Flensburg – historische Schiffe und Cocktails mit Rum

Blick über die Schlei auf Flensburger Stadtpanorama mit Kirchturm

Flensburg – historische Schiffe und Cocktails mit Rum

Flensburg war lange Zeit dänisch und der bedeutendste Hafen Dänemarks. Auch heute noch machen die alten Kaufmannshöfe, der Hafen und ein bunt gemischtes Publikum den Charme der 88.000 Einwohner zählenden Stadt aus.

Rum-Geschichten

Die Flensburger Altstadt wurde im letzten Weltkrieg kaum zerstört. Man kann durch viele pittoreske Kaufmannshöfe bummeln – in einigen von ihnen wurde früher ein hochprozentiges Getränk hergestellt, für das Flensburg einst sehr berühmt war.

In der Marienburg wird die Rum-Tradition auch heute noch fortgeführt. Weil die Dänen Kolonien in der Karibik hatten, begann man in Flensburg karibischen Roh-Rum zu veredeln. Er wurde mehrere Jahre in Fässern lagert, bevor er in der sogenannten „Hökerei“ verkauft wurde. Das wird er heute immer noch. Und natürlich muss man ihn vor dem Kauf auch hier probieren. Übrigens, am besten schmeckt er bei Zimmertemperatur.

Touristen stehen vor historischen Fachwerkgebäuden

In der Marienburg erfahren die Besucher einiges über die Rum-Tradition in Flensburg.

Im Schifffahrtsmuseum erfährt man von der Schattenseite des Rumhandels im 18. Jahrhundert. Denn der Handel mit Rum war auch ein Handel mit Sklaven. Die dänischen Segler brachten sie von Afrika nach Westindien, wie die Antillen in der Karibik damals genannt wurden. Die Sklaven wurden als Arbeitskräfte für die Zuckerrohrplantagen dagelassen. Zurück nahmen die Händler Zucker, Kaffee und vor allem auch Rum, den sie dann zur Weiterverarbeitung nach Flensburg brachten. Erst im 19. Jahrhundert war damit Schluss. Die nun deutschen Flensburger Händler bezogen ihren Rum von da an aus der englischen Kronkolonie Jamaika. Ende des letzten Jahrhunderts wurden dann fast alle kleinen Rum-Manufakturen von großen Getränkemarken aufgekauft.

Das zweistöckige Gebäude  des Schifffahrtsmuseums

Im Schifffahrtsmuseum erfährt man auch etwas über den Sklavenhandel, die Schattenseite des Rumhandels im 18. Jahrhundert.

Historischer Hafen

Tamina Kallert beginnt ihren Rundgang im Hafenviertel, das bei Touristen und Flensburgern sehr beliebt ist. Das gilt vor allem für den historischen Museumshafen, der auf Betreiben der Bürger gegründet wurde. In der Museumswerft bekommt man einen guten Einblick, wie Segelschiffe früher gebaut wurden. Gegenüber wird Schiffsgeschichte erfahrbar: Ein historisches Boot liegt neben dem nächsten – alle einsatzbereit. An manchen Tagen fahren hier sogar historische Schiffe ab,  auf denen man mitsegeln kann. Mehrfach im Jahr finden auch Regatten mit ihnen statt.

Blick von oben auf größere Segelschiffe an einer Hafenmauer

Im historischen Museumshafen liegen restaurierte Segelschiffe, die jederzeit einsatzbereit sind.

Im Hafen trifft Tamina Kallert Daniel Dürkop, der sich zur dänischen Minderheit in Deutschland zählt. Beim obligatorischen Heringsbrötchen sprechen sie über das besondere deutsch-dänische Verhältnis und die sechs dänischen Schulen, die es auf der deutschen Seite der Flensburger Förde gibt, und in denen nach dem dänischen Lehrplan gelehrt wird.

Rum-Cocktail auf altem Segler

An der Hafenspitze liegt meist ein ganz besonderes Boot, die „Providentia“, Baujahr 1895. Das Segelschiff wurde von Schülern der Ostseeschule zwei Jahre lang restauriert. 2018 diente es auch als öffentliches Café; dessen Zukunft aber derzeit nicht geklärt ist.

Mehrere Personen sitzen am Heck eines großen Segelschiffes am Hafenkai

Die „Providentia“ stammt aus dem Jahr 1895.

Salondampfer Alexandra

Der Salondampfer Alexandra,1908 erbaut, ist eine echte Besonderheit. Denn er ist das letzte Passagierdampfschiff in Deutschland, das immer noch in See sticht. Bis 1975 ist die Alexandra als Linienschiff auf der Förde gefahren, zum Beispiel von Flensburg nach Glücksburg. Heute ist sie ein echtes „Mitmachschiff“ vor allem für Kinder. Sowohl auf der Brücke als auch im Maschinenraum sind alle herzlich willkommen. Auf der Alexandra fährt jede Menge Nostalgie mit. Bei Kaffee und Kuchen im Salon bekommt man ein Gefühl, wie es hier wohl Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen sein muss. Jeden Sonntag ab 11.00 Uhr macht sich das 37 Meter lange Schiff startklar.

Historisches Dampfschiff verlässt den Hafen

Mit dem Salondampfer Alexandra,1908 erbaut, kann man auch heute noch Ausflugstouren unternehmen.

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Anja Koenzen

Stand: 12.05.2019, 20:15