Luftaufnahme der Seenplatte: Die Müritz ist mit 110 Quadratkilometern Deutschlands größter Binnensee

Rund um die Müritz: Nationalpark und Städte

Stand: 02.10.2022, 20:15 Uhr

Mit einer Fläche von 110 Quadratkilometern ist die Müritz Deutschlands größter Binnensee und wird deshalb auch "Kleines Meer" genannt. Rundherum liegen der Nationalpark und viele schöne Städtchen.

Der etwa 30 Kilometer lange und 13 Kilometer breite See entstand während der jüngsten Eiszeit. Im Hafen von Waren, dem touristischen Zentrum der Region, startet das einzige Dampfschiff Mecklenburg-Vorpommerns. In den Sommermonaten fährt die "Europa" mehrmals täglich unterschiedliche Routen. Es lohnt sich, zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, denn viele Orte und Landschaften rund um den See sind mit dem Auto nicht erreichbar. Dazu gehört auch der sieben Kilometer von Waren entfernte Müritzhof. Der mehr als einhundert Jahre alte Bauernhof ist heute ein Restaurant und beliebter Stopp für Ruhe suchende Radler und Wanderer. Auf der Speisekarte stehen neben typisch mecklenburgischen Spezialitäten auch Schaf- und Rindfleisch aus eigener Haltung und Verarbeitung. Betrieben wird der Müritzhof von 20 Menschen mit Beeinträchtigung, zwölf von ihnen leben auch hier.
Am Südostufer der Müritz liegt der Campingplatz "Bolter Ufer". Von April bis Oktober lebt Monika Strauss hier in einem Wohnwagen und betreibt ihre Katamaran- und Surfschule. Die Diplomsportlehrerin bietet auch Yoga auf dem SUP-Board an.

Nationalpark Müritz

Östlich des Sees, in einer der am dünnsten besiedelten Regionen Mitteleuropas, liegt der Nationalpark Müritz. Mit rund 320 Quadratkilometern ist er der größte Nationalpark Deutschlands abseits der Küsten. Er teilt sich in zwei Gebiete. Das eine zieht sich von Waren am Ostufer der Müritz entlang. Das andere, kleinere Gebiet liegt östlich von Neustrelitz. Ein Teil davon gehört seit 2011 zum UNESCO Weltnaturerbe Alte Buchenwälder. Der Müritz-Nationalpark ist zu mehr als 70 Prozent mit Wald bedeckt und von langen Wasseradern durchzogen, auf denen Wasserwanderer mit dem Kanu unterwegs sind. In den Flüssen und an den Ufern leben Biber, Fischotter, Lurche und Moorfrösche. Mehr als 200 Vogelarten nisten hier, darunter Kranich, See- und Fischadler. Der Nationalpark lässt sich auch gut mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. 400 Kilometer Rad- und Wanderwege gibt es. Außerdem fahren Busse, in denen auch das Fahrrad mitgenommen werden kann. Offenes Feuer und Rauchen sind verboten. Chefranger Dr. Matthias Hellmund und seine Kolleginnen und Kollegen fahren regelmäßig Patrouille auf dem Wasser. Dabei muss das Kanu zwischendurch immer wieder auf eine Lore geladen und ein Stück über Land gezogen werden, bevor es im nächsten Kanal weitergeht.

Judith Rakers und Chefranger Matthias Hellmund paddeln in einem Kanu

Im Nationalpark Müritz geht Judith Rakers mit Chefranger Matthias Hellmund per Kanu auf Wasserpatrouille.

Waren

Am nördlichen Ufer der Müritz liegt das malerische Städtchen Waren – Luftkurort, Heilbad und touristisches Zentrum der Region. Die historische Altstadt mit ihren kleinen Gassen und beeindruckenden Baudenkmälern wurde behutsam restauriert. Entlang der Promenade des Stadthafens gibt es viele Kneipen und Restaurants. Das Müritzeum ist ein multimediales Natur-Erlebnis-Zentrum und zeigt in einer interaktiven Ausstellung die Besonderheiten der Mecklenburgischen Seenplatte und des Müritz-Nationalparks. In Deutschlands größter Aquarienlandschaft für heimische Süßwasserfische taucht man unter die Wasseroberfläche der über 1.000 Seen. Der Müritz-Nationalpark grenzt direkt an das Stadtgebiet. Vom Stadthafen aus geht es auf den Müritz-Rad-Rundweg. Für die Umrundung des "kleinen Meeres" sollte man genügend Zeit einplanen. Rund 90 Kilometer sind es einmal um die Müritz, allerdings ohne große Steigungen.

