ihm ein überlebensgroßes Denkmal. Warum auch immer, hieß er aber auf einmal nicht mehr Arminius, sondern Hermann, der Cherusker – und das Denkmal ist seitdem das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. In der Weimarer Republik und danach zog das Denkmal dann immer mehr Anhänger der Rechtsextermen an. Heute ist das Denkmal eine der Hauptattraktionen für Touristen, sehr viel weniger für politische Aktivisten.

Die Figur des Hermanns mit erhobenem Schwert

57 Meter ragt das Denkmal über den Teutoburger Wald. Allein die Figur des Hermann misst knapp 27 Meter.

Stand: 01.09.2019, 20:15