Berge und Dörfer: Monte Capanne, Marciana Alta, Monte Baccile, San Piero, Rio nell’Elba

Blick vom Gipfel des Monte Capanne auf das Bergdorf Marciana (links) und den Hafenort Marciana Marina

Berge und Dörfer: Monte Capanne, Marciana Alta, Monte Baccile, San Piero, Rio nell’Elba

Auf den Monte Capanne, den höchsten Berg der Insel, führt eine Seilbahn. Marciana Alta im Westen der Insel gilt als das schönste Bergdorf der Insel. Und das Bergdorf Rio nell’Elba im Nordosten entstand einst um eine Quelle herum, deren Wasser hinab ins Valle dei Mulini fließt.

Mit 1.019 Meter ist der Monte Capanne der höchste Berg der Insel. Die Seilbahn mit den kleinen, offenen Gondeln für zwei Personen startet in Pozzatello, einem Ortsteil von Marciana Alta, und ist von Mitte April bis November geöffnet. Ganz in der Nähe der Seilbahn befindet sich Napoleons Quelle, die Fonte Napoleone. Das Wasser kann man hier kostenlos abzapfen – oder überall auf der Insel kaufen. Außerdem führen sechs Wanderwege auf den Gipfel. Von dort bietet sich ein großartiger Blick über die ganze Insel, auf den zweithöchsten Berg Perrone, auf das Bergdorf Marciana Alta und den Hafenort Marciana Marina. Man sieht sogar die kleinen Inseln des toskanischen Archipels: Die bekannteste ist Montecristo. Zu den ehemaligen Gefängnisinseln Capraia und Pianosa kann man von Elba aus Tagesausflüge machen.

Kastanienkuchen in Marciana Alta

Marciana Alta liegt im Westen der Insel im Nationalpark und gilt mit seinen schmalen Gassen, kleinen Geschäften, üppig bepflanzten Blumentrögen und seinen vielen Kastanienbäumen als das schönste Bergdorf der Insel. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die in 630 Meter Höhe gelegene Wallfahrtskirche Madonna del Monte und die "Steinmonster" genannten Felsformationen. Marciana Alta ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen sowie der Start der Seilbahn zum Monte Capanne. Oberhalb des Ortes kann man die Ruinen einer Festung aus dem 12. Jahrhundert entdecken. Von hier aus sieht man auf das Nachbardorf Poggio und die kleine Hafenstadt Marciana Marina. Gleich unterhalb liegt das Casa del Parco: In dem Besucherzentrum gibt es viel Wissenswertes über die Geologie der Insel und ihre verschiedenen Gesteinsvorkommen zu erfahren. In den hübschen, kleinen Geschäften wird viel Handgemachtes angeboten: Agnese Innocenti verkauft in ihrem Laden Artenaturale Marciana handgemachte Seife mit ungewöhnlichen Zutaten: Kohle, Kaktusfeige oder Kräuter. Expertin für traditionelle elbanische Süßspeisen war die im März 2021 verstorbene Teresa Torrisi. Die Besitzerin der Bar La Porta hat aus ihren Rezepten ein Kochbuch gemacht: "Le mie donne", die Frauen meines Lebens. Ihre Spezialität war der "Castagnaccio”, Kastanienkuchen mit Früchten von den Bäumen, die an den Hängen des Monte Capanne wachsen.

Blick von oben auf das Bergdorf Marciana Alta

Marciana Alta gilt als das schönste Bergdorf der Insel

Wandern auf dem Pfad der Düfte

Nordwestlich von Marciana Alta mit seinen vielen grünen Kastanienbäumen verläuft der Wanderweg Sentiero dei Profumi zum Hafenort Marciana Marina. Der "Pfad der Düfte" ist ein Rundweg mit tollen Aussichten auf die grüne Natur und das blaue Meer. Caterina Signorini ist seit 18 Jahren Naturführerin und kennt den Weg durch die bunt blühende und berauschend duftende mediterrane Macchia von Marciana Marina durch das Val di Cappone und auf den Crinale della Ripa. Der Sentiero dei Profumi führt durch den Nationalpark des Toskanischen Archipels, der sich über Elba hinaus auf die Inseln des Archipels und einige Gebiete im Thyrennischen Meer erstreckt.

Caterina Signorini und Simone Sombecki (l) auf einem Küstenhöhenweg zwischen Sträuchern, weit unten das Meer

Naturführerin Caterina Signorini führt Simone Sombecki (l) über den Weg der Düfte mit seinen tollen Aussichten.

Monte Baccile: Eselwanderung und Kunst aus Schrott

Früher konnten die Bauern sich nur mit Eseln auf Elba fortbewegen. Die Tiere waren das einzige Transportmittel und mussten richtig hart arbeiten. Einen informativen Blick in diese Zeit bietet das kleine Eselmuseum, das Luca Giusti in seinem Garten nahe Monte Baccile im Westen der Insel eingerichtet hat. Es zeigt neben vielen Geräten auch Fotos. Luca Giusti ist ökologischer Exkursionsführer und hat die "Somareria dell’Elba" ins Leben gerufen: In seiner "Eselei" bietet er somatisches Trekking, betreute Aktivitäten, Bildung und Therapie mit Eseln an. Die Exkursionen sind für Kinder und Erwachsene geeignet. Die Sturheit von Ambra, Giulia, Rosina und Titina gehört mit zum Konzept der Familienwanderung. Die Gäste müssen sich dem Tempo der Esel anpassen und gezwungenermaßen entschleunigen.

