Der König aller Kanäle

Hausboot auf dem von Bäumen und Radweg gesäumten Kanal

Der König aller Kanäle

Der Canal du Midi ist eine der ältesten Wasserstraßen Europas: 1666 begonnen und in nur 14 Jahren Bauzeit realisiert, ein Meisterwerk der Technik mit 328 Schleusen, Brücken und Tunneln. Einst wichtig für den Weintransport, ist er heute Frankreichs beliebtester Kanal für den Hausbooturlaub. 1996 wurde er zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.
Schon die Römer hatten geplant, den Atlantik mit dem Mittelmeer durch eine Wasserstraße zu verbinden, um sich den langen Seeweg um die iberische Halbinsel zu ersparen, doch erst im 17. Jahrhundert wurde er Realität. Pierre-Paul Riquet, ein Steuereintreiber im Dienste des Staates, konnte im Jahre 1662 Ludwig XIV. für seine Idee begeistern, einen Kanal zu bauen. Vier Jahre später ging es los. Mehr als 12.000 Arbeiter waren beteiligt, sie errichteten 328 Bauwerke wie Schleusen, Brücken und Tunnel. Über 42.000 Bäume wurden gepflanzt. Die Wurzeln sollten das Ufer des Kanals festigten und die Blätter den Menschen Schatten spenden, die die Schiffe mit ihren Pferden auf dem Kanal zogen. Nach nur 14 Jahren Bauzeit konnte der Kanal eingeweiht werden, sein Erbauer erlebte die Fertigstellung aber nicht mehr. Er starb ein halbes Jahr vorher, bettelarm. Er hatte sein ganzes Vermögen verloren, und seine Söhne mussten die Schulden noch 40 Jahre lang abtragen.

Karte der Region mit dem Kanal und Städten

Der Canal du Midi stellt die Verbindung zum Mittelmeer her.

Der Fluss Garonne und der Canal du Midi verbinden seitdem die Meere. Riquet hatte an alles gedacht, sogar an Staubecken in Höhe der Wasserscheide bei Toulouse, die in den niederschlagsarmen Sommermonaten für einen ausreichenden Wasserstand sorgen. Die Region erlebte einen Aufschwung, gerade der Weinbau profitierte von den neuen Transportmöglichkeiten. Der eigentliche Kanal beginnt in Toulouse und endet nach 240 Kilometern bei Marseillan im Etang de Thau.

Tamina sitzt auf dem Boot mit Blick auf den Kanal, der links von Bäumen gesäumt ist

Die Schatten spendenden Bäume am Ufer gibt es leider auf weiten Strecken nicht mehr.

Leider werden die Platanen entlang des Kanals seit einigen Jahren von einem Pilz befallen, der sie absterben lässt. Auf weiten Strecken gibt es diese für den Canal du Midi so typischen Baumalleen nicht mehr. Die fehlenden Bäume werden wieder angepflanzt, aber bis sie groß genug sind, leiden die Skipper der Charterboote ebenso wie die Fahrradfahrer unter dem fehlenden Schatten.

Weitere Informationen im Internet

Autor: Per Schnell


Stand: 07.05.2017, 20:15