Tag 3: Auf nach Girona

Tag 3: Auf nach Girona

Der dritte Tag ist Girona gewidmet, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Girona und der Costa Brava. Die knapp 100.000 Einwohner zählende Stadt am Fuß der Pyrenäen ist interessant, bildschön und hat einiges zu bieten. Vor allem die historische Altstadt mit römischen, maurischen und jüdischen Spuren ist sehenswert. Abends entfaltet sie einen besonderen Zauber. Man kann hier gut und günstig essen. Umso unverständlicher ist es, dass die meisten Touristen nur für ein paar Stunden herkommen und abends wieder an die Küste zurückfahren. Andrea Grießmann macht es anders und übernachtet in Girona, in der Pension „Bellmirall“ in der Altstadt zwischen Kathedrale und Universität. Das Hostal ist seit über 50 Jahren in einem Haus aus dem 14. Jahrhundert untergebracht.

Blick über eine Balustrade auf Altstadthäuser und Kirchturm

Spuren der römischen, maurischen und jüdischen Vergangenheit kann man in Girona entdecken.

Von steinernen Löwinnen, labyrinthischen Gassen und schwer erreichbaren Kathedralen

Die steinerne Löwin von Girona begrüßt seit fast 1.000 Jahren die Besucher der Stadt. Es heißt: Wer ihr Hinterteil küsst, beweist der Stadt seine Ehrerbietung und kehrt zurück. Früher waren es die Staatsoberhäupter, die die Löwin küssten, heute sind es die Touristen, die eine Kopie küssen. Das Original steht im „Museo d’Art de Girona“. Beim Gang durch die Altstadt hat man das Gefühl, mehrere historische Epochen gleichzeitig zu durchlaufen. Ab Ende des 9. Jahrhunderts ließ sich im jüdischen Viertel „El Call“ eine der größten jüdischen Gemeinden des Mittelmeerraumes nieder. Bis heute ist es eines der besterhaltenen in ganz Europa. Die dunklen, verwinkelten Gassen scheinen von der Moderne nahezu unberührt. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Kathedrale Santa Maria, die vom 11. bis ins 17. Jahrhundert erbaut wurde. 90 Stufen der monumentalen barocken Freitreppe müssen bewältigt werden, um vor dem Hauptportal zu stehen. Im Inneren verbirgt sich das größte, gotische Kirchenschiff der Welt.

Sehr breite Steintreppe hinauf zu einer Kathedrale

90 Stufen sind es bis zur Kathedrale.

Drehort von Game of Thrones und begehbare Stadtmauer

Das nahezu unberührte historische Ensemble des Barri Vell ist die perfekte Kulisse für die derzeit erfolgreichste Serie der Welt: Teile der 6. Staffel von Game of Thrones wurden hier gedreht. In dem Historienspektakel geht es um Macht, Rache und Liebe. Fans werden die Drehorte, wie die Treppe der Kathedrale oder die „Banys Arabs“ wiedererkennen. Diese wurden Ende des 12. Jahrhunderts nach dem Vorbild arabischer Bäder erbaut.

Blick durch Torbogen in Raum mit einem säulenumstandenen runden Becken

Die „Banys Arabs“ wurden Ende des 12. Jahrhunderts nach dem Vorbild arabischer Bäder erbaut.

Ein weiteres Highlight im historischen Girona ist die begehbare Stadtmauer. Teile haben bereits die Römer angelegt, weitere wurden später gebaut. Girona wurde insgesamt 25 Mal belagert, aber nur vier Mal erobert. Fast eine halbe Stunde dauert der Spaziergang mit fantastischen Blicken über die Stadt und auf die Pyrenäen.

Bunte Häuser und eine berühmte Brücke

Die historische Altstadt wird von der Neustadt durch den Rio Onyar geteilt. Bunte Häuserfassaden säumen sein Ufer, ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Mehrere Brücken verbinden die beiden Stadtteile, die berühmteste wurde von Gustave Eiffel erbaut. Die orangerote Brücke vor den bunten Häusern ist inzwischen zu dem beliebtesten Fotomotiv der Stadt geworden.

Blick durch Brückengeländer auf bunte Häuserzeile an einem Kanal

Die bunten Häuser sind ein Wahrzeichen von Girona.

In der Neustadt besuchen wir eine besondere Eisdiele. Sie gehört Jordi Roca, einem der drei Roca Brüder, die das zweitbeste Restaurant der Welt vor den Toren Gironas führen. Der Patissier wollte sich hier mit verrückten Eiskreationen austoben. Das Eis ist aus besten Zutaten hergestellt, das Besondere sind aber die ausgefallenen Toppings: von Wölkchen aus Rosenextrakt bis Zuckerwatte ist alles dabei.

Los gigantes - eine katalanische Tradition

Wer in den Sommermonaten in Girona übernachtet, hat gute Chancen, auf irgendein typisch katalanisches Fest zu stoßen. Zum Beispiel den Umzug der Gigantes. Das sind riesige Pappmachéfiguren, die von Menschen getragen werden. Die Riesen stellen entweder eine historisch relevante Figur dar oder sie erzählen die Geschichte eines Dorfes. Die Umzüge werden musikalisch begleitet, da dürfen die katalanische Flöte und die Trommeln nicht fehlen. In Katalonien liebt man die Umzüge mit den Figuren in XXL - bis zu 1.800 Umzüge finden pro Jahr statt.

Zwei riesige Pappmachéfiguren, die bei einem Umzug durch eine enge Altstadtgasse getragen werden.

Umzug der Gigantes durch Gironas Altstadt

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Carolin Wagner

Stand: 19.03.2017, 20:15