Der große Polder: Oostvaardersplassen, Marker Wadden, Batavia-Werft, Almere

Große Herde wild lebender Konikpferde auf einer Weide neben einem Gewässer

Der große Polder: Oostvaardersplassen, Marker Wadden, Batavia-Werft, Almere

Riesige Herden mit Rothirschen, Konikpferden und Rindern, aber auch Füchse, Biber, Otter, zehntausende Vögel, Schmetterlinge und Libellen: das bietet das Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen. Sogar der Seeadler hat sich in diesem Gebiet zum Brüten niedergelassen.

Andrea Grießmann schaut durch ein Fernglas, daneben steht Ranger Hans-Erik Kuypers

Hans-Erik Kuypers ist Ranger bei der Regierungsorganisation.

Ursprünglich sollte auf der Polderfläche ein Industriegebiet entstehen. Doch dann änderte sich die wirtschaftliche Lage und man entschied, das Land noch weiter trocken zu legen und die Natur sich selbst zu überlassen. Der Hauptteil dieses Gebietes besteht aus Sumpf und ausgedehnten Wasserflächen und bildet das größte natürliche Feuchtbiotop der Niederlande. Die wild lebenden Konikpferde hat man aus Polen geholt. Genauso wie das andere Wild haben sie die Aufgabe, Pflanzen abzufressen, damit die Landschaft nicht verbuscht. Der "Nieuw Land Nationalpark" liegt nahe dem Markermeer zwischen den Städten Almere und Lelystad und lässt sich bequem mit dem Rad erreichen. In Oostvaardersplassen gibt es auch zahlreiche Wanderwege. Der Zugang ist kostenfrei.

Tipp: Der Naturdokumentarfilm "Die Neue Wildnis" zeigt die Natur in Oostvaardersplassen über den Verlauf des Jahres in eindrucksvollen Bildern. Der Film war in den Niederlanden einer der größten Kinoerfolge im Jahr 2014.

Das neueste Neuland: Marker Wadden

Zwei kleinere Segelboote auf einem Gewässer, im Hintergrund größere Boote an einem Kai

Der Hafen in Lelystad

12 Kilometer vom Seeufer bei Lelystad entfernt, mitten im Markermeer, bauen die Niederländer eine riesige Freizeitoase mit Yachthafen, Strand und Wanderwegen. Mit dem Bau wird aber auch ein Problem gelöst, denn das Markermeer verschlammt durch den Zufluss der umliegenden Flüsse. Für den Bau des Marker Wadden wurde Schlamm vom Meeresboden abgesaugt und auf die neuen Inseln gespült. Jetzt wartet man auf das sich entwickelnde Leben – auf Pflanzen, Vögel und Fische – und darauf, dass sich ein ökologisches Gleichgewicht bildet. 2018 war die erste Insel geschaffen und für die Öffentlichkeit freigegeben. Weitere sollen folgen. Das Konzept stammt von der Umweltschutzorganisation "Natuurmonumenten". Das Geld für dieses Projekt kam zum Teil aus einer sehr ausgefallenen Quelle, dem "Traumfonds", einem Fonds für verrückte Ideen, gestiftet von einer niederländischen Soziallotterie. Man erreicht die Marker Wadden am schnellsten mit einem Boot von Lelystad aus.

Mit dem Kanu auf Bibersafari

In einem kleinen Wald bei Almere kann man auf eine Kanutour gehen und nach Bibern Ausschau halten. Wann die Tiere nach Flevoland eingewandert sind, weiß niemand ganz sicher. Im Jahr 1988 hat man sie jedenfalls aus Ostdeutschland von der Elbe geholt und zunächst im Nationalpark de Biesbosch ausgesetzt. Es waren die ersten Biber seit 150 Jahren in den Niederlanden. Von dort aus sind sie nach Flevoland gekommen.

Unsere Kanutour führt über einen Kanal, der das aus den Poldern abgepumpte Wasser ableitet. Solche Kanäle dürfen auch mit Privatbooten befahren werden.

