Ausflüge vom Polder: Blokzijl, Kampen, Hilversum

Blick über Wasserfläche mit Yachten auf gegenüberliegenden Ort Blokzijl mit Kirchturm

Ausflüge vom Polder: Blokzijl, Kampen, Hilversum

Wer Flevoland erkundet, der sollte ab und zu mal runter vom Polder und rauf aufs alte Festland. Im Osten des Nordostpolders gelang man nach wenigen Kilometern in eine romantische Kleinstadt, die im 17. Jahrhundert ihre Blüte hatte: Blokzijl. Die Hafenanlage mitten in der Stadt steht unter Denkmalschutz. An der Schleuse herrscht viel Betrieb, denn wer das Wasserwegenetz rund um Flevoland und das IJsselmeer erkundet, kommt hier vorbei.

Eine kaiserliche Hansestadt – Kampen

Blick von oben auf Ortschaft an einem Fluss mit einer Brücke

In der alten Hansestadt Kampen leben heute 53.000 Menschen.

Kampen hat eine der am besten erhaltenen Altstädte der Niederlande. 550 Häuser, Tore und Türme stehen unter Denkmalschutz. Im Hafen liegt ein berühmtes mittelalterliches Schiff, eine sogenannte Kogge (genauer gesagt ist es ein Nachbau). Koggen waren die ersten seetüchtigen Frachtschiffe des Mittelalters. Ihnen hat die Hansestadt ihren Reichtum zu verdanken.

Bei einem Bummel durch die Altstadt mit ihren vielen individuellen Geschäften entdeckt man immer wieder Wappen und Kronen. Sie verweisen auf Kaiser Karl V., der Kampen im 16. Jahrhundert den Titel "freie kaiserliche hanseatische Stadt" verlieh. Zu dieser Zeit war Kampen bedeutender als Amsterdam.

Berühmt war Kampen für seine Tuchmacher und Glockengießer. Seit dem 19. Jahrhundert profitiert das Stadtsäckel aber noch von einem anderen Handwerk, das für die Niederlande eher ungewöhnlich scheint: der Zigarrenproduktion.

Tipp: Die Zigarrenfabrik "De Olifant" wurde 1883 gegründet und befindet sich in der vierten Generation in Familienbesitz. Sie kann gegen Eintritt ganzjährig besichtigt werden. Im Dachgeschoss gibt es auch ein kleines Museum.

Windmühle vor bewölktem Himmel

Die Mühle d’Olde Zwarver wurde 1842 erbaut.

Ein Denkmal erinnert an die Schokländer, die im 19. Jahrhundert ihre Insel verlassen mussten. Fast alle wurden in Kampen angesiedelt. Bis heute wohnen ihre Nachkommen in der Stadt eng zusammen. Einen Besuch wert ist das alte Rathaus, in dem heute das städtische Museum untergebracht ist. Hier kann man die Geschichte der Kampener Einwohner, ihrer Religion und ihren Reichtum durch Handel studieren. Auch Fans von Jugendstilarchitektur kommen in Kampen auf ihre Kosten. Der Architekt Gerardus Berend Broekema begann schon vor der Jahrhundertwende mit dieser Formensprache und prägte Kampen wie kein anderer.

Am Rande Kampens, direkt an der IJssel, liegt die alte Mühle d’Olde Zwarver. Bis heute ist sie in Betrieb. Es wird dort Getreide gemahlen und Brot gebacken. Die Mühle liegt am IJsseldijk 92 am Rande der Altstadt von Kampen und ist jeden Samstagvormittag geöffnet.

Medienstadt Hilversum

Südlich von Flevoland liegt Hilversum. Der Name klingt vielen im Ohr, weil man Radio Hilversum eben kennt. Die Holländer starteten im Jahr 1919 mit ihrem Rundfunkbetrieb. Damit waren sie früher dran als die Deutschen und die BBC. Im Hilversumer Institut für Bild und Ton gibt es ein Museum für Rundfunk. Dort kann man die Geschichte des Rundfunks in den Niederlanden interaktiv kennenlernen und auf das Archiv des Instituts zugreifen. Gespeichert sind die Hörfunk-und Fernsehproduktionen des öffentlich-rechtlichen niederländischen Rundfunks. Die Ausstellung ist sehr modern und attraktiv gestaltet, allerdings nur in niederländischer Sprache.

Hilversum ist untrennbar verbunden mit den Geschwistern John und Linda de Mol. Der Familie ist eine Straße gewidmet. John de Mol hat die Firma "Endemol" mit aufgebaut. Es ist angeblich die zweitgrößte Fernsehproduktionsfirma der Welt mit den Produktionen "Big Brother", "Nur die Liebe zählt", "Traumhochzeit", "Wer wird Millionär?" – alle von Endemol. Im Museum ist der Firma ein eigener Bereich gewidmet. In Deutschland ist sie vor allem durch die Fernsehsendung "Traumhochzeit" berühmt geworden. In der niederländischen Variante fand die Eheschließung oft im Hilversumer Rathaus statt. Aber nicht nur deswegen ist das Gebäude Besuchermagnet, auch architektonisch ist es interessant. Der Architekt Willem Marinus Dudok hat es Anfang der 1930er-Jahre erbaut. Er war damals seiner Zeit weit voraus.

Gebäude aus mehreren Kuben und einem quadratischen Turm neben einem Wasserbecken

Das Rathaus von Hilversum wurde vom Architekten Willem Marinus Dudok Anfang der 1930er-Jahre erbaut.

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Niederlande
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ISBN 978-3956544781
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Manfred Fenzl
Das Ijsselmeer. Mit Noord-Holland. Randmeeren, Flevoland, Vecht, Eem, Loosdrechtse Plassen
Edition Maritim, 7. akt. Aufl. 2017
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Thomas Fuchs
111 Orte in Nordholland, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2019
ISBN 978-3740805531
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Ertay Hayit
Nautische Reisetipps. IJsselmeer mit Markermeer. Die schönsten Häfen für Segler und Motorbootfahrer
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Stand: 16.06.2019, 20:15