Wenig Menschen - viele Tiere

Ein Ranger steht neben einem Elch

Wenig Menschen - viele Tiere

Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte in Deutschland. Auf einem Quadratkilometer wohnen im Schnitt gerade mal 69 Menschen. Es gibt also wenig Menschen, dafür aber viele Tiere. 269 Naturschutzgebiete bieten Lebensraum für seltene Pflanzen und gefährdete Tierarten.

Auf etlichen Abschnitten ihrer Paddeltour haben auch Steffi, Nicky und Marco keine Menschen getroffen, dafür aber jede Menge Tiere gesehen. Wer ruhig paddelt, der kann in Mecklenburg mit etwas Glück sogar den Eisvogel sehen, oder Biber oder chinesische Mandarinenten. Und Steffi, die Tiere besonders liebt, staunte nicht schlecht, als sie plötzlich vor zwei Rentieren stand. Und sogar Elche gibt es hier. Später haben Steffi und Nicky dann noch unter Wölfen geschlafen. Wer Flora und Fauna in Mecklenburg kennenlernen möchte, der kann das auch mit den Rangern der Naturparks tun. Wir waren bei der Paddeltour in den Naturparks Sternberger Seenland und Nossentiner/Schwinzer Heide unterwegs.

Eisvögel in Mecklenburg  

Der Eisvogel, wegen seiner Farbenpracht auch fliegender Edelstein genannt, ist zwar nicht akut vom Aussterben bedroht, aber die Art gilt als dezimiert. Hauptgrund dafür ist die Vernichtung seines Lebensraumes. Flüsse sind reguliert, Tümpel zugeschüttet, Feuchtgebiete trockengelegt worden. In Mecklenburg findet der Eisvogel noch saubere Gewässer mit Steilhängen und umgestürzte Bäume, auf denen er ansitzt bei der Jagd auf kleine Fische. Um einen Eisvogel zu sehen, braucht man etwas Glück, und man muss sich ziemlich ruhig verhalten. Die Fluchtdistanz der Vögel ist hoch.

Ein blau-oranger Eisvogel steht auf einem Baumstumpf im Bachbett

Ein Eisvogel macht Jagd auf kleine Fische.

Biber waren schon fast ausgestorben

Der Biber war auch in Mecklenburg weitgehend ausgestorben. Im Bereich der Sternberger Seenlandschaft wurden in 90er-Jahren Tiere ausgesetzt, und seitdem sind die Spuren des Bibers zunehmend wieder im Landschaftsbild zu sehen - und wenn man Glück hat, der Biber selbst auch. Naturschützer sind darüber glücklich. Landwirte, deren Äcker und Wiesen plötzlich unter Wasser stehen, sehen das natürlich anders. Der Biber staut mit seinen Dämmen Wasser auf, damit der Zugang zu seiner Burg immer unter Wasser liegt. Außerdem sorgt er so dafür, dass in seinem Revier genügend Nahrung wächst. Biber fressen vor allem Gräser, Kräuter und junge Triebe von Weichhölzern. Man kann die Tiere am besten morgens und abends beobachten.

Biberkopf nah, schwimmend in einem Gewässer

Mit etwas Glück kann man auch Biber in der Sternberger Seenlandschaft beobachten.

Störche werden immer weniger

Die Zahl der Störche dagegen ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben unterwegs nur ein Paar mit Jungen im Nest gesehen. Dabei war Deutschlands Nordosten in den 80er-Jahren noch die Gegend mit den meisten Störchen in Deutschland. Als Grund für die Abnahme der Population sieht der NABU vor allem die Reduzierung der Nahrungsflächen. Die Landwirtschaft setze zunehmend auf Monokulturen. In riesigen Maisfeldern sei für Störche aber keine Nahrung zu finden.

Schwarz-weißer Storch auf einem abgeernteten Feld

Die Zahl der Störche in Mecklenburg-Vorpommern nimmt leider ab.

