Von Rathenow bis Dömitz

Zwei Hausboote auf einem Fluss mit bewaldeten Ufern, im Hintergrund eine Kirche

Von Rathenow bis Dömitz

Rathenow

Die Stadt ist über 800 Jahre alt und vor allem bekannt als Wiege der optischen Industrie in Deutschland. Zudem ist Rathenow umgeben von weitgehend unberührter Natur der Flusslandschaft „Untere Havelniederung“ und liegt damit im Zentrum eines riesigen Naturparks, dem größten Brandenburgs. Auch ist die Region Teil des ausgedehntesten zusammenhängenden Binnenwassersportreviers in Europa.

Ein besonderer Anziehungspunkt ist die historische Altstadtinsel, umschlossen von Havelarmen. Auf dem Kirchplatz erhebt sich die St. Marien-Andreas-Kirche. Bei Kriegsende war sie völlig ausgebrannt. Der Wiederaufbau begann nach der Wende in den Neunzigerjahren. Mehrere historische Häuser wie das Küsterhaus von 1575 befinden sich in unmittelbarer Nähe. Gegenüber des Haupteingangs der Kirche hat der Keramikkünstler Klaus Handschuh sein Atelier in einem alten Fachwerkhaus.

Der Optikpark

Die Landesgartenschau 2006 und die Bundesgartenschau 2015 haben in Rathenow viele Impulse gesetzt und zu einem nachhaltigen Aufschwung geführt, der sich besonders im Optikpark erkennen lässt. Zu den Höhepunkten des Parks gehören die Gartenstrahlen in Regenbogenfarben, sie bestehen aus 37 Beeten, bestückt mit Wechselbepflanzung des Frühjahrs und des Sommers. Ihnen liegt das Phänomen der Lichtbrechung von weißem Licht durch ein Prisma zu Grunde. Als Prismen fungieren zwei Farbpyramiden.

Springbrunnen mit Brücken mit farbigen Geländern

Der Optikpark ist durch zwei Gartenschauen besonders geprägt.

Das Brachymedial-Fernrohr im Optikpark wurde in den Jahren 1949 bis 1953 vom Rathenower Ingenieur Edwin Rolf erbaut. Nach der Wende wurde es vollständig saniert. Bei dieser Art von Fernrohren werden für die optische Abbildung sowohl Linsen als auch Spiegel eingesetzt. Das Rathenower Brachymedial-Fernrohr galt lange weltweit als das größte seiner Bauart. Es hat eine Gesamthöhe von 11,50 Metern. Im Eintrittspreis zum Park ist auch eine Floßfahrt auf einem angrenzenden Nebenarm der Havel enthalten.

Riesiges Fernrohr auf einem mit einer Außentreppe versehenen Stahlgerüst

Das Rathenower Brachymedial-Fernrohr ist 11,50 Meter hoch und galt lange weltweit als das größte seiner Bauart.

Havelberg

Die Hansestadt befindet sich mitten in einer wunderbaren Landschaft, dort, wo die Havel in die Elbe mündet und wo sich der Elbe- und Havelradweg kreuzen. Besondere Anziehungspunkte sind die historische Altstadtinsel und der Dom von Havelberg, dessen Bistum vor über 1.000 Jahren zur Missionierung der ortsansässigen Westslawen gegründet wurde. Mit dem Sieg über die heidnischen Slaven begannen die Kirchenfürsten mit dem Bau des ersten Bischofsitzes jenseits der Elbe. Der Dom entstand im romanischen Stil und wurde 1170 eingeweiht. Nach einem verheerenden Brand 100 Jahre später wurde er nach eher gotischen Prinzipien wieder aufgebaut.

Blick über Fluss auf Wiesenufer, dahinter historische Gebäude

Die historische Altstadtinsel von Havelberg ist sehr reizvoll gelegen.

Vom Domberg aus hat man einen wundervollen Rundumblick über die Landschaft und die Aussicht auf die sehenswerte Altstadtinsel mit ihren kleinen Gassen und den schönen, restaurierten Gebäuden. Umgeben von Wasser ergab sich nie die Notwendigkeit, die Stadt mit einer Mauer zu schützen.

Blick in einen gotischen Kirchenraum mit Kreuzrippengewölbe

Der ehemals romanische Dom von Havelberg wurde nach einem Brand im gotischen Stil wieder aufgebaut.

Wittenberge

In Wittenberge gibt es ganz besondere Zeugnisse des Jugendstils wie das Gründerzeitviertel Heisterbusch. In seinem Zentrum liegt das reich geschmückte Rathaus, umgeben von Häusern mit ebenfalls wunderschönen Fassaden sowie großzügigen Grünanlagen. Die Region war sehr wohlhabend. Bis zum Zweiten Weltkrieg und zum Teil noch bis zur Wende wurden zig Millionen Nähmaschinen in den SINGER Werken produziert, ein großer Teil wurde hinaus in die ganze Welt exportiert. Ganz in der Nähe befand sich auch das erste Ölhandelshaus Deutschlands mit einer riesigen Ölmühle, die heute als Hotel und Eventzentrum genutzt wird. Dort, wo einst das Öl gelagert wurde, befindet sich heute ein 10 Meter hoher Tauchturm, in dem ein alter Tank für Tauchkurse genutzt wird, während ein anderer zum Kletterparadies umgewandelt wurde.

