Von Sonderburg mit dem Fahrrad bis nach Flensburg

Von Sonderburg mit dem Fahrrad bis nach Flensburg

Von Sonderburg fährt Tamina Kallert auf dem Gendarmenpfad Richtung Flensburg vorbei an der Düppeler Mühle und kommt als nächstes zu einem Ziegeleimuseum direkt am Meer. Mehr als 70 solcher Betriebe gab es früher rund um die Förde. Denn nach der letzten Eiszeit hatten sich in der Gegend große Tonvorkommen gebildet, die für die Ziegelherstellung abgebaut wurden. Ziegeleien waren hier einst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor auf beiden Seiten der Förde.

Luftaufnahme einer alten Ziegelei mit einem Schornstein, die direkt an einem Gewässer liegt

In der alten Ziegelei am Gendarmenpfad befindet sich heute ein Museum.

Schloss Gravenstein – Sommerresidenz des dänischen Königshauses

Jeden Sommer verbringt die dänische Königsfamilie mit Königin Margarethe in Schloss Gravenstein ihren Urlaub. Außerhalb dieser Zeit steht der Schlosspark zwischen April und Oktober jedem kostenlos zur Verfügung. Auch die Kapelle kann besichtigt werden. Als Barockschloss gebaut wurde Schloss Gravenstein nach einem Brand Mitte des 18. Jahrhunderts in schlichterer Form wieder aufgebaut.

Blick über blühende Blumen auf ein entfernt liegendes, weißes Schloss

Schloss Gravenstein ist die Sommerresidenz des dänischen Königshauses.

1845 hat Hans Christian Andersen, der bekannteste Dichter Dänemarks, während eines Aufenthaltes hier das Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ geschrieben. Auch die Apfelsorte Gravensteiner im Schlosspark soll angeblich als Sämling gefunden worden sein. Gesichert ist, dass der Gravensteiner seit 1669 in Dänemark, genauer gesagt in Schleswig, bekannt ist. Er wurde schnell populär in Deutschland, Schweden und Dänemark. Der Gravensteiner Apfel ist eine frühe Sorte, die schon Ende August bis Mitte September reif wird. Zu seiner Beliebtheit trugen vor allem sein Geschmack, die frühe Ernte und seine gute Eignung zur Weiterverarbeitung bei. Er wird im Norden vor allem in Küstennähe angebaut. Auch im Park von Schloss Gravenstein und vor allem bei den Gewächshäusern sind viele Bäume der Sorte zu finden.

Ochseninseln und Annies Kiosk

Nicht weit vom Grenzübergang entfernt befindet sich ein bekannter Biker-Treff. „Annies Kiosk“ heißt er, und die Hot Dogs hier sind angeblich berühmt. Vielleicht liegt die Beliebtheit auch an der schönen Aussicht mit Blick auf die Ochseninseln. Auf der kleineren befindet sich ein dänisches Landschulheim, auf der größeren gab es eine Zeitlang eine Gastronomie, doch momentan liegt dort alles brach. Wer mit dem Boot unterwegs ist, darf die Große Ochseninsel anfahren und sie betreten. Wie es mit der Nutzung weitergeht, ist noch unklar. Der dänische Staat überlegt, die Insel unter Naturschutz zu stellen und alle Bauten auf der Insel zu entfernen.

Die Grenze direkt an der Förde

Kurz vor der Grenze im Wald bei Padborg befindet sich die „Abrahams Quelle“, die aufgrund ihres hohen Eisengehaltes ihre Umgebung rot färbt. Im Mittelalter kamen viele Menschen her, um aus der Quelle zu trinken.

Wasser quillt über ein rotbraun gefärbtes Gestein

Das Wasser der „Abrahams Quelle“ besitzt einen hohen Eisenanteil.

Ganz in der Nähe befindet sich der Grenzübergang Schusterkate direkt an der Förde, der übrigens nicht besonders alt ist. Nachdem die Preußen ganz Schleswig für sich beanspruchten, kam es zu großem Unmut bei den Dänen und 1920 dann endlich zu einer Volksabstimmung mit dem Ergebnis, dass das Gebiet geteilt wurde. Der überwiegend dänisch sprechende Norden entschied sich für Dänemark, der überwiegend deutsch sprechende Süden für Deutschland. Und in beiden Teilen lebt eine jeweils anderssprachige Minderheit.

Kleines Zollhäuschen und Fahnenstange mit dänischer Flagge an einer kleinen Straße im Wald

Der Grenzübergang Schusterkate

Dänemark verlässt man zu Fuß auf einer kleinen Holzbrücke. Auf beiden Seiten gibt es einen kleinen Hafen für Boote, auf der einen Seite ist er deutsch, auf der anderen dänisch. Kurz hinter der Grenze im Ort Harrislee erreicht Tamina Kallert das Museum Kupfermühle. Das Mühlrad gibt es seit dem 17. Jahrhundert. Es trieb ein Hammerwerk an, das Kupfer und Messing zu Dingen des alltäglichen Bedarfs verarbeitete. Kein Geringerer als der dänische König selbst ließ das Werk erbauen. Zu seiner Zeit wurden vor allem Kupferbleche zur Bedachung der dänischen Königshäuser hergestellt. 300 Jahre lang gab es diese Produktion. Im Museum sind viele Produkte aus Messing ausgestellt, ebenso Fotos aus der Zeit der beginnenden Industrialisierung.

Ausstellungsraum mit Vitrinen und Tischen voller Messingobjekte

Im Museum Kupfermühle sind viele Gegenstände aus Messing ausgestellt

Die angeschlossene Arbeitersiedlung steht heute unter Denkmalschutz und wird von vielen Familien bewohnt. Die meisten gehören der sogenannten dänischen Minderheit auf deutschem Boden an. Sie selbst nennen sich „Süd-Schleswiger“ und sprechen sowohl dänisch als auch deutsch. Von der Kupfermühle aus sind es nur noch 8 Kilometer bis Flensburg.

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Anja Koenzen

Stand: 12.05.2019, 20:15