Der Nordostpolder: Urk, Schokland, Freizeitpark Netl

Der alte Hafen von Urk mit Booten, dahinter Häuserreihe

Der Nordostpolder: Urk, Schokland, Freizeitpark Netl

Frau in Tracht hängt Wäsche auf

Die Urker lieben ihre Traditionen und zeigen es auch.

Die Bewohner von Urk sind noch immer ein Völkchen für sich; rund 20.000 Einwohner zählt das Dörfchen heute. Die Vergangenheit hat sie zusammengeschweißt. Früher war der Ort eine Insel in der Nordsee, genauer gesagt in der Zuidersee. Die Urker lebten aber in ständiger Angst vor den Gewalten des Meeres. Das Eiland wurde immer wieder durch Sturmfluten bedroht. Tausende ertranken dabei in den Fluten. Auch die umliegenden Küstengebiete waren in Gefahr. Die Niederländer beschlossen daher, den Zugang zur Nordsee dicht zu machen und bauten einen Deich. 1932 wurde er geschlossen. Aus dem Arm der Nordsee, der Zuidersee, wurde langsam das IJsselmeer. Der Nordostpolder wurde gebaut, die Insel Urk bekam Anschluss ans Festland.

Geheimtipp: Im "Botterschuur" treffen sich Männer von Urk, um zu reden und das alte Handwerk des Bootbaus zu pflegen. Dabei bereiten sie regelmäßig Fisch zu, und den verkaufen sie auch an Touristen.

Weltkulturerbe Schokland

Andrea Grießmann blickt von einer Holzbrüstung in die flache Landschaft bei Schokland

Die ehemalige Insel Schokland wurde durch Einpolderung ein Teil des Festlandes.

Auch Schokland war einmal eine Insel, sehr lange vorher aber auch schon einmal Festland. Denn zwischen den Standorten der heutigen Städte London und Amsterdam befand sich vor 12.000 Jahren eine Landzunge. Mammuts haben hier gelebt. Die Knochen kann man im Museum auf Schokland bestaunen. Nach der Eiszeit stieg der Meeresspiegel um rund 50 Meter an: Schokland wurde zur Insel in der Zuidersee. Doch genauso wie Urk wurde Schokland durch Einpolderung ein Teil des Festlandes. 1859 wurde der Ort von seinen Bewohnern verlassen, da er immer wieder überflutet wurde. Zu dieser Zeit zählte er zu den ärmsten Gemeinden der Niederlande. Heute schmückt sich der Ort mit dem Symbol für das Weltkulturerbe der Vereinten Nationen.

Taglilien – Blühende Schönheiten zum Essen

In der Gärtnerei von Marianne Joosten im Norden in der kleinen Ortschaft Rutten findet man eine Riesenauswahl an Taglilienzwiebeln. Man kann sie leicht im eigenen Garten anpflanzen. Marianne besitzt ihren Betrieb seit 1988. Sie ist auf dem Nordostpolder geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern gehörten zu den ersten Landwirten auf dem neu geschaffenen Polder.

Die Blüten der Taglilien kann man essen, am besten gedämpft. Sie schmecken unterschiedlich, manche etwas nussig, andere nach Salat oder Kohlrabi. Die Taglilienessen finden auf Anfrage bei Marianne Joosten statt: meistens im Haus, schöner ist es im herrlichen Schaugarten.

Urlaubstipp – Freizeitpark Netl

Der Freizeitpark Netl liegt in der Nähe von Kraggenburg. Man kann diesen wilden Garten, "de wildste Tuin", getrost einen Geheimtipp für Familien nennen. Die Niederländer feiern dort Hochzeiten und andere Familienfeste, mieten Häuser, campen oder lassen einfach nur einen Tag lang die Seele baumeln.

Andrea Grießmann und Bob Crebas stehen vor einer großen Lavendelstaude, im Hintergrund Gewässer und Bäume

Andrea Grießmann besucht Bob Crebas im Freizeitpark Netl - einen Visionär mit vielen Ideen.

Der Park ist so groß wie 90 Fußballfelder, hat einen Badesee mit Spielplatz, meterhohe Dünen und einen Naturcampingplatz mit Nutzpflanzen und Kräutern, die die Camper auch ernten dürfen.

Der Erbauer des Parks, Bob Crebas, wurde auf dem Nordostpolder als Sohn eines Landwirts geboren. Später wurde er Umweltaktivist und ist dann mit einer Online-Plattform Multimillionär geworden. Das Parkgelände hat er zusammen mit seiner Familie gekauft und darauf seine Vision eines Naturerlebnisgartens verwirklicht. Beim Bau kamen 2006 auch die Reste eines alten Schiffes zutage. Schließlich war hier einmal Meeresboden gewesen. Die Kogge, die man fand, soll vor 600 Jahren untergegangen sein.

Waterloopbos – Wald der Wasserläufe

Im Osten des Nordostpolders nahe Kraggenburg, liegt ein Ort, der magisch wirkt: Waterloopbos. Es handelt sich umein ehemaliges Testgebiet niederländischer Wasserbau-Ingenieure. Hafenanlagen, Dämme, Flussläufe und Küstenstreifen, alles wurde maßstabsgetreu verkleinert nachgebaut. Wasserbauliche Probleme aus der ganzen Welt wurden mit diesen Anlagen nachgestellt und schließlich gelöst, zum Beispiel die Häfen von Rotterdam, Istanbul und Bangkok. Auch niederländische Schutzsysteme gegen Hochwasser und Sturmfluten wurden im Kleinformat getestet. In den 1990er-Jahren war Schluss mit der Anlage, denn Computer haben die Arbeit am verkleinerten Modell überflüssig gemacht.

Waterloopbos ist ganzjährig geöffnet, der Eintritt ist frei. Auch für Familien mit Kindern zu empfehlen.

Verkleinerte Anlage eines Wehres

Waterloopbos bei Kraggenburg. Seit 1951 gibt es dieses Wasserbau-Laboratorium unter freiem Himmel.

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ISBN 978-3956544781
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Manfred Fenzl
Das Ijsselmeer. Mit Noord-Holland. Randmeeren, Flevoland, Vecht, Eem, Loosdrechtse Plassen
Edition Maritim, 7. akt. Aufl. 2017
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Thomas Fuchs
111 Orte in Nordholland, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2019
ISBN 978-3740805531
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Ertay Hayit
Nautische Reisetipps. IJsselmeer mit Markermeer. Die schönsten Häfen für Segler und Motorbootfahrer
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Stand: 16.06.2019, 20:15