Fische sollen zurückkommen

Viele Flüsse in Mecklenburg sind in den vergangenen Jahrzehnten renaturiert worden. Wehre wurden abgebaut, Fischtreppen eingebaut. So will man ehemals heimische Fische, die die Flüsse rauf und runter gewandert sind, wieder ansiedeln, zum Beispiel die Meeresforelle. Teilweise klappt das auch.
Wir hatten bei unserer Tour Fischtreppen zu überwinden. Am besten steigt man dann aus und treidelt die Boote. Die Boote „Gassi führen“ hat Nicky das genannt. Bei Fischer Jörg Rettig in Sternberg probieren wir unter anderem Aal. Der stammt aus Zuchtkulturen, erzählt der Fischer. Die natürlichen Aalbestände sind in den vergangenen Jahrzehnten ständig zurückgegangen.
Wer die in Mecklenburg-Vorpommern heimischen Fische lebend sehen möchte, der kann das im Wildpark in Güstrow tun. Das Gebäude mit den Aquarien liegt an einem Seitenarm der Nebel. Ein Glastunnel führt unter dem Wasser durch und die Fische schwimmen über den Köpfen der Besucher.

Drei Fische in grün-gelbem Gewässer

Lebende Fische kann man am besten in den Aquarien im Wildpark in Güstrow beobachten.

Seeadler und Fischadler

In Mecklenburg-Vorpommern kommen drei Adlerarten vor: See-, Fisch-, und Schreiadler. Die Beobachtung an den Horsten ist zum Schutz der Tiere verboten. Aber wer Glück hat, sieht See- und Fischadler auf seiner Paddeltour über die Seen kreisen. Und wer noch mehr Glück hat, der sieht sie bei ihrem Sturzflug in Richtung Wasser. In der Region lebt etwa ein Drittel aller in Deutschland ansässigen Fischadler. Die Zugvögel ernähren sich ausschließlich von Fischen. Der viel größere Seeadler dagegen frisst auch gerne größere Vögel und kleine Säugetiere. 2006 hat ein Mecklenburger Seeadler vor den Augen eines Spaziergängers dessen Dackel erlegt. Den größten Bestand an Seeadlern gibt es im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide.

Libellen

Libellen sind allgegenwärtig bei den Paddeltouren. Für den Menschen sind sie völlig ungefährlich, haben weder Gift noch einen Stachel. Libellen können sehr gut sehen, erzählt Rangerin Margot Rossow. Die Facettenaugen bestehen bei einigen Arten aus bis zu 30.000 Einzelaugen. Damit können sie Bewegungen sechs Mal schneller als Menschen wahrnehmen. Die Fähigkeit, ihre beiden Flügelpaare unabhängig voneinander zu bewegen, ermöglicht es ihnen, abrupte Richtungswechsel zu vollziehen. Teilweise können sie sogar rückwärts fliegen. Und was Paddler besonders freut: Auf dem Speisezettel von Libellen stehen auch Mücken.  

Nahaufnahme einer Libelle

Libellen können ihre beiden Flügelpaare unabhängig voneinander bewegen.

Rücksicht nehmen auf Bachmuscheln

Bachmuscheln sind in vielen Teilen Deutschlands in den letzten Jahrzehnten ausgestorben. Europaweit sind die Bestände um 90 Prozent zurückgegangen. In der Mildenitz und der Warnow gibt es noch Bachmuscheln, aber auch die sind bedroht. Deshalb haben Bootsverleiher und Tierschützer vereinbart, an bestimmten Stellen nicht zu paddeln, wenn der Wasserstand unter 30 Zentimeter fällt. So soll verhindert werden, dass der Boden durch die Boote und die Paddel aufgewühlt wird. Als Ursache für den Rückgang der Muscheln sehen Umweltschützer die schlechte Wasserqualität und die Zufuhr von Abwässern, Gülle, Düngestoffen und Pflanzenschutzmitteln.

Mit den Wölfen heulen

Seit 2006 gibt es in Mecklenburg-Vorpommern wieder Wölfe in freier Wildbahn. Sie leben zurückgezogen, zum Beispiel auf einem alten Truppenübungsgelände, und verstecken sich vor den Menschen. Wer trotzdem Wölfe sehen und erleben möchte, der kann das im Wildpark Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow tun. Steffi und Nicky haben dort sogar übernachtet. Das Wolfsgehege ist durchzogen von Besuchergängen, teilweise auch unterirdisch, teilweise auf Palisaden. Man ist also nah dran an den Tieren. Außerdem steht mitten im Gehege eine Trapperhütte. Dort kann man übernachten, allein unter Wölfen. Zu diesem Abenteuer muss man sich allerdings vorher anmelden.

Ein Wolf zwischen Bäumen, bei Dunkelheit aufgenommen

Hautnah kann man Wölfen im Wildpark Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow kommen.

Weitere Informationen im Internet

Autor: Dieter Schug

Stand: 08.10.2017, 20:15