Platz in Waren mit historischen Häusern

Waren liegt am Nordufer der Müritz und ist Luftkurort, Heilbad und touristisches Zentrum der Region.

Röbel

Röbel liegt am Westufer der Müritz. Seit dem Mittelalter und bis weit in die Neuzeit bestand die Stadt aus zwei getrennten Siedlungen mit jeweils einer imposanten Backsteinkirche: Die Nicolaikirche steht in der südlicheren Neustadt. Hier lebten deutsche Siedler, hauptsächlich Handwerker. Rund um die Marienkirche in der Altstadt wohnten slawisch geprägte Bauern und Fischer. Sowohl vom 70 Meter hohen Turm der Nikolaikirche als auch von der Aussichtsplattform der Marienkirche in 33 Meter Höhe hat man einen atemberaubenden Blick. An der Hauptstraße reihen sich liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser wie auf einer Perlenschnur, an den Ufern der Müritz stehen hölzerne Bootshäuser.

Blick auf den Ort Röbel mit zwei Kirchen und vielen Bäumen

Röbel bestand früher aus zwei Ortschaften und hat deshalb zwei große Kirchen.

Malchow – Drehbrücke und DDR-Museum

Malchow ist das touristische Zentrum der Mecklenburger Seenplatte und liegt ganz im Westen. Eine Drehbrücke ist das Wahrzeichen des Luftkurortes, der zum Teil auf einer Insel liegt. Sie verbindet Altstadt und Neustadt, ist knapp 15 Meter lang und wurde 2012 komplett erneuert. Jährlich passieren rund 20.000 Boote und Schiffe diese engste Stelle zwischen Plauer See und Fleesensee. In den Sommermonaten findet das Spektakel zwischen 9 und 20 Uhr statt – zur Freude der Touristen in den umliegenden Cafés. Brückenwärter Werner Ehrich ist zu jeder vollen Stunde Gastgeber dieses Spektakels.

Blick von oben auf die sich gerade öffnende Drehbrücke

Jede Stunde wird in Malchow die Drehbrücke eingeklappt, damit die Schiffe passieren können.

Gleich hinter der Drehbrücke steht der ehemalige "Film-Palast", in dem heute das DDR-Alltagsmuseum untergebracht ist. Ein Besuch wird zu einer Zeitreise zurück ins sozialistische Deutschland. Auf zwei Stockwerken verteilt stehen hier Tausende Alltagsgegenstände aus der ehemaligen DDR, z.B. der Sandmann, die guten alten Weinbrandbohnen oder ein typischer Mixer. Susanne Reichert bekommt viele Gegenstände geschenkt und erweitert die Ausstellung ständig. Es gibt ein DDR-Kinderland, und die typische ostdeutsche Wohnwirklichkeit der 1960er- bis 1980er-Jahre ist hier nachgebaut.

Lesetipps zur Mecklenburgischen Seenplatte

Sven Talaron, Sabine Becht
Mecklenburgische Seenplatte
Michael Müller-Verlag, 5. Aufl. 2020
ISBN 978-3956549847
Preis: 18,90 Euro

Linda O’Bryan, Hans Zaglitsch
Radtouren am Wasser. Mecklenburgische Seenplatte. 30 Touren im Land der 1000 Seen
Bruckmann, 2021
ISBN 978-3734318504
Preis: 19,99 Euro

Christine Lendt, Jens Rademacher
Hausbooturlaub Mecklenburgische Seenplatte
Edition Maritim; 2. Aufl. 2021
ISBN 978-3667120625
Preis: 24,90 Euro

Beate Schümann (Autorin), Sylvia Pollex (Fotografin), Thomas Rötting (Fotograf)
Mecklenburgische Seen. DuMont Bildatlas 188
DuMont Reiseverlag, 2017
ISBN 978-3770193844
Preis: 11,50 Euro