Nordkanal, Groote (große) Heide, Fliegerhorst Venlo, Kloster Steyl, Botanischer Garten, Keramikmuseum Tegelen

Das Naturschutzgebiet Groote Heide liegt zwischen der niederländischen Stadt Venlo und der Grenze zu Deutschland

Nordkanal, Groote (große) Heide, Fliegerhorst Venlo, Kloster Steyl, Botanischer Garten, Keramikmuseum Tegelen

Eine Radtour entlang des "Grand Canal du Nord" oder eine Wanderung durch die vielseitige Landschaft der Grooten Heide empfiehlt sich in der Region um Venlo. Oder mit Kindern auf den Spuren ehemaliger Schmuggler wandeln. Entspannung findet man auf der Sonnenterrasse des Cafés im Botanischen Garten des Klosters Steyl.

"Grand Canal du Nord" – Nordkanal – nannte Kaiser Napoleon Bonaparte die Schifffahrtsverbindung zwischen Maas und Rhein, mit der er aus politischen Gründen die niederländischen Seehäfen an der Rheinmündung umgehen wollte. 1809 begannen die Arbeiten an der Wasserstraße, die von Neuss über Venlo bis nach Antwerpen reichen sollte. Knapp drei Jahre später gelangten die holländischen Häfen dann doch direkt in Napoleons Machtbereich, was das ehrgeizige Kanalprojekt überflüssig machte. Im Januar 1811 wurden die Arbeiten eingestellt. Die Schleuse Louisenburg, benannt nach Napoleons Gattin Marie-Louise, war die erste von insgesamt sieben geplanten Abstiegsschleusen zur Maas. Heute ist sie ein Baudenkmal. Entlang der nie fertiggestellten Wasserstraße führt die 100 Kilometer lange "Fietsallee am Nordkanal". Auf blauen Infotafeln finden Radfahrer Wissenswertes rund um den Kanal. Eine Übersichtskarte mit Radrouten und Sehenswürdigkeiten bietet eine gute Orientierung vor Ort.

Die Groote (große) Heide und der ehemalige Fliegerhorst Venlo

Die Groote (große) Heide ist ein knapp 250 Hektar großes Naturschutzgebiet zwischen der niederländischen Stadt Venlo und der Grenze zu Deutschland. Auf der deutschen Seite schließen sich direkt die Krickenbecker Seen an. Charakteristisch für die Groote Heide ist die vielseitige Landschaft mit Heideflächen, Feldern, Weideflächen und Sandmagerrasen sowie Nadel- und Mischwäldern. Über Jahrhunderte wurde das Gebiet landwirtschaftlich genutzt, Schafe hielten den Bewuchs niedrig. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts diente die Groote Heide dann der niederländischen Armee als Schießübungsgelände und während des Zweiten Weltkrieges als Militärflughafen. Nach dem deutschen Einmarsch in die Niederlande 1940 wurde das Gebiet zum deutschen Luftwaffenstützpunkt "Fliegerhorst Venlo", später auch zur Außenstelle eines Konzentrationslagers. Nach Kriegsende wurde der Flugplatz gesprengt. Trotzdem sind heute aber auf beiden Seiten der Grenze noch viele Reste und Ruinen erhalten, u.a. die Überreste einer riesigen Rundbogenhalle, die als Hangar diente. Auf der Grenzlinie zwischen Deutschland und den Niederlanden befindet sich heute eine Gedenkstätte, in der die Geschichte des Fliegerhorstes Venlo erzählt wird. Seit 1946 benutzt der Venloer Segelflugverein einen Teil des früheren Rollfelds. In einem ehemaligen Hangar haben Künstler und Kunsthandwerker ihr Atelier eingerichtet, das die Niederländerin Wilhelmina Spolders leitet. Sie selbst betreibt das Kunsthandwerk des Glasperlenwickelns. Und ein ehemaliger Bunker dient heute als Kletterturm.

Daniel Aßmann und Wilhelmina Spolders stehen unter einem alten Rundbogen

Daniel Aßmann und Wilhelmina Spolders in den Überresten der Rundbogenhalle des ehemaligen Fliegerhorsts Venlo

Schmugglerpfad

In den grenznahen Gebieten gehörte es über Jahrzehnte zum Alltag, Waren zu schmuggeln. Besonders Kaffee war bei den Deutschen beliebt, denn in den Niederlanden wurde er weniger besteuert und war deshalb preiswerter. In Straelen am Niederrhein gibt es einen Schmugglerpfad zum Nacherleben. An dieser Grenzlinie mit dichtem Wald, wo Zöllner einst Tag und Nacht Patrouille liefen, befinden sich jetzt auf 2,6 Kilometern 25 Mitmachstationen für Kinder. Der Rundweg führt rechts und links der Grenze entlang.

