Die Bergbauregion: Calamita, Miniera di Ginevro, Capoliveri, Michelangelo Venturini, Rio Marina, Mineralienpark im Valle Giove

Alte verrostete Minenanlagen in Steinbruch in Calamita

Die Bergbauregion: Calamita, Miniera di Ginevro, Capoliveri, Michelangelo Venturini, Rio Marina, Mineralienpark im Valle Giove

Der Tagebau hat Elba seinen Stempel aufgedrückt – vor allem auf der südöstlichen Halbinsel Calamita. Im Hafenort Rio Marina an der Ostküste befindet sich ein Mineralienmuseum. Und man kann den Mineralienpark besuchen, ein Tagebaubergwerk im Valle Giove.

Elba war in frühen Zeiten berühmt für seine Eisenminen und Schmelzöfen. Die Zechen gehörten zu den wichtigsten Erzbergwerken Europas. Bis 1981 wurde unter- und überirdisch nach eisenhaltigem Gestein gegraben. Der Tagebau hat der Landschaft seinen Stempel aufgedrückt – vor allem auf der südöstlichen Halbinsel Calamita, die nach dem Berg in ihrer Mitte benannt ist. Einst war der Monte Calamita für Erzabbau berühmt. Das Erz der Calamita soll so magnetisch gewesen sein, dass früher die Kompasse der Schiffe vor der Küste ihren Dienst versagten. Denn Magnetit hat nicht nur einen hohen Eisengehalt, es ist auch extrem magnetisch. Die Steine wurden unter Tage abgebaut und bis zur Zerlegungsanlage befördert. Dort wurde das Eisenerz aus dem Restgestein getrennt.

In der Miniera di Ginevro befindet sich die einzige Untertagemine der Insel mit drei verschiedenen Untertagestollen: sechs Meter über und 24 sowie 54 Meter unter dem Meeresspiegel. Tief unter der Erde ist es auch in heißen Sommern angenehm kühl. Die Sprengungen waren gefährlich und die Arbeit anstrengend, weil die Arbeiter mit Bohrmaschinen über Kopf arbeiten mussten. Durch den Abbau entstanden höhlenartige Räume, die man heute besichtigen kann. Zum Bergwerk gehört auch ein Museum, das früher die Werkstatt war. Hier sind u.a. typische Mineralien der Insel Elba ausgestellt: Pyrit, Quarzo Prasio und Magnetite. Im Sommer werden täglich Führungen durch die Miniera di Ginevro angeboten. Ein faszinierender Rundgang, bei dem die harte Arbeit der Bergleute, die Entwicklung der Fördertechniken und alte Werkzeuge gezeigt werden.

Capoliveri – Vom Bergarbeiterort zum Touristenzentrum

Capoliveri ist das Zentrum des Erzbergbaus. In den 70ern lebten hier noch viele Minenarbeiter, die mit dem Bus in die acht Kilometer entfernte Miniera di Ginevro fuhren. Capoliveri ist einer der ältesten Orte von Elba und heute ziemlich angesagt. Im Sommer tummeln sich hier viele Touristen. Das Dorf mit seinen knapp 4.000 Einwohnern thront von weither sichtbar auf einer Anhöhe. Den Mittelpunkt bildet die Piazza Matteotti mit einer schönen Aussichtsterrasse, Cafés und Bars. Vom Platz aus sieht man bis zur Insel Montecristo. Rund die Hälfte der Häuser in Capoliveri sind heute in der Hand von Deutschen, aber auch Italiener haben sich hier ein Ferienhaus gekauft. Heute gehört Capoliveri zu den reichsten Gemeinden ganz Italiens. Der ehemalige Bergarbeiterort ist auch bekannt für seine vielen Feste, wie das Fest der Bergarbeiter (Mai), das Fest der Verliebten (Juli) und das Fest der Trauben (Ende September/Anfang Oktober).

Bar mit Außengastronomie an alten Stadthäusern

Capoliveri ist einer der ältesten Orte der Insel.

Michelangelo Venturini malt mit dem Staub der Calamita

Der Staub der Calamita steckt in den farbenprächtigen Bildern von Michelangelo Venturini. Seine Mutter nannte ihn tatsächlich Michelangelo. Er malt einen Teil seiner Bilder mit den Mineralien aus den ehemaligen Bergwerken rund um Capoliveri. Dazu sammelt er Steine in den unterschiedlichsten Farben, die gemörsert und anschließend gesiebt werden. Das Pulver wird mit Eiweiß gebunden, heller Essig macht die Farben lebendiger. Michelangelo Venturini ist unter Kunstliebhabern weit über Elba hinaus bekannt und hat schon in den Uffizien, in London und anderen europäischen Städten sowie in New York ausgestellt und viele Preise gewonnen.

Der Künstler Michelangelo Venturini mischt im Atelier Farben

Michelangelo Venturini lebt im ehemaligen Bergarbeiterort Capoliveri und malt mit dem Staub der Calamita.

Vom Mineralienmuseum in Rio Marina zum Mineralienpark

Der Hafenort Rio Marina liegt an der Ostküste von Elba. Im Dorfzentrum befindet sich im historischen Hauptsitz der Minenverwaltung das Museo dei Minerali di Rio Marinar. Im Mineralienmuseum sind rund 1.000 besonders schöne Exemplare der typischen Mineralien und Steine der Insel ausgestellt, die seit den frühen 1960er-Jahren von der Geschäftsgesellschaft "Elbas Bergwerke" zusammengetragen wurden. Im Inneren des Museums werden auch einige Originalszenarien aus den Minen nachgestellt. Außerdem ist hier das historische Archiv des Bergwerks untergebracht, in dem sich Karten und Unterlagen zu Elbas Bergwerksvergangenheit befinden.

Vom Rio Marina aus kann man den Mineralienpark besuchen, ein Tagebaubergwerk im Valle Giove, dem ältesten Bergwerk der Insel. Man kann entweder zu Fuß die Straßen entlang gehen, die ehemals zum Transport der abgebauten Mineralien genutzt wurden. Oder man nimmt einen kleinen, offenen Zug, der zu den Hauptabbaustellen des Bergwerks von Rio Marina fährt: Jede dieser Abbaustellen hat ihre eigenen Farben und Charakteristiken. Der Zug hält im Steinbruch Cantiere di Valle Giove, wo man selbst Steine klopfen und auf Mineraliensuche gehen kann. Für diese Tour ist eine Reservierung unbedingt erforderlich.

Braungelb gefärbtes Wasser eines Flusses

Eisen und Schwefel färben im Valle Giove das Wasser gelb.

Lesetipps für Elba

Sabine Becht
Elba und der Toskanische Archipel
Müller, 8. Aufl. 2021
ISBN 978-3956549809
Preis: 17,90 Euro

Max Fleschhut
111 Orte auf Elba, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2019
ISBN ‎978-3740805876
Preis: 16,95 Euro

Heinz Tomek
Elba. Reiseführer mit Karte
Merian, 2. Aufl. 2017
ISBN 978-3834222176
Preis: 11,99 Euro

Wolfgang Heitzmann, André M. Winter
Elba. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 40 Touren
Rother Bergverlag, 6. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3763344826
Preis: 14,90 Euro

Stand: 18.07.2021, 20:15