Von Berlin bis Brandenburg

Blick vom Boot über Wasserfläche auf eine Stahlbrücke

Von Berlin bis Brandenburg

Glienicker Brücke

Die Brücke über die Havel verbindet Berlin mit dem Bundesland Brandenburg. Bis zur Wende war die Brücke mehrmals Schauplatz eines der spannendsten Kapitel der deutschen Geschichte, vor allem der Geschichte des geteilten Berlins. Zwischen 1962 und 1986 wurden 40 Agenten zwischen Ost und West ausgetauscht, kehrten inhaftierte Spione und Agenten in ihre Heimat zurück. Die Brücke ist ein Symbol für die Trennung zwischen Ost und West.

Potsdam

Kurz hinter der Glienicker Brücke befindet sich Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam mit einzigartigen Schloss- und Parkanlagen. Die Kulturlandschaften wurden 1990 von der UNESCO als größtes Ensemble der deutschen Welterbestätten in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen. Nicht nur das Schloss Sanssouci, die einstige Sommerresidenz Friedrichs des Großen, lockt die Besucher an. Es sind auch die zahllosen Parks und Gärten, die historische Innenstadt mit ihren barocken Gebäuden und Plätzen sowie das holländische Viertel, die größte Siedlung im holländischen Stil außerhalb der Niederlande.

Blick von oben auf Stadt am Wasser

Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam liegt an der Havel.

Werder

Umgeben von Wasser hat Werder seinen Besuchern viel zu bieten, ob mit dem Boot, dem Fahrrad oder einfach zu Fuß, die reizvolle Lage und die Schönheit der Landschaft ziehen Besucher zu jeder Jahreszeit in ihren Bann. Zudem ist Werder einer der sonnenreichsten Orte Deutschlands. So ist es nicht verwunderlich, dass hier sogar Wein angebaut wird. Im Frühjahr dominieren Obstbäume mit ihren Blüten das Bild, und Anfang Mai zieht das Baumblütenfest mehr als sechshunderttausend Besucher an.

Blick von oben auf eine Kleinstadt auf einer Landzunge

Werder ist von Wasser umgeben und einer der sonnenreichsten Orte Deutschlands.

Die „Muckerstube“

Heidemarie Garbe ist die „Muckersche“, und sie weiß alles über das Werder um 1900. Gespickt mit heiteren Anekdoten gibt sie ihr Wissen bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kartoffelkuchen zum Besten. In ihrem Café hat sie alles zusammengetragen, was sich bei ihren Eltern und Großeltern angesammelt hat: Bettpfannen, bestickte Schürzen, Porzellan, verschiedene Kleiderbügel und allerlei Schnickschnack rund ums Friseurhandwerk. Für ihre Führungen schlüpft sie gerne in unterschiedliche Rollen wie etwa in die einer einfachen Obstzüchterin oder in die ihrer Großtante, einer echten Muckersche. Der Besuch findet nach Voranmeldung statt. Ob Kaffee und Kuchen, Mittagessen oder zweites Frühstück, bis zu 30 Personen haben Platz.

Heidemarie Garbe in einem Gebäude mit historischer Ausstattung

Heidemarie Garbe - die „Muckersche“ - weiß alles über das Werder um 1900.

Brandenburg an der Havel

Knapp 75.000 Einwohner leben in Brandenburg an der Havel. Das Stadtgebiet der einstigen Hansestadt besteht zu einem Fünftel aus Wasser. Die drei mittelalterlichen Stadtkerne verteilen sich auf drei Inseln: Altstadtinsel, Dominsel und Neustadt. Die Havel mit ihren Nebenarmen verbindet alles und ermöglicht, die Stadtgebiete mit ihren über 400 historischen Baudenkmälern vom Wasser aus zu erkunden wie das altstädtische Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Der 850 Jahre alte Dom St. Peter und Paul mit bemalter Gewölbedecke gehört zu den ältesten monumentalen Bauten der nordeuropäischen Backsteinarchitektur. Der Dom beherbergt zudem eine der bedeutendsten Barockorgeln Deutschlands.