Venlo – Einkaufsparadies und historische Altstadt

Das Stadtgebiet von Venlo in der niederländischen Provinz Limburg grenzt unmittelbar an die deutschen Kreise Kleve und Viersen. Wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage an der Maas war die Stadt Venlo schon im 11. Jahrhundert ein beliebter Handelsplatz. Heute fahren viele Menschen aus dem Ruhrgebiet und Rheinland für einen Einkaufsbummel nach Venlo. In der historischen Altstadt findet man gut erhaltene, mittelalterliche Häuser. Die dortige Gasthuisstraat ist die älteste Straße der Niederlande. Den Mittelpunkt der Altstadt bildet der Marktplatz mit dem im Renaissance-Stil errichtete Rathaus mit seinen imposanten Türmen. Zu den ganz alten Stadtvierteln gehört das Kloosterkwartier. Hier liegt auch die schmale Keizerstraat, die nach Napoleon benannt ist. 1804 verlor dessen Pferd in der kleinen Gasse angeblich ein Hufeisen. Genau dieses soll in einer Hauswand neben dem Café de Klep von Louis Klaassens eingelassen sein. Aber gibt zu, dass dies nicht historisch bewiesen und auch nicht wahrscheinlich ist.

Blick auf das historische Rathaus mit imposanten Türmen

Das im Renaissance-Stil errichtete Rathaus steht mitten in der Altstadt von Venlo.

Venlo-Steyl: Kloster und Keramikwerkstatt

Am Ufer der Maas, im Venloer Stadtteil Steyl, steht das Mutterhaus eines der größten Klostergemeinschaften der Welt. Ihre Mitglieder arbeiten als Missionare in rund 70 Ländern: 6.000 Priester und Brüder und 3.700 Ordensschwestern. Gegründet wurde der Orden 1875 vom deutschen Priester Arnold Janssen aus Goch; das Missionshaus St. Michael bildete Missionare aus und sendete sie auch schon damals von hier aus in die ganze Welt. Die Steyler Missionare leiten im Mutterhaus St. Michael heute auch ein Gästehaus mit rund 55 Betten.
In der ehemaligen Gerberei des Klosters haben sich Niek Hoogland und Pim van Huisseling eine Töpferei eingerichtet. Seit 1997 stellen sie überwiegend Gebrauchskeramik her im Stil der niederrheinischen Bayerntöpferei aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Ein typisches Merkmal ist die sogenannte Hörnchenmalerei, bei der das Motiv mit flüssigem Ton auf die Keramik gemalt wird. Früher nahm man dafür echtes Horn, daher der Name.

Der Keramikkünstler Niek Hoogland arbeitet an der Töpferscheibe im Atelier

Der Keramikkünstler Niek Hoogland produziert Gebrauchskeramik im Stil der niederrheinischen Bayerntöpferei.

Botanischer Garten mit Blick auf die Maas

Den "Jochumhof" am südlichen Rand des Klosterdorfes Steyl legte 1933 der Biologielehrer Pater Peter Jochum als Naturlehrgarten an. Die Missionare brachten oft Pflanzen und Samen aus aller Welt mit, wenn sie ins Mutterhaus zurückkehrten. Heute befindet sich in Garten und Gewächshaus eine einzigartige Sammlung seltener exotischer Pflanzen und Bäume, die von Freiwilligen aus der näheren Umgebung gepflegt werden. In der historischen Remise, die von Kräuter-, Duft- und Staudengärten umgeben ist, wurde ein Café eingerichtet. Von der Sonnenterrasse fällt der Blick auf die Maas mit dem Fähranleger und der Schleuse in zwei Kilometern Entfernung.

Besucher sitzen an Tischen unter Bäumen

Auf der Sonnenterrasse des Cafés im Botanischen Garten mit schöner Aussicht auf die Maas.

Keramikmuseum Tegelen

Nicht weit von Venlo, im Keramikdorf Tegelen, wurden Anfang der 1960er-Jahre 500 Millionen Kilogramm Ton pro Jahr gewonnen und verarbeitet – allein für die Baukeramik. Bis heute wird hier der Ton für 65 Prozent aller Dachziegel der gesamten Niederlande abgebaut.

Dort befindet sich passenderweise auch das Keramikzentrum Tiendschuur in der Scheune von Schloss Holtmühle. Das Museum für Keramische Kunst bietet einen Einblick in die Entstehung der Tegeler Tonwaren im Laufe der Jahrhunderte: von römischen Dachziegeln über Großmutters Puddingformen und handgearbeiteten Töpferwaren aus den 1940er- bis 1960er-Jahren bis hin zu heutiger zeitgenössischer Keramik. Eine Kuriosität: In der Ausstellung steht ein 3 D-Drucker, mit dem man Keramik per Computertechnik herstellen kann.

Blick von außen über Gewässer auf großen Backsteingebäude

Das Keramikzentrum Tiendschuur befindet sich in der Scheune von Schloss Holtmühle.

Lesetipps für den Niederrhein

Jutta M. Ingala
52 kleine & große Eskapaden am Niederrhein
DuMont Reiseverlag, 2019
ISBN 978-3770180820
Preis: 16,95 Euro

Roland Föll
Niederrhein. Zwischen Rhein und Maas. Wanderführer mit 50 Touren
Rother Bergverlag, 3. akt. Aufl. 2021
ISBN 978-3763344697
Preis: 14,90 Euro

Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Outdoorkarte 1:50 000
Hallwag Kümmerly + Frey, 2014
ISBN 978-3259007471
Preis: 6,95 Euro

Birgit Gerlach
Naturpark Schwalm-Nette: Erlebnistouren am Niederrhein
Droste Verlag, 3. Aufl. 2017
ISBN 978-3770015900
Preis: 14,99 Euro

Stand: 16.05.2021, 20:15