Luca Giusti und Simone Sombecki mit einem Esel

Der Exkursionsführer Luca Giusti bietet Simone Sombecki eine entschleunigte Wanderung mit Esel an.

Nebenan lebt Luca Polesi, der seit 25 Jahren aus Schrott Kunst macht. Dabei hilft ihm sein Onkel Daniele. Luca erschafft aus Gabeln und Löffeln, Schaltungen, Bremsbacken, Haarspangen und Kugellagern kunstvolle Fantasiewesen und Tiere: Seepferdchen, Eulen, Quallen, Tintenfische. Anfangs fuhr er über die Insel, um Schrott zu finden. Inzwischen bringen ihm die Menschen ausrangierte Metallteile in seine "Baracca Magica", seine "Magische Hütte". In Ausstellungen wie im Museo al Mare in Capoliveri können die Elbaner dann ihren Utensilien wieder begegnen.

San Piero – Dorf aus Granit

Von Monte Baccile sind es 15 Minuten Autofahrt bergauf bis nach San Piero. Das Dorf steht auf einem Felsen aus Granit. Auch Häuser, Wege, Brunnen und Mauern wurden aus dem harten Gestein erbaut. In der Nähe gibt es noch einige alte Granitsteinbrüche sowie Relikte aus der Zeit, als hier Säulen, Steintröge und Treppenstufen für ganz Italien gehauen wurden. Granitsäulen aus San Piero wurden auch im Pantheon in Rom verbaut. Auf einem Weg durchs Dorf kann man per App die Steinarbeiten von früher entdecken, zum Beispiel das Granitportal des ältesten Palastes. Und manchmal wurde ein ganzes Haus um den Felsen herum gebaut. Inmitten der pisanischen Festung befindet sich die romanische Kirche San Nicolò mit zwei Kirchenschiffen und zwei Altären. Die Wandmalereien stammen vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert.

Treppenweg zwischen historischen Häuserfassaden mit Granitfelsen

In San Piero sind manchmal die Häuser um die Granitfelsen herumgebaut.

Rio nell’Elba – Ruhe, eine Einsiedelei und ein botanischer Garten

Das Bergdorf Rio nell’Elba im Nordosten der Insel entstand einst um eine Quelle herum. Aus dem Dorf fließt das Wasser hinab ins Valle dei Mulini – durch ein Tal, in dem früher 22 Wassermühlen in Betrieb waren. Das Quellwasser ist heute noch für jeden zugänglich. Gleich daneben steht das Lavatoio Pubblico, das ehemalige öffentliche Waschhaus, in dem die Frauen einst die schmutzige Kleidung der Bergmänner wuschen. Denn auch in Rio nell’Elba wurden Mineralien abgebaut. Heute ist es ein Ort der Erinnerung. Rio nell’Elba ist eins der ursprünglicheren Bergdörfer, perfekt für Naturliebhaber und Ruhesuchende.

Eine halbe Stunde Fußmarsch bergauf befindet sich eine ehemalige Einsiedelei: das Kirchlein Santa Catarina. Es ist der heiligen Katharina gewidmet, die auf Elba eine große Bedeutung hat, insbesondere für die Einwohner von Rio Marina und Rio nell’Elba. Die Einsiedelei ist heute ein Ort der Kunst, der Kultur und der Wissenschaft. Ein deutscher Künstler setzte sich für den Erhalt der verlassenen Gebäude ein.

Direkt nebenan wurde 1997 ein kleiner botanischer Garten eröffnet. Im "Il Giardino grigio", dem grauen Garten, wachsen zum Beispiel nur graue Pflanzen wie Salbei. Roberto Ballini sorgt dafür, dass alte, einheimische Pflanzen wiederentdeckt und bewahrt werden. Er nutzt seine botanischen Kenntnisse aber auch, um mit den Heilpflanzen Bienen zu kurieren. Seit 50 Jahren erforscht der "Bienenflüsterer" ihr Leben. Wenn er ruft, erstarren die Bienen. Diese Empfindsamkeit auf Frequenzen schwächt sie aber und macht sie anfälliger für Krankheiten wie die Milbe.

Enge Gasse mit begrünten Hausfassaden

Rio nell’Elba ist eins der ursprünglichen Bergdörfer.

Lesetipps für Elba

Sabine Becht
Elba und der Toskanische Archipel
Müller, 8. Aufl. 2021
ISBN 978-3956549809
Preis: 17,90 Euro

Max Fleschhut
111 Orte auf Elba, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2019
ISBN ‎978-3740805876
Preis: 16,95 Euro

Heinz Tomek
Elba. Reiseführer mit Karte
Merian, 2. Aufl. 2017
ISBN 978-3834222176
Preis: 11,99 Euro

Wolfgang Heitzmann, André M. Winter
Elba. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 40 Touren
Rother Bergverlag, 6. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3763344826
Preis: 14,90 Euro

Stand: 18.07.2021, 20:15