Hausboot am Kai, im Hintergrund Gebäude

Viele Gewässer gibt es auch in der einstigen Hansestadt Brandenburg.

Brandenburg gilt als Tor zu Europas größtem zusammenhängenden Binnenwassersportreservoir. Sieben Naturschutzgebiete kommen hier zusammen, Störche, Kraniche, Adler, Graureiher, Eisvögel und Biber haben hier ihr Zuhause.

Brandenburger Original Fritze Bollmann

Die Geschichten um das Brandenburger Original Fritze Bollmann, mit richtigem Namen Johann Friedrich Andreas Bollmann, sind immerhin so bedeutend, dass man auf dem Beetzsee ein kleines Denkmal und in der Stadt sogar einen nach ihm benannten Brunnen aufgestellt hat.

Skulptur eines Mannes auf einem umgedrehten Ruderboot inmitten eines Sees

Für Fritze Bollmann wurde auf dem Beetzsee ein kleines Denkmal errichtet.

Fritze Bollmann arbeitete von 1882 bis 1896 in der Brandenburger Altstadt als Barbier. Obwohl er sehr fleißig war, geriet er bald in eine wirtschaftliche Notlage, denn er musste immerhin elf Kinder versorgen. Er wurde Alkoholiker, war oft betrunken und schon bald verspotteten ihn die Kinder. Er ärgerte sich über sie und bespritzte sie mit Rasierschaum. Schon bald wurde er zur Spottfigur von Brandenburg. Er starb verarmt im Städtischen Krankenhaus. Nachdem er einmal beim Angeln ins Wasser gefallen war, dichteten die Kinder dieses Spottlied:

Zu Brandenburg uff'm Beetzsee
Ja da liegt ein Äppelkahn
Und darin sitzt Fritze Bollmann
Mit seinem Angelkram

Fritze Bollmann wollte angeln
Doch die Angel fiel ihm rin
Fritze wollt se wieder langeln,
Doch da fiel er selber rin

Fritze Bollmann rief um Hilfe,
Liebe Leute rettet mir,
Denn ick bin ja Fritze Bollmann
Aus der Altstadt der Barbier

Und die Angel ward gerettet,
Fritze Bollmann der ersoff
Und seitdem jeht Fritze Bollmann
Uffn Beetzsee nich mehr ruff

Fritze Bollmann kam in Himmel
Lieber Petrus laß mir durch,
Denn ick bin ja Fritze Bollmann
Der Barbier aus Brandenburg

Und der Petrus hat Erbarmen
Und der Petrus ließ ihn rin,
Ei Du kannst mir gleich balbieren,
Komm mal her und seif´ mir in

Fritze Bollmann der balbierte,
Petrus schrie: Oh Schreck! Oh Graus!
Tust mir schrecklich massakrieren,
Dett hält ja keen Deubel aus

Uff der großen Himmelsleiter
Kannste wieder runterjeh'n
Kratz mal drunten feste weiter,
Ick laß mir nen Vollbart steh'n

Vicco von Bülow alias Loriot

Loriot, mit bürgerlichen Namen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und in der St. Gotthardt Kirche getauft. Er verstarb am 22. August 2011 in Ammerland. 1993 erhielt er die Ehrenbürgerwürde seiner Geburtsstadt.

Stefan Pinnow und Christine Drühl neben einer lebensgroßen Loriot-Figur aus Holz

In Brandenburg begegnet man überall den Figuren von Loriot.

„Die Ente bleibt draußen“ schrieb Loriot 2009 in Anspielung an seinen berühmten Sketch mit Herrn Müller-Lüdenscheidt in das Gästebuch der Stadt. Als Hommage an ihren Ehrenbürger hat man im Stadtgebiet zahlreiche Waldmöpse mit Ringelschwänzchen ausgewildert. Zu Grunde liegt das Loriot-Zitat: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“. Die ca. 50 Zentimeter großen Bronzefiguren sind in unterschiedlichen Posen zu sehen.

Weitere Informationen im Internet

Autor: Per Schnell

Stand: 05.05.2019, 20:15