Krickenbecker Seen, Paddeln auf der Niers, Wachtendonk, Wassenberg

Blick von oben auf die Krickenbecker Seen mit Schloss

Krickenbecker Seen, Paddeln auf der Niers, Wachtendonk, Wassenberg

Die Krickenbecker Seen um das Wasserschloss Krickenbeck locken Besucher mit Wanderwegen und Radrouten. Eine Kanu- oder Kajaktour auf der Niers ist auch für ungeübte Paddler leicht zu bewältigen. Die Burg Wassenberg hat über die Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte erfahren.

Die vier Krickenbecker Seen liegen im Herzen des Naturparks Schwalm-Nette in der Nähe von Nettetal. Entstanden sind sie im 16. bis 19. Jahrhundert, als dort im ehemaligen Sumpfgebiet im großen Stil Torf abgebaut wurde und sich die Ausgrabungsflächen schnell mit Grundwasser füllten. Bereits 1938 wurde der Bereich zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Seen sind wie ein Kleeblatt um das Wasserschloss Krickenbeck aus dem 16. Jahrhundert angeordnet. Heute befindet sich in den historischen Mauern eine Fortbildungsakademie.

Viele Vogelarten nutzen die großen Wasserflächen mit ihren Schilfgürteln als ständigen Lebensraum oder Winterquartier, darunter bis zu 14 verschiedene Entenarten, aber auch Reiher, Haubentaucher, Bläss- und Teichhühner sowie mehrere Gänsearten. Direkt am Wanderparkplatz Nettetal-Hinsbeck liegt die Biologische Station mit Besucherzentrum und Café. Es gibt Infos über die Geologie des Nettetals, die heimische Tier- und Pflanzenwelt und über ökologische Zusammenhänge. Einen schönen Überblick auf die Krickenberger Seenplatte ermöglicht der 28 Meter hohe Aussichtsturm am Taubenberg an den Hinsbecker Höhen. Rund um die Seen führen verschiedene Wanderrouten; drei Rundwege sind barrierefrei. Die Zwei-Länder-Route, die Niederrheinroute und die Euroga-Route sind einige der grenzüberschreitenden Radwege.

Paddeln auf der Niers

Die Niers entspringt bei Erkelenz, schlängelt sich durch die Region Niederrhein und mündet nach knapp 110 Kilometer im niederländischen Gennep in die Maas. Sie ist maximal ein Meter tief und zehn bis 15 Meter breit, hat ein geringes Gefälle und eine Fließgeschwindigkeit von nur zwei Kilometer pro Stunde. Damit ist der Fluss auch für ungeübte Kanuten leicht zu befahren. Auf ein- bis mehrtägigen Touren fährt man an typisch niederrheinischen Auen, Herrenhäusern, Mühlen und der Abtei Mariendonk vorbei. Es gibt rund 15 Verleiher von Kajaks, Kanus und Schlauchbooten. Auf Wunsch wird das Fahrrad zur Zielanlagestelle gebracht, wo auch das Boot abgeholt wird. Bevor in den 1920er-Jahren die ersten Kläranlagen gebaut wurden, war die Niers eine schmutzige Kloake. Ende des 20. Jahrhunderts wurden große Teile des Flusses renaturiert. Heute stehen viele der Niers-Niederungen unter Natur- und Landschaftsschutz. Entlang des Flussufers, durch die weiten Wiesen und Felder und vorbei an Pappeln und Kopfweiden verläuft der gut ausgeschilderte Niers-Radwanderweg.

Daniel Aßmann paddelt auf der flachen Niers

Paddeln auf der Niers ist auch für Ungeübte einfach, da der Fluss eine geringe Fließgeschwindigkeit hat.

Wachtendonk: Historischer Ortskern und Haus Püllen mit Waldlabor

Wachtendonk im Kreis Kleve erhielt 1343 die Stadtrechte. Im Laufe der Jahrhunderte geriet die Stadt an der Niers mal unter niederländische, aber auch spanische und französische Herrschaft. 1618 und 1708 zerstörten Brände einen großen Teil der Stadt. Heute steht der historische Ortskern mit rund 120 restaurierten Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert komplett unter Denkmalschutz. Der Pulverturm, 1605/06 errichtet, ist heute ein Wahrzeichen der Gemeinde und letztes Zeugnis der ehemaligen Stadtbefestigung. Am südlichen Rand der Stadt stehen die Reste der Burg Wachtendonk, die 1608 bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Die Fundamente wurden in den 1970er-Jahren ausgegraben und vermitteln heute einen Eindruck von der Größe der ehemaligen Burganlage.