Historisches Fabrikgebäude aus rotem Backstein mit zwei Türmen

In der ehemaligen Rapsmühle befinden sich heute ein Hotel, ein Brauhaus und Biergarten sowie ein Café mit Strandbar.

Schnackenburg

Schnackenburg war bis zur Wende Grenzübergang für den Schiffsverkehr auf der Elbe. Hier wurden die Schiffe abgefertigt, die von Hamburg kommend nach Sachsen-Anhalt wollten. Ein Museum erinnert an die lange Zeit der Teilung Deutschlands. Die Besucher werden über die unterschiedlichsten Grenzbefestigungen informiert und erfahren viel über die Schikanen, denen die Bürger der DDR - gerade in den Grenzregionen - ausgesetzt waren.

Blick über Gewässer auf kleines Dorf mit Kirche

Schnackenburg an der Elbe

Dömitz

Während der DDR-Zeit war es nicht einfach, in Dömitz zu leben, denn die Stadt befand sich in der Nähe der innerdeutschen Grenze im Sperrgebiet. Auf viele Karten war sie gar nicht verzeichnet, um den Bürgern keine Orientierungsmöglichkeiten zu geben.

Straßenzug mit zweistöckigen historischen Gebäuden

Der Stadtkern von Dömitz ist historisch geprägt.

Stolz ist man in Dömitz auf seine Festung, das „Pentagon an der Elbe“, eine fünfeckige Wehranlage mit Museum, Galerie, Kasematten und Bastionen. Der Stadtkern von Dömitz ist historisch geprägt. Zahlreiche Fachwerkgebäude sind erhalten und wurden zum Teil in den letzten Jahren aufwändig restauriert.

Freizeitgelände mit großem Sandplatz an einem Gewässer

Der Hafen von Dömitz ist heute ein beliebter Anziehungspunkt.

Das alte Kaufhaus steht seit vielen Jahren leer; es war das zweite Haus, die zweite Filiale von Karstadt in Deutschland. Der Hafen ist heute ein Anziehungspunkt für Einheimische wie  für Gäste, die mit dem Rad oder dem Boot unterwegs sind. Stefan Pinnow hat „Martins Musikcafé“ besucht und mit dem Kneipenchef Musik gemacht. Der gebürtige Hamburger veranstaltet regelmäßig Konzerte und andere Events. Beliebt sind seine Faltenrock-Abende, quasi Ü-60 Partys.

Schmölener Düne

Von Dömitz aus lässt sich sehr gut das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe erkunden.  Die Schmölener Düne ist die größte Binnenlandwanderdüne Europas, der Aufstieg lohnt sich. Knapp 600 Meter breit und bis zu 40 Meter hoch zieht sie sich über mehrere Kilometer durch die Landschaft. Von der letzten Eiszeit geprägt bietet der nährstoffarme Boden nur speziell angepassten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Waldkiefern und eine Pflanzendecke aus Gräsern und Kräutern überwiegen.

Zwei Personen auf Fahrrädern radeln über ein steppenähnliches Gelände auf eine große Düne zu

Stefan Pinnow und Christine Drühl auf dem Weg zur Schmölener Düne

Müritz-Elde-Wasserstraße

Bei Dömitz zweigt die Müritz-Elde-Wasserstraße von der Elbe ab und verbindet als schiffbarer Kanal die Elbe mit den Seen der Mecklenburgischen Seenplatte. 17 Schleusen müssen bis Plau am See auf einer Strecke von 120 Kilometern passiert werden. 49 Höhenmeter sind zu überwinden.

Hausboot auf einem Kanal durch eine flache Wiesenlandschaft

Die Müritz-Elde-Wasserstraße verbindet als schiffbarer Kanal die Elbe mit den Seen der Mecklenburgischen Seenplatte.

Es gibt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 6 km/h. Die meisten Schleusen sind auf Selbstbedienung umgestellt. Weil man anscheinend den Freizeitskippern nicht wirklich viel zutraut, geht alles sehr langsam. Das schreckt potenzielle Besucher ab, da man einfach nicht sicher sein kann, rechtzeitig sein geplantes Ziel zu erreichen. Für die Betreiber der Häfen ist das sehr ärgerlich. Stefan Pinnow hat es deswegen nur bis Plau am See geschafft.

Weitere Informationen im Internet

Autor: Per Schnell

Stand: 05.05.2019, 20:15