Batavialand – Seefahrernation

Großes hölzernes Segelschiff

Die Handelsgaleone Batavia wurde mit alten Handwerkstechniken rekonstruiert.

Auf der Batavia-Werft spürt man, dass die Holländer eine Seefahrernation waren. Die gigantische Handelsgaleone Batavia aus dem 17. Jahrhundert wurde hier mit alten Handwerkstechniken rekonstruiert. Und ständig wird weitergebaut. In den Werkstätten kann man an manchen Tagen als Besucher selbst anpacken, zum Beispiel in der Schmiede oder in der Seilherstellung auf einer kleinen Reeperbahn. Reeperbahnen für professionelle Seile sind oft hunderte Meter lang gewesen. Solche Arbeitsplätze wurden manchmal sogar in Straßen umgewandelt – wie die Hamburger Reeperbahn.

Land-Art auf dem Polder

Plattes Land, schnurgerade Straßen – so sieht ein junger Polder aus. Dazwischen haben es sich die Niederländer nicht nehmen lassen, großartige, moderne Landschaftskunst anzulegen. "Exposure" bei Lelystad stammt von dem englischen Bildhauer Antony Gormley, der sich damit selbst dargestellt haben will. Viele Lelystädter hatten bei diesem Stahlkoloss die Idee, dass da jemand sitzt, der sein Geschäft verrichtet. Wer Lust hat, kann sich mit Auto oder Rad auf die Suche begeben.

Almere – eine moderne Stadt nach Plan

Almere liegt etwa vier Meter unter dem Meeresspiegel. Wo heute 200.000 Menschen leben, war vor etwa 50 Jahren noch Wasser. Ein Deich wurde gebaut, das Wasser ausgepumpt. Rund 80 Designer und Landschaftsarchitekten machten sich daran, in diesem "Paradies für Planer" ihre Visionen für modernes Stadtleben zu entwickeln. Sie reduzierten den Autoverkehr und gaben den Radfahrern mehr Raum. Sie setzten auf die Dächer der Innenstadt das Wohnviertel "Jewel" – mit begrünten Dächern, auf denen Kinder spielen können. Ein Teil des Mülls wird durch riesige Rohre abgesaugt – eine ziemlich einmalige Technik. In den Niederlanden gibt es bislang nur zwei Systeme dieser Art. Als die Stadt trockengelegt war, fehlte den Planern ein großes Gewässer zur Freizeitgestaltung. Also wurde wieder Wasser hineingepumpt. Der See heißt deshalb heute "Werwater" – Wiederwasser.

Blick von oben auf eine Fußgängerzone mit anliegenden Geschäftsbauten

Das Einkaufszentrum von Almere

Jedes Viertel hier ist anders gestaltet. Im Dünenviertel hat man massig Sand aufgeschüttet, Sanddorn und andere typische Gewächse angepflanzt. Alles soll genau so sein wie an einer natürlichen Küste. Im Regenbogenviertel etwa sind alle Häuser bunt.

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Reiseführer und Reiseliteratur zur Region

Dirk Sievers
Niederlande
Michael Müller Verlag, 10. Aufl. 2018
ISBN 978-3956544781
Preis: 26,90 Euro

Manfred Fenzl
Das Ijsselmeer. Mit Noord-Holland. Randmeeren, Flevoland, Vecht, Eem, Loosdrechtse Plassen
Edition Maritim, 7. akt. Aufl. 2017
ISBN 978-3667109583
Preis: 34,90 Euro

Thomas Fuchs
111 Orte in Nordholland, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2019
ISBN 978-3740805531
Preis: 16,95 Euro

Ertay Hayit
Nautische Reisetipps. IJsselmeer mit Markermeer. Die schönsten Häfen für Segler und Motorbootfahrer
Mundo Marketing, 5. Aufl. 2019
ISBN 978-3873221925
Preis: 19,95 Euro

Stand: 16.06.2019, 20:15