Zu den ältesten Gebäuden von Wachtendonk gehört das 1634 erbaute Haus Püllen, das heute als Naturparkzentrum genutzt wird. Die Dauerausstellung im Foyer zeigt die Entwicklung der Natur, Kultur und Landschaft des Naturparks von der vorletzten Eiszeit bis heute. Man kann sich hier ein "rollendes Waldlabor" kostenlos ausleihen. Es ist speziell für Kinder gedacht und enthält eine kleine Forschungsstation mit Becherlupen und Pinzetten, um Tiere und Pflanzen zu erkunden. Beim Imker-Workshop im Bauerngarten lernen Erwachsene und Kinder, was Bienen mit unseren Ökosystemen zu tun haben.

Wankum ist ein Ortsteil von Wachtendonk – und die Wankumer Heide ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Wanderwegen und sportlichen Angeboten, darunter auch Wasserskifahren in der "blauen Lagune". Teile der Wankumer Heide stehen unter Natur- und Landschaftsschutz, darunter auch eine Orchideenwiese.

Daniel Aßmann hält mit dem Fahrrad vor schönen Häusern in Wachtendonk

Wachtendonk besitzt einen historischen Ortskern mit rund 120 restaurierten Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Wassenberg – Stadtführung mit Ritter Gerhard

Wassenberg liegt an der Grenze zu den Niederlanden im Kreis Heinsberg und gehört am flachen Niederrhein zu den wenigen Städten, die einen "Berg" besitzen: In 94 Meter Höhe steht der viergeschossige quadratische Bergfried, der Wehrturm der Burg Wassenberg. Ursprünglich handelte es sich bei der Burg um eine sogenannte Motte: eine Befestigung auf einem künstlich aufgeschütteten Erdhügel. Die Motte wurde im Laufe der Jahrhunderte zu einer Burg ausgebaut und um 1085 von Graf Gerhard zu seinem Sitz erwählt. Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 15. Jahrhundert. Heute dient der Bergfried als Aussichtsturm mit Blick über das Rurtal und die Stadt.

Über die wechselvolle Geschichte Wassenbergs erzählen Mitglieder des Bürgervereins beim "Historischen Altstadtrundweg". Im Gewand von Stadtschreiber und Fleischhauer nehmen sie Besucher mit auf eine Zeitreise zu Burg, Bergfried, Verlorenenturm, Roßtor, Roßtorplatz und Münzer-Tafel. Virtuell mit dabei ist auch der mittelalterliche Ritter Gerhard – während der Führung zu sehen auf dem Tablet, dem Smartphone und am letzten der ehemals drei Stadttore sogar einmal in 3-D. Einmal im Jahr findet in Wasserberg ein großer Mittelaltermarkt statt mit Rittern, Gauklern und Musikanten.

Daniel Aßmann mit zwei als Ritter kostümierten Personen vor dem Wassenberger Stadttor

In Wassenberg begibt sich Daniel Aßmann (m) mit Stadtschreiber und Fleischhauer auf eine Zeitreise ins Mittelalter.

Lesetipps für den Niederrhein

Jutta M. Ingala
52 kleine & große Eskapaden am Niederrhein
DuMont Reiseverlag, 2019
ISBN 978-3770180820
Preis: 16,95 Euro

Roland Föll
Niederrhein. Zwischen Rhein und Maas. Wanderführer mit 50 Touren
Rother Bergverlag, 3. akt. Aufl. 2021
ISBN 978-3763344697
Preis: 14,90 Euro

Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Outdoorkarte 1:50 000
Hallwag Kümmerly + Frey, 2014
ISBN 978-3259007471
Preis: 6,95 Euro

Birgit Gerlach
Naturpark Schwalm-Nette: Erlebnistouren am Niederrhein
Droste Verlag, 3. Aufl. 2017
ISBN 978-3770015900
Preis: 14,99 Euro

Stand: 16.05.2021, 20:15