Carcassonne - eine Stadt mit Geschichte

Blick über den Kanal auf die bei Abenddämmerung beleuchtete Stadt mit Stadtmauer und Türmen

Carcassonne - eine Stadt mit Geschichte

Der Canal du Midi und das Land der Katharer

Im 11. und 12. Jahrhundert verbreitete sich im Süden Frankreichs der Glaube der Katharer. Dessen Verbreitung war vor allem als Reaktion auf den Machthunger und wachsenden Reichtum des Klerus zurückzuführen. Durch strenge Askese, tugendhaften Lebenswandel und die Abkehr von allem Weltlichen strebten die Katharer nach göttlicher Erlösung. Christus als Sohn Gottes lehnten sie ab, und im Gegensatz zur katholischen Kirche galt für sie die Gleichheit von Mann und Frau.

Papst Innozenz III. fürchtete um die Macht der Kirche und ließ die Kreuzritter losziehen, um den rebellischen Katharern den rechten Weg zu weisen oder sie zu töten. Brandschatzend und mordend zogen die christlichen Ritter durchs Land, überall loderten die Scheiterhaufen. Nachdem nahezu alle Katharer getötet worden waren, verschanzten sich die Überlebenden auf den schwer zugänglichen Burgen der ihnen vertrauten Fürsten. Aber auch sie wurden von der Inquisition aufgespürt.

Blick über Weinfelder auf die Stadtmauer mit vielen Türmen

„La Cité“ diente Walt Disney als Vorlage für sein Dornröschenschloss.

Carcassonne - Ritterburg wie aus dem Bilderbuch

Die bewegte Geschichte der Stadt Carcassonne reicht 2.500 Jahre zurück. Schon in der Antike war der Ort besiedelt, später wurde er von den Römern mit einer Ringmauer geschützt. Dennoch eroberten in den darauffolgenden Jahren nacheinander Westgoten, Araber und Franken den Ort. Die mittelalterliche Festungsstadt, auch kurz „La Cité“ genannt, bot im 13. Jahrhundert den verfolgten Katharern Unterschlupf. Mehrmals war sie Ort heftiger Kämpfe und erlebte immer wieder Feuersbrünste. Raymond-Roger Trencavel, der den Verfolgten gegen den Willen des Papstes Schutz geboten hatte, konnte die Festung nicht halten. Er wurde gefangen genommen und starb wenige Monate später. Bis zum Pyrenäenfrieden von 1659 war Carcassonne vor allem als Militärstützpunkt an Frankreichs Südgrenze wichtig, danach verlor die Burganlage an Bedeutung.
Erst 1844 wurde der Verfall gestoppt und Carcassonne unter der Leitung des berühmten Architekten Viollet-le-Duc zum Idealbild einer Festungsstadt ausgebaut, zu dem, was wir heute sehen. Der erfolgreiche Handel mit Wein trug dazu bei, dass sich Carcassonne wirtschaftlich wieder erholte.
Mit ihren Zinnen und Türmen entlang der Mauern ist Carcassonne eine Ritterburg wie aus dem Bilderbuch. 1997 wurde die einzigartige Anlage von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Mehr als drei Millionen Touristen besuchen jedes Jahr die Anlage, die sogar Walt Disney als Vorlage für sein Dornröschenschloss diente. Aber „La Cité“ ist kein Museum: Hier leben und arbeiten Menschen, und es gibt sogar eine Schule, ganz abgesehen von den zahlreichen Geschäften und Restaurants, die in den engen Gassen zu finden sind.

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Autor: Per Schnell

Stand: 07.05.2017, 20:15